IHK-Klimaindex: Kreis Herford ist bislang gut durch die Wirtschaftskrise gekommen
Masken auf und durch

Enger (WB). Konjunkturell ist der Kreis Herford wieder im Herbst 2019 gelandet. Die Wirtschaft hat die Corona-Krise „erstaunlich, erfreulich und schnell“ verkraftet, stellt Dr. Klaus Bockermann fest, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK).

Donnerstag, 08.10.2020, 16:31 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 17:20 Uhr
Die IHK-Vizepräsidenten Oliver Flaskämper (links) und Dr. Klaus Bockermann (rechts) sind erleichtert über den milden Verlauf der Corona-Wirtschaftskrise im Kreis Herford. IHK-Geschäftsführer Harald Grefe (Mitte) wartet jetzt auf einen Wachstumsschub. Foto: Stephan Rechlin

Doch Euphorie bricht bei der Präsentation der Konjunkturumfrage im Konferenzsaal der Bockermann Fritze Ingenieur Consult GmbH in Enger deshalb nicht aus. Zum einen, weil nicht alle Branchen die V-förmige Erholung im Konjunkturklima-Index miterlebt haben, die mit 110 Punkten im Herbst 2019 startete, auf 58 Punkte im Sommer fiel und jetzt wieder bei 109 Punkten steht. In Teilen des Einzelhandels und der Gastronomie sei es höchstens „ein v-chen“ gewesen, wirft IHK-Vollversammlungsmitglied Rainer Döring ein, bei Reisebüros, Eventmanagern, Messeveranstaltern nicht einmal das. Zum anderen wirken die erlittenen Umsatzverluste nach und bremsen die Zukunftsaussichten, die angesichts steigender Infektionsraten düsterer werden.

Der größte Teil der 267 befragten Unternehmen möchte in den kommenden Monaten darum weder investieren noch Personal einstellen, 23 Prozent dieser Unternehmen wollen sogar entlassen. Dr. Bockermann: „Die Firmen warten ab und steuern auf Sicht.“

Robuste Industrie

Im Kreis Herford hat das Verarbeitende Gewerbe die Krise abgefedert, also die Maschinenbauer, Metallverarbeiter, (Küchen-)Möbelbauer, Nahrungs- und Genussmittelhersteller. Die 150 Betriebe dieser Branche büßten bisher nur 5,2 Prozent ihres Jahresumsatzes ein (NRW: minus 12,5 Prozent, Bund: minus 13,4 Prozent) und haben ihre 26.875 Mitarbeiter bis auf 1,7 Prozent gehalten. Dr. Bockermann: „Kurzarbeitergeld, Soforthilfe und Überbrückungshilfe waren wichtige Instrumente zur Sicherung der Liquidität.“ Einen Umsatzschub könnte der Export bringen, da hinken die Betriebe mit einer Quote von 35,2 Prozent dem NRW- und Bundesdurchschnitt (45,6 und 49,9 Prozent) noch deutlich hinterher. IHK-Geschäftsführer Harald Grefe: „Derzeit gibt es Reisewarnungen für 180 Länder. Auch im Inland werden Reiseeinschränkungen erwogen. Es wird also dauern.“

Teure Mehrwertsteuer-Senkung

Die Mehrwertsteuersenkung habe Kaufimpulse im Einzelhandel ausgelöst, sei von den Unternehmen aber mit einem ungeheuren Verwaltungsaufwand teuer erkauft worden. IHK-Vizepräsident Oliver Flaskämper: „Da wäre es einfacher gewesen, jedem Haushalt 1000 Euro zu überweisen.“ Mit dem Widerstand gegen die verkaufsoffenen Sonntage nehme die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem Einzelhandel die Chance auf eine kleine Erholung und stärke weiter den ohnehin schon davonziehenden Online-Handel. Flaskämper: „Sollten im kommenden Jahr die angedrohten Steuererhöhungen kommen, mindert das die Kauflust noch weiter.“

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