Dr. Kristian Nitschmann (54) ist neuer Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum
„Auf uns rollt eine Lawine an Arbeit zu“

Herford (WB). Er liebt die Küste, die Wellen und das Meer: Ohne seine Leidenschaft zum Windsurfen, wer weiß, ob Dr. Kristian Nitschmann tatsächlich Arzt geworden wäre. „Mit dem Sport habe ich mir Ende der 80er Jahre mein Medizinstudium mitfinanziert.“

Donnerstag, 08.10.2020, 05:20 Uhr
Auf zur Visite: Der neue Chefarzt, Dr. Kristian Nitschmann, im Gespräch mit Teamleiterin Kerstin Holzmüller. Jährlich werden in der Gefäßchirurgie am Klinikum etwa 1000 Patienten stationär behandelt – Tendenz steigend. Foto: Moritz Winde

Seit fünf Wochen ist der 54-Jährige Chef der Gefäßchirurgischen Abteilung am Klinikum Herford und damit Nachfolger von Dr. Siegfried Krishnabhakdi. Nitschmann kommt vom Klinikum in Soest in die Hansestadt. Als das Kartellamt eine Fusion zweier dortiger Krankenhäuser verboten habe, sei für ihn klar gewesen, sich beruflich umzuorientieren.

Die unterschiedliche Größe der Häuser habe für seine Job-Wechsel-Entscheidung eine zentrale Rolle gespielt. Zum Vergleich: Während Soest mit 316 Betten eine Einrichtung der Regelversorgung ist, gehört Herford mit 800 Betten zu den Schwerpunktkrankenhäusern.

Studium an Uniklinik Hamburg-Eppendorf

Kristian Nitschmann ist in seinem Leben viel herumgekommen. Er studierte an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, seine chirurgische Ausbildung absolvierte er an den Unikliniken in Heidelberg und Berlin. Bevor er zwölf Jahre Leiter der Gefäßchirurgie in Soest war, wurde er Oberarzt am Klinikum Stuttgart. Und jetzt also Herford. „An einem Haus dieser Größe kann ich mir mit der Arbeit einen Traum verwirklichen“, sagt der 54-Jährige, der täglich pendelt. Mit dem Auto benötige er über die A2 gerade einmal 40 Minuten.

An der Schwarzenmoorstraße hat der verheiratete, zweifache Vater – seine Söhne studieren Medizin beziehungsweise Jura – viel vor. „Ich will ein zertifiziertes, interdisziplinäres gefäßchirurgisch/radiologisches Zentrum aufbauen und dabei die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen des Klinikums intensivieren.“

Man braucht kein Prophet zu sein, um zu behaupten, dass Nitschmanns Abteilung in Zukunft noch bedeutender werden wird: Zwar würden erfreulicherweise die Menschen immer älter, sagt der Mediziner. „Doch mit steigendem Alter nimmt auch das Risiko einer Gefäßerkrankung statistisch zu. So wird es zu einem stetigen Anstieg von erforderlich werdenden therapeutischen Eingriffen am Gefäßsystem kommen. Also rollt in Anlehnung an die demografische Entwicklung eine Lawine von Arbeit auf uns Gefäßmediziner zu.“

Mehr als 1000 Ops pro Jahr

Im Klinikum Herford wurden im vergangenen Jahr 947 stationäre und 2469 ambulante Patienten von acht Ärzten und 13 Schwestern und Pflegern behandelt. Mehr als 1000 Operationen wurden durchgeführt. Die Betroffenen leiden unter Erkrankungen der Arterien und Venen. Dazu gehören insbesondere die kritischen Durchblutungsstörungen der Beine (Schaufensterkrankheit), Brust- und Bauchschlagadererweiterungen sowie Halsschlagaderenge zur Prophylaxe und Behandlung von Schlaganfällen. Oftmals müssen die „Verstopfungen“ operativ gelöst werden.

Weshalb wollte Kristian Nitschmann Gefäßchirurg werden? „Durch unsere Arbeit können wir Schlaganfälle vermeiden und Menschen vor dem Tod bewahren.“ Zudem sei die Gefäßchirurgie ein technisch anspruchsvolles Fachgebiet, das ein hohes Maß an manueller Geschicklichkeit, künstlerischer Gestaltung und Kreativität erfordere.

„Als Arzt sehe ich meine Aufgabe darin, zum Wohle der Patienten tätig zu sein, die ihre Gesundheit in unsere Hände legen.“ Ihm seien Respekt, Verantwortung und Mut sehr wichtig. Eigenschaften, die auch beim Windsurfen nicht schaden können .

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