Ortsverein feiert Jubiläum – Antworten auf Inflation und Wohnungsnot
SPD prägt Elverdissen seit 100 Jahren

Herford (HK). Statt ständig das eigene Programm zu überarbeiten und regelmäßig Parteivorsitzende auszutauschen sollte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) einfach einmal nach Elverdissen schauen. Dort gibt es einen Ortsverein, der seit 100 Jahren so fest im Stadtteil verankert ist wie der Arzt, der Supermarkt, die Kirche und die Lokalzeitung.

Donnerstag, 08.10.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 05:10 Uhr
Günter Danielmeier hat den SPD-Ortsverein Elverdissen selber zehn Jahre lang geführt. Zum 100-jährigen Bestehen steuert er eine Festschrift bei, aus der die tiefe Verankerung der Partei in diesem Herforder Stadtteil hervorgeht. Foto: Stephan Rechlin

Zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges gründeten 22 Genossen in einer Zigarrenfabrik an der heutigen Werler Straße 15 den Ortsverein. Damals wie heute ging es den lokalen Sozialdemokraten weniger um die große Ideologie als um die konkreten Bedürfnisse vor Ort. Günter Danielmeier, Autor einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Ortsvereins: „In den Jahren der Hyperinflation galt es auch in Elverdissen, für mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen.“

Nach der Gründung entwickelte sich der Ortsverein in den zwanziger Jahren schnell zur stärksten politischen Kraft in Elverdissen. An diese Stärke konnte die SPD anknüpfen, als nach Verbot (1933), Verfolgung und Krieg 1948 endlich wieder frei und demokratisch gewählt werden durfte. Heinrich Schröder, der erste SPD-Vorsitzende in Elverdissen nach dem Krieg, organisierte einen Wahlkampf, der den Genossen aus dem Stand wieder 51,6 Prozent der Stimmen verschaffte.

Hunger und Wohnraum

Wieder ging es um die Not und die Bedürfnisse vor Ort. Diesmal waren es Hunger und die Suche nach Wohnraum für die aus dem Osten eintreffenden Flüchtlingszüge. Im Winter kam der dringende Bedarf nach Brennmaterial hinzu. Der Ortsverein kümmerte sich um den täglichen Überlebenskampf, stellte aber auch schon die Weichen für später. So setzte sich die SPD bereits 1949 für den Bau einer neuen Volksschule ein.

Das „Wirtschaftswunder“ brauchte Zeit. Die Beschaffung von Wohnraum und der Aufbau von Infrastruktur blieben die maßgeblichen Aufgaben in den fünfziger Jahren. Als der Wohlstand wuchs, setzte sich die SPD für den Bau eines Freibades ein, das 1964 fertiggestellt wurde. Bei der Gemeindewahl 1956 erzielte die SPD ein Rekordergebnis von etwa 64 Prozent der Stimmen. So ein Ergebnis schaffte die SPD nicht immer, doch die „50“ blieb für sie in Elverdissen gesetzt.

Die Ära Tiekötter

Im Jahr 1965 begann die 40 Jahre dauernde Ära des Vorsitzenden Heinrich Tiekötter, der dieses Amt bis zu seinem Tod 2005 ausfüllte. In seine Zeit fiel unter anderem der Widerstand gegen die Eingemeindung Elverdissens nach Herford. Als das scheiterte, wachte Tiekötter darüber, dass maßgebliche Positionen in Rat und Verwaltung der Stadt Herford und im Kreistag und der Kreisverwaltung mit kompetenten Sozialdemokraten aus Elverdissen besetzt wurden, soweit das möglich war. Diese für Elverdissen wichtige Vernetzung setzten die Nachfolger Günter Danielmeier (Vorsitz von 2006 bis 2016) und Julia Désirée Hillebrandt – eine Urenkelin des Gründungsmitglieds Otto Bischoff – bis heute fort.

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