Wilhelm Brüggemeier (66) will mehr Zeit für die Familie haben
Wer wird neuer Kreislandwirt?

Herford (WB). Ob niedrige Erzeugerpreise, EU-Bürokratie, geschredderte Küken, der Wolf, die Schweinepest, Flächenfraß oder die Haltungsbedingungen in der Tierzucht: Der neue Kreislandwirt Herford-Bielefeld hat jede Menge Themen zu beackern. Wer übernimmt den Job?

Dienstag, 06.10.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 06:01 Uhr
Dann macht’s gut: Bis Ende Oktober ist Wilhelm Brüggemeier noch Kreislandwirt, dann räumt er seinen Posten. Hier sitzt der 66-Jährige auf dem Trecker, mit dem er Anfang der 70er Jahre seine Ausbildung gemacht hat. Die Bewirtschaftung des Betriebes hat er vor Kurzem in die Hände seines Sohne gegeben. Foto: Moritz Winde

Klar ist, dass Wilhelm Brüggemeier aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung steht. Nach sechs Jahren im Amt muss der 66-Jährige den Posten räumen. Das sei für ihn kein Problem, sagt der zweifache Großvater, der sich ohnehin aus dem Berufsleben zurückziehen möchte. Den Betrieb führt sein Sohn Albert bereits, seine vielen Ämter – unter anderem ist er Vize-Bauernpräsident in Westfalen-Lippe – will er nach und nach abgeben, um mehr Zeit mit den Liebsten zu haben. Den „Rat des alten Mannes“ werde er aber gerne jedem geben, der ihn hören möchte.

Etwa 2500 Landwirte und deren Angestellte aus Herford und Bielefeld dürfen per Brief ihre Stimme abgeben, 14 Kandidaten stehen zur Wahl. Die sechs besten Bewerber bilden die Kreisstelle, in der sie den Kreislandwirt – das Ehrenamt hat koordinierende und repräsentative Funktionen – untereinander ausmachen. Das heißt: Nicht automatisch derjenige mit den meisten Stimmen gewinnt, sondern es läuft eher nach dem Motto: „Wer will noch mal, wer hat noch nicht?“

Zeit für einen jungen Bauern?

In den vergangenen Jahrzehnten war der Kreislandwirt älteren Baujahrs. Wäre es nicht einmal an der Zeit, einem jungen Bauern das Zepter zu überlassen? Wilhelm Brüggemeier will sich nicht auf einen Wunschkandidaten festlegen: „Ob 30, 40 oder 50 Jahre alt – wichtig ist, dass mein Nachfolger in der Verantwortung eines wirtschaftlich handelnden Betriebs steht.“ Das trifft zwar auf Hermann Dedert, den Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld aus Hiddenhausen zu, Wilhelm Brüggemeier sagt aber: „Ich würde die Doppelfunktion für unglücklich halten.“

Der Engeraner sieht sich als Sprachrohr der Landwirte und Vermittler in die Stadtparlamente. „Kollegen können mich jederzeit anrufen, wenn irgendwo der Schuh drückt. Und der drückt oft.“ Wie wirtschaftlich schwierig der Bauernberuf sei, zeige das Höfesterben. „Als ich Anfang der 70er Jahre meine Ausbildung gemacht habe, gab es noch 21 landwirtschaftliche Betriebe im Ort. Heute sind es gerade einmal noch fünf.“

Wilhelm Brüggemeier kämpft dafür, dass diese Betriebe von ihrer Arbeit gut leben können. Das sei angesichts des Preisdrucks und der Regelungswut der Politik kaum noch möglich. Und noch etwas sei entscheidend: die Akzeptanz der Verbraucher. Als Vermittler will der 66-Jährige weiterhin fungieren – auch wenn er nicht mehr Kreislandwirt ist.

„Holt die goldenen Garben“: Das Höfesterben in der Region bereitet Wilhelm Brüggemeier ernsthafte Sorgen.

„Holt die goldenen Garben“: Das Höfesterben in der Region bereitet Wilhelm Brüggemeier ernsthafte Sorgen. Foto: Moritz Winde

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