Bünde beteiligt sich an NRW-Förderprogramm, um die Innenstadt zu beleben
Stadt will Leerstände bekämpfen

Bünde (WB). Leerstehende Ladenlokale in der Bünder City sollen bald der Vergangenheit angehören. Die Stadtverwaltung will Fördertöpfe des Landes NRW anzapfen, um neue Geschäfte in die Innenstadt zu locken und die Fußgängerzone um Esch- und Bahnhofstraße weiterzuentwickeln.

Donnerstag, 01.10.2020, 05:32 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 05:40 Uhr
Sogar in besten Bünder Innenstadtlagen stehen seit geraumer Zeit Geschäfte leer. So war etwa an der Eschstraße 13 zuletzt eine Filiale der Bäckerei Middelberg untergebracht. Seit mehr als zwei Jahren haben sich nun aber keine neuen Mieter für das Ladenlokal im Herzen der City gefunden. Foto: Daniel Salmon

Entsprechende Pläne aus dem Rathaus stellte Ralf Grund vom Bünder Stadtmarketing jetzt den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses vor. „Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte und Zentren des Landes NRW“ nennt sich die Initiative für die das Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung rund 70 Millionen Euro bereitgestellt hat.

Geminderte Miete

„Dabei geht es um die Anmietung leer stehender Ladenlokale mit einer Größe bis zu 300 Quadratmetern durch die Stadt. Diese würden dann zu einer reduzierten Miete für einen Zeitraum von zwei Jahren an Existenzgründer, Gastronomen, Einzelhändler, sogenannte Pop- up-Stores oder für kulturwirtschaftliche Nutzung weitervermietet“, führte Grund in der Sitzung des Gremiums aus.

Doch wie soll das genau funktionieren? Die Stadt würde den Eigentümern der leer stehenden Ladenlokale maximal 70 Prozent der bisher üblichen Miete überweisen. „Bei einer Weitervermietung an interessierte Ladenbetreiber darf diese Altmiete dann um bis zu 80 Prozent reduziert werden“, so Ralf Grund. Die Differenz zwischen den Mieteinnahmen des Eigentümers und den Mieteinnahmen der Stadt wird dann zu 90 Prozent durch das Förderprogramm abgedeckt. So bliebe der Kommune am Ende ein Eigenkostenanteil von zehn Prozent. „Das wäre ein durchaus überschaubarer Betrag, den wir einkalkuliert haben“, führte der Verwaltungsmitarbeiter aus. Wichtig: Die Stadt mietet die Läden selbst erst an, wenn sie einen entsprechenden Ladenbetreiber für den jeweiligen Standort gefunden hat.

Nicht alle Branchen sinnvoll

Erste Gespräch mit Immobilieneigentümern im Innenstadtbereich seien bereits geführt worden. Grund: „Bislang kommen daher fünf Ladenlokale in Betracht.“ Wirksam wird das auf zwei Jahre befristete Soforthilfeprogramm zwar erst ab 2021. Einen entsprechenden Förderantrag müsse die Stadt allerdings bis zum 16. Oktober stellen. „Unser Ziel ist es, Existenzgründer und alle die einen Laden anmieten wollen, auch nach Ablauf des Förderprogramms in ein dauerhaftes Mietverhältnis zu überführen.“

Grund wies aber auch darauf hin, dass es weder im Sinne der Stadt noch im Sinne der Vermieter sein könne, wenn Branchen von der Förderung profitieren würden, die in Bünde schon gut vertreten sind. Konkrete Beispiele nannte er zwar nicht. Fest steht aber, dass es in der Fußgängerzone in der Elsestadt bereits eine nicht geringe Anzahl an Friseuren, Optikergeschäften oder Handyläden gibt. „Vernünftig wäre es, dass man auf solche Geschäfte abzielt, die Bünde als Einzelhandelsstandort weiter voranbringen.“

Weiter betonte Grund, das Konzepte, die die Einrichtung als sogenannte Co-Working-Spaces vorsehen, nicht förderfähig seien: „Es muss sich nämlich um Geschäfte mit Publikumsverkehr handeln.“ Zwar sei klar, dass man mit der Teilnahme am Förderprogramm nicht jeden Leerstand im fußläufig erreichbaren Teil der Innenstadt beseitigen könne. „Aber das ist zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung“, zeigte sich der Mitarbeiter des Stadtmarketingbüros überzeugt.

Kommentar von Daniel Salmon

Oft beschäftigte sich die Bünder Politik in den vergangenen Jahren mit der Innenstadtentwicklung. Dennoch wuchs die Zahl der Leerstände an Esch- und Bahnhofstraße. Kein schöner Anblick für Passanten und ein Attraktivitätsverlust für die eigentlich ansprechende City. Mit der Beteiligung an dem NRW-Sofortprogramm kann die Stadt den Leerständen entgegenwirken. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Kosten sind für die Kommune überschaubar, zudem kann sie steuern, welche Art von Geschäften in die leeren Lokale einziehen. Die Immobilienbesitzer müssen zwar Abstriche bei der Miete in Kauf nehmen – aber immerhin nehmen sie überhaupt etwas ein. Und für Existenzgründer bietet sich – trotz der Corona-Krise – mit überschaubarem Kapitalaufwand die Möglichkeit, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Eine klassische Win-win-Situation, von der alle Beteiligten profitieren können.

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