Für die Beherbergungsbetriebe hat die wohl wichtigste Woche des Jahres begonnen
Hoteliers schöpfen Hoffnung

Herford (WB). Die Corona-Krise hat kaum eine Branche so hart getroffen wie die Hotellerie. Im ersten Halbjahr hat sich die Zahl der Gästeankünfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kreisweit auf knapp 30.000 halbiert. Die Zahl der Übernachtungen sank um mehr als ein Drittel auf gut 145.000. So weisen es aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes für den Kreis Herford aus.

Dienstag, 22.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 08:48 Uhr
Astrid Christofferson (l.) und Ivonne Stahn vom Hotel zur Fürstabtei konnten an den Wochenenden zuletzt deutlich mehr Touristen begrüßen. Der wegen Corona ausgefallene Auslandsurlaub sorgt offenbar dafür.

In der Kreisstadt sind die Einbußen etwas geringer: Hier sank die Zahl der Ankünfte in den zehn Hotels (Betriebe mit mehr als zehn Betten) um 43 Prozent, die der Übernachtungen um ein Viertel. Besonders bitter: Die Branche befand sich vor der Pandemie im Aufwind. So waren in den vergangenen Jahren Übernachtungen in Herford gefragt wie nie, die Zahl war allein 2019 um fast fünf Prozent auf knapp 50.000 gestiegen. Doch dann kam Corona...

In den vergangenen Wochen hat sich die Lage allerdings etwas stabilisiert. „Ja, es ist etwas besser geworden, aber wir sind noch lange nicht auf normalem Niveau“, sagt Anette Krömker vom Hansa-Hotel an der Brüderstraße. Anlässlich der aktuell laufenden Möbelordermesse MOW in Bad Salzuflen und der A30-Küchenmeile haben – trotz coronabedingter Einschränkungen – für die Branche jetzt besonders umsatzstarke Tage begonnen. „Das ist immer die wichtigste Woche im Jahr“, sagt Henry Althoff vom Pfennigskrug. Dann sei das Hotel an der Enger­straße stets ausgebucht. „Aber in diesem Jahr sind es 30 Prozent weniger.“

Viele Betriebe in Kurzarbeit

Viele Firmen hielten sich bei den Messen zurück, entsprechend geringer sei die Zahl der Besucher. „Gerade aus Risikogebieten in den Benelux-Staaten oder Frankreich.“ Deshalb seien auch seine zwölf Beschäftigten noch in Kurzarbeit. Althoff spricht von „einem kleinen Licht am Ende des Tunnels“. Das sei aber vor allem dem Veranstaltungsgeschäft – nachgeholte Konfirmations- und Familienfeiern – zu verdanken, das mit bis zu 150 Gästen wieder möglich ist. „Auch im Restaurant sieht es wieder besser aus.“

Im Hansa-Hotel freut man sich über mehr Geschäftsgäste. „Das Buchungsverhalten der Betriebe hat sich verbessert“, bilanziert Anette Krömker – auch wenn es aufgrund der abgespeckten Möbelmessen Stornierungen gegeben habe. Großkunden begnügten sich jetzt allerdings mit ein oder zwei Buchungen, wo es zuvor ein Vielfaches gewesen sei. Auch deshalb sind die Beschäftigten in dem Hotel mit 60 Betten in Kurzarbeit. „Wir hoffen aber, dass sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt und wir nach und nach mehr zu tun bekommen.“

Kreisweit 3000 Beschäftigte

Auch das Hotel zur Fürstabtei sieht trotz Corona-Einbußen eine positive Entwicklung. „Nach den Sommerferien hat sich das Geschäft nahezu normalisiert”, berichtet Mitarbeitern Astrid Chris­tofferson. Seien die 20 Zimmer im Hotel an der Elisabethstraße ansonsten hauptsächlich wochentags von Geschäftskunden belegt gewesen, sei nun die Auslastung am Wochenende mit Touristen auffallend gestiegen. „Man merkt schon, dass viele Menschen Urlaub im Inland machen und schöne Städte wie Herford besuchen.“ Klar, die MOW und die A30-Küchenmeile seien immens wichtig. Diesbezüglich habe es auch Absagen gegeben. „Derzeit sind wir trotzdem ausgebucht.“ Chris­tofferson spricht aus, was sich wohl alle Hoteliers wünschen: „Wir hoffen weiterhin auf viele nette Gäste und schauen optimistisch in die Zukunft.“

Das will auch Regine Tönsing tun. Die Herforderin ist Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Ostwestfalen. Sie sieht die Branche aber schon vor der nächsten Her­ausforderung: „Wenn die Außengastronomien witterungsbedingt schließen, könnte es für einige Betriebe schwierig werden.“ Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe kreisweit 3000 Menschen.

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