Dozent Chia Wang Lin kann in 90 Minuten für seine Muttersprache begeistern
Darum ist Chinesisch ganz einfach

Herford (WB). „bù“ heißt nein. Aber auch Tuch oder Schritt oder Heft... Chinesisch ist für mittelbegabte Mitteleuropäer erst einmal ein Mysterium. Dabei sei seine Muttersprache eigentlich einfach, meint Chia Wang Lin. „Sie hat nur eine ganz eigene Logik.“ Lin erklärt in 90 Minuten, wie sie funktioniert – und hofft, dass viele Herforder ihm künftig zuhören werden. Wir haben das mal getan. Ein Erfahrungsbericht.

Donnerstag, 08.10.2020, 05:10 Uhr
Chia Wang Lin schreibt „Vielen Dank“ in chinesischen Schriftzeichen an die Tafel. Er lädt alle Interessierten ein, am Friedrich-List-Weiterbildungsinstitut Chinesisch zu lernen. Der Dozent aus Taiwan verspricht: „Eigentlich ist das gar nicht so schwer.“ Foto: Bexte

Wer bei Chia Wang Lins Schnupperkurs Chinesisch die Schulbank drückt, lernt zunächst etwas über sich selbst. „In Deutschland ist ‚Wie geht’s?‘ eine Floskel, in China fangen die Menschen dann richtig an zu erzählen. Für sie ist diese Frage eine Art der Zuwendung.“ Wohl dem, der dann in China in der Landessprache mitreden kann.

Vor 20 Jahren kam der heute 45-Jährige aus Taiwan nach Deutschland, studierte Pädagogik an der Uni Bielefeld. Er unterrichtet unter anderem seit 2013 Chinesisch am Friedrich-List-Berufskolleg (FLB). Schließlich hat das FLB mittlerweile eine Partnerschule in Shanghai. Am Weiterbildungsinstitut des Berufskollegs (FLW) möchte er aber auch jedem anderen ermöglichen, die Sprache aus dem Reich der Mitte zu lernen. Mit einem eineinhalbstündigen Crash-Kurs bringt er China-Interessierte auf den Geschmack. Dazu gehört auch ein bisschen Mentalitätskunde. „Chinesen tun sich schwer, sich ‚zu verkaufen‘. Europäer können viel besser positiv über sich reden.“

87.000 Zeichen, aber 300 reichen

Dazu sollte man bei Reisen nach China am besten die Sprache beherrschen. Aber welche ist das denn nun? Immerhin werden dort zahlreiche Idiome gesprochen, es gibt sieben große Dialektgruppen. Chia Wang Lin unterrichtet Hochchinesisch, auch Mandarin genannt. Und das kommt mit vier unterschiedlichen Betonungen aus. Der Haken: „Eine Silbe hat je nach Tonhöhe verschiedene Bedeutungen.“ Da gilt es, die Ohren zu spitzen: „ma“ heißt Mutter, aber ebenso Pferd oder Hanf oder... „Die Bedeutung erschließt sich aus dem Kontext.“ Puh! Und dann hat auch noch jede Silbe/Wort ein eigenes Schriftzeichen, insgesamt gibt es davon 87.000! Wie soll man denn da jemals Chinesisch lernen – so bedeutsam die Sprache in den kommenden Jahren auch werden wird.

Chia Wang Lin hat dennoch gute Argumente: In einem ersten Schritt reichten 150 bis 300 Zeichen für eine einfache Kommunikation. „Damit kommt man alleine durch China.“ Mit 800 bis 1000 könne man fast alle Texte lesen. Schließlich lernten die kleinen Chinesen in sechs Jahren Grundschule auch „nur“ 2500 Zeichen. Und da so gut wie kein Chinese alle Schriftzeichen beherrsche, gibt es seit 1958 die Pinyin-Lautschrift in lateinischen Buchstaben. Sie veranschaulicht auch Europäern auf den ersten Blick den Klang eines Wortes – etwa „bù“.

Relativ einfache Grammatik

Und dann spielt Lin seine Trumpfkarte aus: „Die Grammatik ist einfach: Im Chinesischen werden weder Verben noch Nomen gebeugt, es gibt keine unterschiedlichen Zeitformen, keinen Konjunktiv, keine Artikel, kein Passiv – nichts davon.“ Und zuletzt: „Bei euch gibt es viel, viel mehr Vokabeln.“ Im Chinesischen müsse man nur wenige Grundwörter lernen. Ein Beispiel: „che“ heißt „Wagen/Fahrzeug“. „Und das in allen Bedeutungen, egal ob Kutsche oder Auto.“ Bei Bedarf kommt eine zweite Silbe hinzu: Wird „huo“ („Feuer“) dem „che“ („Wagen“) voran gestellt, wird daraus mit „huoche“ kein „Feuerwagen“ – sondern ein Zug.

Und die Stellung der Wörter im Satz folgt einer einfachen Regel. „Das Subjekt steht immer am Anfang und was zuerst geschehen ist, wird auch als erstes gesprochen.“ Irgendwie doch logisch! Und so entlässt uns der Dozent mit der zutreffenden Feststellung: „Chinesisch ist ganz anders, als ihr vorher gedacht habt.“

Stimmt, ist vielleicht doch gar nicht so schwer. Danke Herr Lin!

Schnupperkurs am 2. November

Wer derzeit Chinesisch lernen will, hat es schwer. Der nächste Kurs an der Volkshochschule beginnt erst im April. Deshalb dürfte das Angebot des Friedrich-List-Weiterbildungsinstituts (FLW) derzeit wohl die einzige Möglichkeit im Kreis Herford sein. Am Montag, 2. November, erklärt Chia Wang Lin ab 17.30 Uhr erneut in einem Schnupperkurs die Besonderheiten des Chinesischen (Kursgebühr 5 Euro). Bei entsprechender Nachfrage soll daraus ein richtiger Sprachkurs werden. Infos und Anmeldungen beim FLW, Hermannstraße 7, unter Tel. 132854 oder 132863.

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