Eickumer Rektorin erinnert sich an Schließung vor einem halben Jahr – „Warum wir?“
Plötzlich war die Schule dicht

Herford (WB). „Es tut uns leid, wir müssen Ihre Schule sofort schließen!“ Der Anruf aus dem Gesundheitsamt trifft Katja Urban am 10. März völlig unvorbereitet. Seit 20 Jahren leitet sie die Grundschule Eickum – nie zuvor aber ist sie so sehr als Krisenmanagerin gefordert.

Freitag, 25.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 11:16 Uhr
Lernen in Zeiten von Corona: Lehrerin Stefanie Böhne hilft den Schülern der Klasse 2a bei der Schreibschrift. Nur wenn die Pädagogin direkten Kontakt zu Kindern hat, müssen im Unterricht Masken getragen werden. Foto: Moritz Winde

Ihre Einrichtung ist die erste Schule im Kreis Herford gewesen, die coronabedingt still gelegt wurde. Ausnahmezustand!

Heute, sechs Monate später, ist im Umgang mit dem Virus eine gewisse Routine eingekehrt. Damals aber, sagt Katja Urban, sei ja alles neu gewesen für alle. Deshalb macht die erfahrene Pädagogin im Rückblick auch keinen Hehl daraus, dass sie die Nachricht – eine Zweitklässlerin war positiv getestet worden – in einen kurzen Schockmoment versetzt habe.

An jenem Dienstag, es ist etwa 14 Uhr, sitzt die Rektorin in ihrer Funktion als Vorsitzende der Prüfungskommission des Kolloquiums eines Referendars in einem Besprechungszimmer einer anderen Grundschule.

Plötzlich platzt die bittere Botschaft der Behörden in die Unterrichtsstunde. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt das Abstrich-Ergebnis des Mädchens noch nicht vorliegt, schrillen bei der 59-Jährigen die Alarmglocken: „Ich musste erst einmal kräftig durchatmen und fragte mich natürlich: Warum ausgerechnet wir?“

Katja Urban an ihrem Schreibtisch: Die Herforderin leitet die Schule seit 20 Jahren.

Katja Urban an ihrem Schreibtisch: Die Herforderin leitet die Schule seit 20 Jahren. Foto: Moritz Winde

Katja Urban zieht die Prüfung durch, will den Lehramtsanwärter nicht aus dem Takt bringen. Als um 17 Uhr der Kreis Herford aufgrund des positiven Tests entscheidet, an dem Shutdown der Schule führe kein Weg vorbei, schaltet die Eickumer Schulleitung in den Corona-Krisen-Macher-Modus – von Null auf 100 sozusagen. Die vordringlichste Aufgabe: „Wir mussten die Eltern unserer 185 Kinder informieren, dass am anderen Morgen keine Schule ist.“

Wie gut die Eickumer offenbar vernetzt sind, zeigt sich am anderen Morgen: Nicht ein einziger Schüler steht vor den verschlossenen Türen an der Stedefreunder Straße. Das Gebäude, in dem sonst das Leben tobt, ist wie ausgestorben. Nur einige Männer in weißen Overalls und mit Desinfektionsmittel-Sprühgeräten streifen durch die Räume. Das sei schon ein komisches Gefühl gewesen, gibt Katja Urban zu, die gemeinsam mit Konrektorin Andrea Jentsch-Lewerenz die Stellung hält.

Sie erarbeiten Hygienekonzepte, stellen Distanzregeln auf, koordinieren Homeschooling, halten Kontakt zu Kollegen, treiben die Digitalisierung voran und bringen die Eltern auf den neusten Stand. Wenn gerade ein Problem gelöst worden sei, sei ein anderes hinzugekommen, sagt Katja Urban. „Ein Patentrezept für Corona gibt es nicht. Insgesamt haben wir die Situation gemeinsam gut gemeistert. Das gesamte Team hat die neue Situation beherzt angenommen und das Beste daraus gemacht.“

Auch wenn sich inzwischen viele Dinge eingespielt haben, weiß die Schulleiterin, dass der Betrieb jederzeit wieder von jetzt auf gleich heruntergefahren werden kann. Diesmal aber wäre die Grundschule Eickum auf jeden Fall besser vorbereitet.

Corona-Fall an der Grundschule Eickum: Am 10. März wird die Einrichtung geschlossen.

Corona-Fall an der Grundschule Eickum: Am 10. März wird die Einrichtung geschlossen. Foto: Moritz Winde

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