Kampf gegen Corona: Kreis Herford hat bei der Bundeswehr erneut um Hilfe gebeten
Weitere Soldaten sollen kommen

Herford (WB). Normalerweise würden sie jetzt vermutlich im Auslandseinsatz sein oder auf dem Truppenübungsplatz: Stattdessen helfen die Soldaten aus Ahlen im Kampf gegen die Pandemie. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kreises Herford gibt es eine solche zivilmilitärische Zusammenarbeit.

Donnerstag, 29.10.2020, 06:00 Uhr
Im historischen Sitzungssaal des alten Kreishauses haben die zehn Soldaten Stellung bezogen. Sie helfen der Verwaltung bei der Corona-Kontaktverfolgung. Die Streitkräfte gehören zum Aufklärungsbataillon 7, das in der Ahlener Westfalenkaserne stationiert ist. Foto: Moritz Winde

Seit Montag verrichten zehn Streitkräfte des Aufklärungsbataillons 7 der Panzerbrigade 21 ihren Dienst am Kreishaus-Schreibtisch. Ihre wichtigste Waffe ist der Telefonhörer. „Unsere Aufgabe ist es, Kontakte nachzuverfolgen“, sagt Hauptgefreiter Kürhan Acikgöz (21). Denn angesichts der rasant steigenden Corona-Zahlen besteht die Gefahr, die Infektionsketten nicht mehr nachhalten zu können. Und das, obwohl schon jetzt 54 Frauen und Männer sieben Tage in der Woche nichts anderes tun.

Im alten Saal herrscht geschäftiges Treiben. Hier wird in der Regel von morgens 8 bis abends um 20 Uhr gearbeitet.

Im alten Saal herrscht geschäftiges Treiben. Hier wird in der Regel von morgens 8 bis abends um 20 Uhr gearbeitet. Foto: Moritz Winde

Die Sorgen, den Überblick zu verlieren, treibt Norbert Burmann aus dem Krisenstab des Kreises um. Aus diesem Grund habe er ein zweites Amtshilfeersuchen bei der Bundeswehr gestellt: „Wir benötigen noch einmal zehn Soldaten.“ Der Antrag werde derzeit geprüft. Allerdings scheint es wahrscheinlich, dass das Militär aufgrund der „dramatischen Lage“ – so beurteilt Landrat Jürgen Müller die Situation – weiteres Personal nach Herford schickt. Und auch die Ahlener werden wohl noch etwas länger bleiben, als die vier geplanten Wochen. Vielleicht bekommen sie ja sogar Verstärkung aus den eigenen Reihen.

Norbert Burmann merkte man bei einer Stippvisite im historischen Sitzungssaal des alten Kreishauses – hier hat das Militär Stellung bezogen – an, wie dankbar er über die prompte Unterstützung ist. „Sie machen einen ganz wichtigen und tollen Job“, lobte der Dezernent die Arbeit seiner neuen „Angestellten“ auf Zeit.

Das Aufklärungsbataillon 7, das aus fünf Kompanien und 1100 Soldaten besteht, hat eigentlich den Auftrag, am Boden Spähaufklärung und in der Luft unbemannte abbildende Aufklärung zu betreiben. „Aufklären bedeutet, Informationen – beispielsweise über die Struktur und die Zahl feindlicher Einheiten und Kämpfer, die gegnerischen Waffen sowie das Gelände – zu erlangen. Informationsüberlegenheit ist seit jeher ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Bewältigung bewaffneter Konflikte“, heißt es auf der Internetseite der Bundeswehr.

Im Kampf gegen die Pandemie bekommt das Wort „Aufklärung“ jedoch eine ganz andere Bedeutung. Hauptgefreiter Kürhan Acikgöz: „Wir müssen Leute informieren, die infiziert sind oder sich angesteckt haben könnten. Deren Reaktion ist übrigens überaus verständnisvoll.“ Der 21-Jährige sagt, die Arbeitsatmosphäre sei entspannt. „Wir wurden in Herford sehr gut aufgenommen.“

Dezernent Norbert Burmann bedankt sich bei Fregattenkapitän Willi Morschhäuser. Er leitet das Kreisverbindungskommando Herford, fungiert damit als Vermittler zwischen Verwaltung und Bundeswehr.

Dezernent Norbert Burmann bedankt sich bei Fregattenkapitän Willi Morschhäuser. Er leitet das Kreisverbindungskommando Herford, fungiert damit als Vermittler zwischen Verwaltung und Bundeswehr. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7652751?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Das sollen die Standorte der Corona-Impfzentren in OWL werden
Eine Versuchsperson erhält eine Spritze mit einem potenziellen Impfstoff gegen das Coronavirus.
Nachrichten-Ticker