Herforder Obdachlosenunterkunft müsste grundsaniert werden, doch es mangelt am Geld
Der Keller gleicht einer Kloake

Herford (WB). Gestiegene Kriminalität, überfüllte Wohnungen, schwieriges Klientel, ein marodes Gebäude und ein Betreiber, der sich allein gelassen fühlt: Die Probleme rund um die Obdachlosenunterkunft an der Werrestraße 117d sind vielschichtig – und scheinen sich zuzuspitzen.

Dienstag, 06.10.2020, 06:00 Uhr
Im Keller steht zentimeterhoch eine dunkle, stinkende Brühe. Mieter und Mitarbeiter berichten davon, dass vermehrt Ratten durch die Obdachlosenunterkunft flitzen. Foto: Moritz Winde

Nachdem diese Zeitung öffentlich machte, dass das Haus offenbar zeitweise von auswärtigen Clans als Drogen-Umschlagplatz genutzt wurde und Bewohner massiv unter Druck gesetzt wurden, rückt nun der bauliche Zustand in den Fokus. Seit Jahren ist bekannt, dass zum Teil unhaltbare Zustände herrschen. Eigentlich sollte die Immobilie seit 2014 Stück für Stück renoviert werden, erklärt Einrichtungsleiterin Bettina Schelkle von der evangelischen Diakoniestiftung als Träger. Doch bisher konnten nur sechs der 31 Wohnungen erneuert werden – Kosten: 80.000 Euro.

Kanäle müssen erneuert werden

Nicht nur die Unterkünfte selbst – an allen Ecken und Enden des dreigeschossigen Obdachs gibt es erhebliche Mängel. Besonders katastrophal sieht’s im Treppenhaus aus: Auf dem Kellerboden hat sich eine dunkle Brühe aus Kloake, Müll und Regenwasser gebildet. Es stinkt. Hier fühlen sich höchstens Ratten wohl, die nach Erzählungen einiger Mieter vermehrt über die Flure flitzen. Auch das Dach müsste dringend gedämmt werden.

Gerne würde Bettina Schelkle das Gebäude von Grund auf sanieren, doch es fehlt am Geld. Denn der Verein darf laut Satzung ausschließlich die Mieteinnahmen für Renovierungsarbeiten ausgeben. Die belaufen sich auf 7500 Euro monatlich. „Da wir es inzwischen aber mit einer hohen Zahl von Bewohnern mit psychischen Problemen zu tun haben und die Gewaltbereitschaft insgesamt gestiegen ist, wird regelmäßig die Einrichtung zerstört“, bedauert die Sozialpädagogin. Dann müssten zunächst kaputte Türen und Fenster ersetzt werden. „Zum Sparen bleibt dann nichts übrig.“

Zu allem Überfluss steht nun eine Baumaßnahme an, die die Diakoniestiftung nicht auf dem Schirm gehabt habe: Sämtliche Kanäle müssten neu gemacht werden, was mit 55.000 Euro zu Buche schlage. „Wir wünschen uns finanzielle Hilfe von der Stadt“, sagt Bettina Schelkle. Doch die Verwaltung hat bereits abgewunken. „Die Stadt ist nur Mieterin für ein Viertel der Wohnungen. Eine Beteiligung an Grundsanierungen ist nicht (mietvertraglich) vorgesehen und würde sich auch bei anderen Mietverhältnissen naturgemäß nicht ergeben“, teilt Sprecherin Susanne Körner mit. Auch an den Kosten für den zwischenzeitlich eingesetzten Sicherheitsdienst soll die Stadt sich nicht beteiligt haben.

Grüne sehen Handlungsbedarf

Die Herforder Grünen sehen erheblichen Handlungsbedarf: „Wir erwarten konkrete Vorschläge, um zeitnah wirksame Verbesserungen bei Prävention, Unterbringung, Vermittlung und Sicherung zu erreichen“, sagt Sprecher Herbert Even. Von großer Bedeutung sei dabei der Ausbau des Hilfsangebots für Menschen mit multiplem Unterstützungsbedarf, insbesondere im Bereich der psychiatrischen Hilfen. In diesem Zusammenhang sei erneut auf die mangelhafte bauliche, Umfeld- und soziale Situation hinzuweisen. „Die Diakoniestiftung als Eigentümerin und Vermieterin ist gefordert, das Gebäude und sein unmittelbares Umfeld in einen Zustand zu bringen, wie er bei anderen entsprechenden Liegenschaften im Stadtgebiet bereits seit Jahren erreicht worden ist.“

Angesichts der angespannten Situation in der Notunterkunft erwarten die Grünen von der Stadt, die bereits ins Auge gefasste Neuausrichtung der Notunterkünfte für Wohnungslose konsequent in Angriff zu nehmen. „Hierbei befürworten wir eine Lösung außerhalb der Einrichtung. Dabei sollte eine allzu starke Konzentration an einem Wohnstandort aus sozialen und Stigmatisierungs-Gründen vermieden werden.“

Derzeit stehen laut Verwaltung neben der Werrestraße sieben weitere Wohnungen für die Unterbringung von Obdachlosen zur Verfügung, wobei eine als Quarantäne-Wohnung für eventuelle Corona-Fälle vorgehalten wird.

Die Kanäle am Haus müssen erneuert werden. Das kostet 55.000 Euro – Geld, das die Diakoniestiftung nicht eingeplant habe.

Die Kanäle am Haus müssen erneuert werden. Das kostet 55.000 Euro – Geld, das die Diakoniestiftung nicht eingeplant habe. Foto: Moritz Winde

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