Ein Kran hievt die sieben Meter hohe Zinkkonstruktion aufs ehemalige Schiller
Ein Turm namens „Prachtstück“

Herford (WB). Lars Uhlen schenkt den Herfordern ein neues Alleinstellungsmerkmal: den Turm an der Schillerstraße.

Mittwoch, 23.09.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 17:08 Uhr
Auf geht es! Gegen 14 Uhr verlässt der Turm das Gerüst am Boden. Eine Stunde später ist auch die Spitze oben.

Dass Türme dieser Art neu errichtet würden, sei schon selten, sagt der Zimmermeister Normann Bioly. Es komme vielleicht zehn bis zwölf Mal im Jahr vor. Ungewöhnlich indes ist laut Expertenauskunft etwas anderes – dass ein Turm einen Namen bekommt.

Zuvor hatte Unternehmer Uhlen bekannt gegeben, dass der Turm nach seinem Hauswein benannt wird: „Prachtstück.“ „Aber warum auch nicht?“, meint Bioly. Immerhin trägt der Gesamtkomplex, auf den der Turm am Mittwoch per Kran in zwei Teilen gehoben wurde, den Namen „Wohnzimmer“ . Zudem zählt Lars Uhlen eher zu den unkonventionellen Bauherren.

Zahlreiche Schaulustige haben das Geschehen im Marta-Quartier verfolgt. Gegen zehn Uhr morgens war der Turm vom Hof des Herforder Dachdeckerbetriebs Sandmann an seinen neuen Platz gebracht worden. Um 14 Uhr ging die Kranreise nach oben los.

Eine Stunde später war auch die Spitze oben. Zu den Interessierten mit reichlich Turmwissen zählt der Stadtführer und Kirchenkenner Mathias Polster. „Das ist kein Zwiebelturm“ wird er nicht müde zu betonen. Vielmehr bezeichne man einen solchen Turm mit Spitze als Welsche Haube.

Die Bauherren Lars und Matthias Uhlen schauen zu, wie der Turm nach oben gezogen wird.

Die Bauherren Lars und Matthias Uhlen schauen zu, wie der Turm nach oben gezogen wird. Foto: Moritz Winde

Normann Bioly pflichtet ihm bei – als Zimmermeister und Restaurator hat er am Turm der Dresdner Frauenkirche mitgewirkt. Mittlerweile wohnt der 40-Jährige in Herford und stellte den Kontakt zum Ausbildungszentrum in Bielefeld her. Dort haben Lehrlinge der Zimmererinnung Herford die Holzkonstruktion im Innern des Turms angefertigt. Für den sieben Meter hohen Zinkmantel zeigt der Dachdeckerbetrieb Sandmann verantwortlich.

Obwohl ein solcher Turm auch für den Inhaber Frank Sandmann etwas Besonderes ist, war bei ihm von Nervosität nichts zu spüren: „Ich habe ein gutes Team, alles ist gut organisiert. Was soll da noch schiefgehen?“

Was wohl nur wenige wissen: Vor mehr als 100 Jahren thronte über dem heutigen Marta-Viertel bereits ein imposanter Turm. Zeitpunkt und Umstände seines Abrisses sind jedoch unklar. Doch nun ist das einstige Wahrzeichen zurückgekehrt – detailgetreu nachgebildet.

Der Turm kommt aufs Wohnzimmer

1/25
  • Der Turm kommt aufs Wonhzimmer
Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde
  • Foto: Moritz Winde

Etwa 2,8 Tonnen gilt es nach oben zu bewegen. Zuvor hatte Dachdeckermeister Marc André Gössling den Richtspruch vorgetragen. Das Werk sei gelungen und das gehe nur, wenn alle zusammenständen: „Ich wünsche dem Haus viel Glück.“

Der Turm ist im wahrsten Sinne des Wortes die bereits fertige Spitze einer Baustelle, an der spätestens bis zum 27. November alles abgeschlossen sein soll. Diesen Termin nennt Lars Uhlen als Tag der Eröffnung. Auch die Zeremonie hat er bereits vor Augen beziehungsweise im Ohr. Aus zwei Lautsprechern im Turm soll die Melodie von „Was wollen wir trinken“ als Glockenspiel erklingen.

Architekt Ralf Cziesla verrät, dass die Bauabnahme in der letzten Oktoberwoche erfolgt. Dann wird auch geklärt, ob und in welcher Form im „Wohnzimmer“ Konzerte stattfinden können. Grundsätzlich will Uhlen die Zusammenarbeit mit dem Musik Kontor, der das Vorgängerlokal Schiller genutzt hat, fortsetzen: „Es gibt ja Vereinbarungen.“

Verläuft die Bauabnahme nach Plan, gibt es in dem Lokal 250 Sitzplätze zum Essen. Ab 1. Oktober werden Reservierungen entgegen genommen.

Die Haube gehört zum Turm dazu. Daher handelt es sich nicht um einen Zwiebelturm, sondern eine Welsche Haube.

Die Haube gehört zum Turm dazu. Daher handelt es sich nicht um einen Zwiebelturm, sondern eine Welsche Haube. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7598663?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
James-Bond-Legende Sean Connery ist tot
Der Schauspieler Sean Connery ist tot.
Nachrichten-Ticker