Inzidenzwert bei 55 – Landrat Jürgen Müller: „Die Lage ist sehr ernst“
Herford ist Corona-Hotspot: Bundeswehr soll helfen

Herford (WB). Jürgen Müller hat sich mit einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung gewandt: „Die Lage ist sehr ernst. Es ist nicht fünf vor 12, sondern 12“, sagt der Landrat mit Blick auf die sprunghaft steigenden Corona-Zahlen. Mit 45 Neuinfektionen in 24 Stunden und einem Inzidenzwert von 55 ist der Kreis Herford Risikogebiet . Nun soll die Bundeswehr helfen.

Donnerstag, 22.10.2020, 16:03 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 16:50 Uhr
Der Krisenstab mit Dr. Marie-Luise Kluger, Landrat Jürgen Müller und Markus Altenhöner (von links) informiert im Kreishaus über die Situation. Der Kreis Herford zählt seit Donnerstag zu Corona-Risikogebieten. Foto: Moritz Winde

Denn es besteht die Gefahr, dass das Gesundheitsamt den Überblick bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen verliert. „Wir müssen die Infektionsketten durchbrechen“, gibt Behördenleiterin Dr. Marie-Luise Kluger das oberste Ziel vor. Noch sei dies der Fall. Aber wie lange noch? Zwei Zahlen geben einen Eindruck, wie knifflig und langwierig der Job ist. Bei aktuell 163 Infizierten sind etwa 1000 Personen in Quarantäne.

Schon jetzt kümmern sich 54 Frauen und Männer ausschließlich darum, dem Virus auf die Spur zu kommen. Wer hat wen wann und wie lange getroffen? Die Medizinerin gibt unumwunden zu: „Unsere Leute sind am Limit. Wir benötigen Unterstützung.“

Damit das Stammpersonal – es arbeitet oft zwölf Stunden am Stück und verzichtet auf Urlaub – entlastet wird, und angesichts des rasant steigenden Pandemiegeschehens, hat der Kreis Herford ein Amtshilfeersuchen bei der Bundeswehr gestellt. Zehn Soldaten werden ab Montag für zunächst vier Wochen ihren Arbeitsplatz im Kreishaus haben und Kontakte ermitteln. Sie haben sich bereits beim Massenausbruch im Kreis Gütersloh bewährt.

Problematisch: Derzeit gibt es keine Cluster, also größere, positiv auf Covid 19 getestete Gruppen. Dr. Marie-Luise Kluger: „Die Infektionen sind überwiegend in privaten Haushalten. Das erschwert unsere Arbeit natürlich enorm.“

Acht Patienten im Krankenhaus

Landrat Jürgen Müller geht nicht davon aus, dass Corona alsbald vom Tisch ist. Es sei kein vorübergehendes Phänomen. „Aus diesem Grund werden wir so schnell wie möglich eine spezielle Abteilung gründen, die sich nur um die Pandemie kümmert. Dafür werden wir neue Leute einstellen.“ Denn originäre Aufgaben des Gesundheitsamtes seien in letzter Zeit liegen geblieben – unter anderem die schulärztlichen Untersuchungen.

Auch wenn die Zahlen steigen: Schwere Verläufe gibt es kaum. Nur acht Patienten müssen stationär behandelt – durchweg Ältere, aber keiner muss beatmet werden oder liegt auf der Intensivstation. Marie-Luise Kluger warnt vor einer trügerischen Sicherheit: „Wir rechnen mit einem Anstieg der Todesfälle.“

Und Krisenstabschef Markus Altenhöner sagt: „Das Tückische ist, dass man infiziert sein kann, ohne etwas zu merken, also symptomfrei ist. Da es den Betroffenen in solchen Fällen ‚gut geht‘, ist die Erkrankung für diese Personen nach unseren Erkenntnissen nicht besorgniserregend. Die Viren können aber auf Personen überspringen, die dann mit erheblichen Symptomen zu kämpfen haben, bis hin zu schweren Erkrankungen.“

Aus diesem Grund rät der Kreis Herford zu Besuchen im Familien- und Freundeskreis ab – und wenn, dann nur auf Abstand und mit Maske. Marie-Luise Kluger: „Ich appelliere an den Verantwortungssinn jedes Einzelnen.“

Diese Grafik verdeutlicht den sprunghaften Anstieg der Corona-Fälle im Kreis . Im Oktober haben sich 249 Menschen infiziert – und der Monat ist noch nicht zu Ende. Foto: Kreis Herford

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