„X“ seit März geschlossen – Ärger über zu späte zweite Förderung
Düstere Zeiten für Diskotheken

Herford (WB). Seit Mitte März wird wegen Corona nicht mehr getanzt und gefeiert, seither hat das „X“ – die Diskothek an der Bünder Straße – für keine einzige Veranstaltung seine Türen geöffnet. Dabei hatte Chef Kai Nolte durchaus Ideen. Doch nachdem der Inzidenzwert nun auch im Kreis Herford jenseits der 70 liegt, dürfte es damit immer schwerer werden.

Sonntag, 25.10.2020, 06:00 Uhr
Seit Mitte März sind die Herforder Diskotheken wegen der Corona-Pandemie geschlossen – auch im X darf nicht mehr gefeiert werden. Foto: Moritz Winde

„Ich habe überlegt, wie wir trotzdem feiern können. Eine Schaumparty hätte eine Lösung sein können“, sagt Nolte. Die Besucher sollten durch eine Schaumschleuse eingelassen werden. Er habe mit dem Tropeninstitut in Leipzig gesprochen. „Zwar haben auch die Experten dort keine Erfahrungen mit Schaumpartys, sagten aber, dass die Tenside im Schaum alle Viren zerstören würden“, so Nolte.

Stadt lehnt Schaumparty ab

Zudem drücke die Belüftung stark genug nach unten und im Schaum würden die Viren absterben. Dieses Konzept hatte Nolte im Sommer bei der Stadt eingereicht. „Der Bürgermeister hat es mit einem Zwei-Satz-Schreiben abgelehnt. Ich denke, man hatte sich gar nicht damit befasst“, sagt Nolte, der weiß, dass mit dem Erreichen der 50er Marke jede Veranstaltung noch schwieriger genehmigt wird.

Anders als beispielsweise der Ringlokschuppen in Bielefeld, der Disco und Weinfest im Sitzen angeboten hat, hat das „X“ auf solche Veranstaltungen verzichtet. „Zum einen sieht es bei uns räumlich etwas anders aus, zum anderen hätten wir Geld für Bestuhlung und ein Hygienekonzept in die Hand nehmen müssen“, so Nolte.

Und man wisse am Ende nicht, wie eine solche Feier angenommen werde. „Wir können nur Veranstaltungen anbieten, die sich auch definitiv rechnen. Gerade in diesen Zeiten“, sagt Nolte, der aus mangelnder Rentabilität kürzlich erst eine Anfrage zu einer Konzertveranstaltung ausgeschlagen hat.

Fürs „X“ gab es auch einige Anfragen nach Vermietungen für private Feiern. „Wir haben da schon überlegt. Jetzt aber mit den enormen Beschränkungen bei Besucherzahlen dürfte auch eine Vermietung schwer möglich sein“, meint Nolte, sieht allerdings genau darin vorerst die einzige Möglichkeit, die Räume überhaupt zu „bespielen“.

Mitarbeiter in Kurzarbeit

Seine vier Mitarbeiter hat Kai Nolte in Kurzarbeit geschickt. „S0 musste keiner entlassen werden. Anders sieht das aber bei den Aushilfen aus“, erklärt der Discobetreiber. Mit der Unterstützung vom Staat und dem Verzicht auf sein eigenes Gehalt ginge es aber finanziell halbwegs.

Außerdem stelle der Vermieter (er ist Mitgesellschafter) weiterhin die Miete zurück. Bis August lief die erste Förderung vom Staat. Die nächste ist zwar zugesagt. Allerdings ärgert sich Nolte, dass er diese für ihn wichtigen Gelder noch nicht beantragen kann. „Das scheint erst ab November zu gehen – dann rückwirkend für die Monate ab September bis zum Jahresende. Richtiger wäre gewesen, wenn wir Betroffenen direkt im August die Förderung hätten anfragen können“, sagt der „X“-Chef.

Die Zeiten sind weiter düster – will man da als Diskotheken-Betreiber nicht den Kopf in den Sand stecken? „Das ist nicht meine Art. Ich blicke nach vorne. Und wer den Kopf in den Sand steckt, der erstickt“, sagt Nolte. In den sozialen Netzwerken postet das „X“ Fotos und Videos von Partys aus der Zeit vor Corona. Kommentare und Likes zeigen deutlich: Die Partylocation wird sehr vermisst.

Seit Mitte März ist die Tanzfläche verwaist.

Seit Mitte März ist die Tanzfläche verwaist. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7645613?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Dramatische Zahlen: Ab Samstag strengere Corona-Regeln für Espelkamp
Die Coronazahlen in Espelkamp sind unverändert hoch. Aus dem Rathaus kam daher zum Wochenende ein erneuter, eindringlicher Appell, die privaten Kontakte auf den eigenen Haushalt zu minimieren.
Nachrichten-Ticker