Ende 2021 soll Schluss sein – Textilkette nennt Zustand der Immobilie als Grund
H&M will Standort Gehrenberg aufgeben

Herford (WB). Seit September 1999 ist H&M eine Anziehungspunkt in der Innenstadt. Am Mittwoch hat das Unternehmen angekündigt, den Standort am Gehrenberg Ende 2021 aufzugeben.

Donnerstag, 29.10.2020, 05:50 Uhr
Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist H&M einer der Frequenzbringer in der Herforder City. Der schwedische Textilfilialist hat nun angekündigt, den Standort Ende 2021 aufzugeben. Der Zustand der Immobilie mache diesen Schritt notwendig. Foto: Moritz Winde

Die Textilkette nennt den Zustand des Gebäudes als Grund für die Schließung. „H&M schätzt den Standort in Herford sehr. Das Gebäude, indem sich unser Geschäft befindet, ist jedoch in die Jahre gekommen“, heißt es in einer Mitteilung. Die „unbedingt benötigten, tief greifenden Renovierungsmaßnahmen“ seien so umfassend, dass es keine Möglichkeit gebe, das Geschäft in diesem Gebäude weiter zu betreiben. So war nach HK-Informationen etwa die Klimaanlage im Sommer ausgefallen, die Rolltreppe längere Zeit defekt, ebenso der Aufzug.

Die Textilkette lässt nun also offenbar den bestehenden Mietvertrag auslaufen: „Aus diesem Grund mussten wir schweren Herzens entscheiden, unser H&M-Geschäft zum Ende des nächsten Jahres zu schließen. Wir wären sehr gerne geblieben.“ Das Unternehmen hoffe jedoch, zeitnah ein anderes passendes Objekt in Herford zu finden. Allerdings: „Realistisch betrachtet ist ein Jahr ein sehr knapp bemessener Zeitrahmen für einen fließenden Geschäftsübergang“, sagt eine H&M-Sprecherin auf Anfrage.

27 Beschäftigte betroffen

Von der angekündigten Schließung sind 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Sie wurden am Mittwochmorgen vom Regionalleiter und der Personalchefin über das anstehende Aus informiert. Die Stimmung sei gedrückt, Beschäftigte seien regelrecht schockiert gewesen, ist aus dem Umfeld zu hören.

Wie geht es für sie jetzt weiter? „Uns liegt selbstverständlich viel daran, so viele Kolleginnen und Kollegen wie möglich weiter zu beschäftigen“, teilt die Unternehmenszentrale für Deutschland in Hamburg mit. Sie könnten sich für andere Filialen bewerben. „Alle offenen Stellen sind online auf unserer Karriereseite zu finden.“ Man biete auch Sprechstunden an, um den Bewerbungsprozess zu unterstützen und offene Fragen zu beantworten. Nach HK-Informationen kommen die meisten Beschäftigten aus Herford. Die nächsten H&M-Filialen sind in Bielefeld, Bad Oeynhausen, Lemgo und Minden.

Das Haus am Gehrenberg 22-26 mit einer Verkaufsfläche von 1700 Quadratmetern auf drei Etagen ist seit vielen Jahren Eigentum eines auswärtigen Immobilienfonds. Ein Kontakt für eine Stellungnahme war gestern nicht herzustellen, auch nicht über einen in diesem Fall tätigen Makler.

Stadt will mit Immobilieneigentümer sprechen

Für den heimischen Handel wäre der Weggang eines großen Frequenzbringers ein herber Verlust. „Das ist keine gute Nachricht“, sagt Arno Sebening, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes OWL für die Kreise Herford und Minden-Lübbecke. Er sorgt sich sowieso schon wegen der Corona-Problematik um die Entwicklung der Innenstadt. Auch bei der Stadt zeigte man sich betroffen. Man wolle jetzt noch einmal das Gespräch mit dem Eigentümer suchen. Dass H&M nach eigener Aussage aber in Herford bleiben wolle, sei ein gutes Zeichen. „Es dürfte aber schwierig werden, eine adäquate Immobilie mit entsprechender Größe in der Innenstadt zu finden“, sagt City-Managerin Sandra Beckmann.

„Ein Weggang wäre ein Riesenverlust für die Einkaufsstadt Herford“, meint auch Klingenthal-Geschäftsleiter Ekrem Keskin. Er sehe den Nachbarn H&M nicht zuerst als Konkurrenz. Ein solch großer Filialist sei ein Anziehungspunkt, von dem der gesamte Handel profitiere. „Ich wünschte mir, wir hätten davon noch viele mehr.“ Alles, was zur Belebung der Innenstadt beitrage, sei ein Gewinn – insbesondere jetzt in der äußerst schwierigen Zeit der Corona-Pandemie. „Die trifft uns natürlich ebenfalls hart – so wie alle anderen auch.“

Kommentar:

Über den Weggang von H&M vom Gehrenberg wird seit längerem gemunkelt. Jetzt hat die schwedische Textilkette die Pläne bestätigt. Wegen Corona ist der Filialist in die Schieflage geraten, hat die Schließung von weltweit 250 Filialen angekündigt. In Herford soll allerdings der bedenkliche Zustand der Immobilie ausschlaggebend sein. Das erscheint glaubhaft, wenn man aus dem Umfeld hört, welche Mängel dort aufgetreten sind.

Weil der Eigentümer sich offenbar wenig kooperativ zeigt, kündigt H&M jetzt den Rückzug vom mehr als zwei Jahrzehnte etablierten Standort an. Ja, man möchte in Herford bleiben, schickt der Filialist hinterher. Aber wo? Das Altstadt-Center am Augustinerplatz wäre ein denkbarer Ort gewesen. Wäre. Eine neue Geschäftsimmobilie in der Größe wird schwer zu finden sein. Und Corona macht zusätzliche Investitionen unwahrscheinlich.

Aber vielleicht kommt alles ganz anders. Edeka hatte auch das Aus an der Ernstmeierstraße verkündet. Nach einem öffentlichen Aufschrei scheint eine Zukunft in einem Neubau des Eigentümers dort möglich zu sein. Und in Sachen H&M ist bis Ende 2021 noch viel Zeit.

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