Zeitzeuge Hartmut Richter spricht vor Herforder CDU über Unterdrückung durch SED
Er verhalf 33 DDR-Bürgern zur Flucht

Herford (WB). Den 30. Jahrestag der deutschen Einheit hat der CDU-Kreisverband Herford zum Anlass genommen, einen Zeitzeugen in die Werrestadt zu holen, der die Unterdrückung durch das SED-Regime noch am eigenen Leib erfahren hat.

Montag, 05.10.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 21:32 Uhr
Zeitzeuge Hartmut Richter (zweiter von links) mit CDU Kreisvorsitzendem Dr. Tim Ostermann und seinen Stellvertretern Klaus Oehler und Katharina Hartwig (von rechts) ist Gast der Feier. Foto: Stefan Wolff

1948 in der sowjetischen Besatzungszone geboren, hat Hartmut Richter als Kind noch „imperialistische Kartoffelkäfer“ auf den Feldern eingesammelt und im Ferienlager an der Ostsee die Besetzung West-Berlins gespielt. Nachdem ihm dann als junger Mann die Flucht in den Westen gelungen war, verhalf er 33 weiteren Menschen bei der Überwindung der innerdeutschen Grenze. Seinen Einsatz als Fluchthelfer musste er allerdings mit fünf Jahren Stasi-Haft bezahlen, weil er noch einmal in den Osten ging, um seine Schwester zu holen und verhaftet wurde.

Bilder aus Belarus

„Wir wollen heute die großartige Leistung unserer ostdeutschen Landsleute anerkennen und verinnerlichen“, eröffnete CDU-Kreisvorsitzender Dr. Tim Ostermann die Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit im Stadtpark Schützenhof. „Friedlich und entschlossen haben die Menschen in der DDR für ihre Rechte gekämpft. Ähnliche Bilder sehen wir heute in Belarus, wo die Opposition ihren friedlichen Widerstand trotz der Unterdrückung durch die Herrschenden nicht aufgibt.“ Das Symbol der Unterdrückung in Ostdeutschland aber sei die Grenze gewesen, die zu überwinden der Festredner 33 Menschen half. „Der Wunsch nach einem Leben in Freiheit war größer als die Gefahr“, so Tim Ostermann.

Arbeit als Fluchthelfer

Der Referent aber wollte nicht viele Worte über seinen Einsatz als Fluchthelfer machen. Stattdessen treibt ihn die Sorge um, dass gerade junge Menschen nichts mehr über die Unterdrückung durch das kommunistische Regime in Ostdeutschland wüssten. Außerdem werde heute wieder vieles schöngeredet, wofür Hartmut Richter auch die rot-rot-grüne Regierung der Stadt Berlin verantwortlich machte. „Gegen Widerstand haben wir durchsetzen können, dass die Besucher der Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchenwald auch erfahren, dass nach Kriegsende die Sowjets in diesen Lagern 13.000 deutsche Jugendliche hinrichten ließen.“ Auch der Umstand, dass während der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung AfD und Linke vor der russischen Botschaft Putin um Hilfe gegen das „Merkel-Regime“ baten, beunruhige ihn. „Junge Menschen sollen erfahren, was passiert, wenn man Leuten auf den Leim geht, die leichte Lösungen für komplexe Probleme anbieten“, sagte der Zeitzeuge, der für die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Gedenkstätte Hohenschönhausen tätig ist.

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