Stadt lehnt Aufstellung zunächst ab – Dehoga schreibt an Kähler
Streit um Gastro-Zelte

Herford (WB). In der Herforder Gastronomie brodelt es: Während im benachbarten Bielefeld Gastwirte Zelte vor ihre Kneipen und Restaurants stellen dürfen, um den Wunsch der Gäste in Corona-Zeiten Rechnung zu tragen, ihr Getränk lieber draußen zu sich nehmen, teilte die Stadtverwaltung den Herforder Gastwirten mit: „Die Verwaltungsspitze hat entschieden, dass die bisher nicht zulässigen Zelte und Schutzwände auch in Corona-Zeiten aus Gründen der Stadtbildgestaltung grundsätzlich nicht genehmigt werden.“

Samstag, 24.10.2020, 05:50 Uhr
Angesichts steigender Infektionszahlen sitzen Gäste lieber vor als im Café. Einige Herforder Gastronomen wollen deshalb Gastro-Zelte und Heizpilze aufstellen. Das Aufstellen der Zelte hat die Stadt zunächst abgelehnt. Jetzt soll es weitere Gespräche geben. Foto: Moritz Winde

Mit anderen Worten: Aus ästhetischen Gründen wird den Wirten eine dringend benötigte Hilfe von Seiten der Stadt verwehrt. Mittlerweile hat sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) OWL eingeschaltet und einen Brief an Bürgermeister Tim Kähler verfasst.

„Ausdrücklicher Wunsch der Gäste“

Hauptgeschäftsführerin Regine Tönsing erklärt darin, dass einige Gastronomen besorgt sind, weil aufgrund der sich verschärfenden Corona-Lage immer weniger Gäste in geschlossenen Räumen sitzen wollen. Es gebe den ausdrücklichen Wunsch der Gäste, lieber draußen zu sitzen. Nur sollten sie dies nicht ungeschützt im Regen und in der Kälte tun.

Deshalb möchten etwa zehn Herforder Gastronomen in der Herforder Innenstadt vor ihren Betrieben Gastro-Zelte aufstellen.

Hinweis auf Bielefeld und Paderborn

In Bielefeld und Paderborn habe man „kooperative Lösungen“ gefunden schreibt Tönsing an Herfords Bürgermeister. Dabei seien wichtige Aspekte wie Brandschutz und baurechtliche Vorschriften berücksichtigt worden. In Bielefeld müssen Gastronomen beispielsweise in ihrem Antrag zur Genehmigung von Gastro-Zelten versichern, dass in den Zelten keine gasbetriebenen Heizstrahler, keine Kochstellen sowie keine Kühlschränke oder Theken aufgestellt werden.

All das haben auch die Herforder Gastronomen nicht vor. Sie wollen lediglich unter soliden Zeltdächern, die gut belüftet werden, ihr Geschäft machen, das unter der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten erheblich gelitten hat. Selbstverständlich würde man auch darauf achten, dass Feuerwehrzufahrten und Rettungsgassen nicht blockiert werden.

Erneute Gespräche

„Wir möchten Sie bitten, über eine kooperative Lösung nachzudenken, zumindest, was die Stadt-Gestaltungssatzung angeht“, schreibt die Dehoga-Hauptgeschäftsführerin OWL an Kähler. Da es nur wenige Herforder Gastronomen sind, die in der Innenstadt Zelte aufstellen wollen, werde auch das Stadtbild nicht zu sehr verunstaltet. Das Schreiben hat offenbar Wirkung gezeigt. Es soll jetzt weitere Gespräche zwischen Stadt und Wirten geben.

 

Kommentar:

Wir wollen machen, was möglich ist“, sagt der zuständige Verwaltungsmitarbeiter der Stadt Bielefeld im Zusammenhang mit dem Aufstellen von Gastro-Zelten. Diese Haltung würde man sich in dieser Frage auch für die Stadt Herford wünschen. Die etwa zehn Herforder Gastronomen, die durch das Aufstellen von Zelten in schwierigen Zeiten mehr Umsatz machen möchten, werden aus eigenem Interesse darauf achten, dass keine Feuerwehrzufahrten blockiert werden und alles ordnungsgemäß abläuft. Ihnen aus ästhetischen Gründen das Aufstellen von Zelten zu verbieten, ist ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein einer eh schon angeschlagenen Branche. Bürgermeister Tim Kähler sollte sich mit den Gastwirten rasch in Verbindung setzen, um in dieser Frage zu erlauben, was möglich ist. Ralf Meistes

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