Haftstrafe für Bad Oeynhausener Arzt – Massagen als Vorwand für Übergriffe
Patientinnen sexuell missbraucht

Bad Oeynhausen/Herford (WB/upf). Ärzte sind für ihre Patienten eine Vertrauensperson. Aber diese Position hat ein Arzt an einer Reha-Klinik in Bad Oeynhausen offenbar ausgenutzt, um sich sexuell an Patientinnen zu vergehen. Das Schöffengericht am Amtsgericht Herford hat den Mediziner jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt.

Dienstag, 23.06.2020, 00:00 Uhr
Der Eingang zum Amtsgericht in Herford. Foto: Lukas Brekenkamp

„Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses“ ist ein eigener Tatbestand im Strafgesetzbuch. Und genau dessen hatte sich der Arzt nach Auffassung des Schöffengerichts schuldig gemacht, als er zwei Patientinnen absichtlich im Intimbereich berührte. Dazu hatte sich der 66-Jährige im April 2018 in der Klinik, in der er seit drei Jahren tätig war, eines Vorwandes bedient, wie im Zuge der Beweisaufnahme deutlich wurde. Der Arzt hatte sie, wie die Patientinnen schilderten, entgegen der üblichen Praxis in ihren Zimmern aufgesucht und sie zu Massagen gedrängt – und sie dabei dann im Intimbereich angefasst. Zwei Tage lang verhandelte das Schöffengericht, der Angeklagte selbst schwieg zu den Vorwürfen, die seitens der Verteidigung abgestritten wurden: Die Massagen seien medizinisch notwendig gewesen.

Bereits zwei Abmahnungen wegen sexueller Belästigung

Aufschlussreich war die Befragung des Geschäftsführers der Klinik. Im Zeugenstand gab dieser an, in der Dienstakte des Arztes seien bereits zwei Abmahnungen aus den Jahren 2015 und 2017 wegen sexueller Belästigung verzeichnet. Dies sei jedoch seinerzeit kein Anlass gewesen, das Arbeitsverhältnis mit dem Angeklagten zu kündigen – arbeitsrechtlich seien diese Vorfälle nicht ausreichend gewesen.

Allerdings war der Arzt nach den nun angeklagten Taten doch fristlos gekündigt worden: Er hatte nach einem klärenden Gespräch wegen der Vorfälle, die von den Patientinnen der Geschäftsleitung zur Kenntnis gebracht worden seien, behauptet, die Berührungen seien „versehentlich“ geschehen – dies habe der Geschäftsführer jedoch für unglaubwürdig gehalten, und es seien arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen worden. „Er hat sich sehr für die Patientinnen eingesetzt“, betonte Richterin Alea Blöbaum hinsichtlich des Vorgehens des Geschäftsführers.

Beide Seiten legen Rechtsmittel ein

Mit einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen folgte das Gericht im Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft – nicht aber bei der Verhängung eines Berufsverbots, und zwar aus rein formalen Gründen. Dieses wird Gegenstand im Berufungsverfahren sein: Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwalt haben Rechtsmittel eingelegt. Über die Berufung wird das Landgericht Bielefeld verhandeln.

 

 

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