Geplanter Jaguarclub-Film: Ex-Bürgermeister Bruno Wollbrink spricht über Carola Frauli
Erinnerung an eine starke Frau

Herford (WB). Während Bürgermeister Tim Kähler um eine zweite Amtszeit kämpft, unternimmt sein Vorgänger Bruno Wollbrink einen Abstecher in die Filmbranche. Ein neuer Marlon Brando wird er wohl nicht mehr werden – aber immerhin wirkt er als Zeitzeuge in dem Jaguarclub-Film von Norbert Kaase mit.

Donnerstag, 10.09.2020, 05:20 Uhr
Wolfgang Kuhlmann – in der Hand das Buch Carola Fraulis – interviewt Bruno Wollbrink im Kleinen Rathaussaal. Obwohl der Ex-Bürgermeister nie Gast im Jaguar-Club war, ist er ein Zeitzeuge. Er erinnert an Carola Frauli, die sich ins Goldene Buch eintrug.

Wollbrink, im Jahr 1957 geboren, war zu jung für den legendären Beattreff, dessen Ära 1970 endete. Doch er habe viele Freunde, die dabei gewesen seien und mit Begeisterung davon erzählten, sagt er. Dass er dennoch als Zeitzeuge vor der Kamera Platz nimmt, hat mit Carola Frauli zu tun. Als damaliger Bürgermeister lud er die Jaguarclub-Betreiberin im Jahr 2006 ins Rathaus, wo sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug.

Und Bruno Wollbrink lernte nach eigener Aussage eine Frau kennen, „die immer begeistert war von dem, was sie machte“. Der Elan übertrug sich auch auf den Akt des Eintrags. Ursprünglich war hierfür samt Gespräch eine Stunde angesetzt – doch wurden daraus drei. Der Ex-Bürgermeister spricht von einem „unvergesslichen Erlebnis“.

Während Filmemacher Kaase die Kamera hält, stellt der Vlothoer Wolfgang Kuhlmann die Fragen. Wollbrink würdigt Frauli als eine Frau, die gesellschaftlich in Herford viel bewirkt habe: „Und dafür hat sie nicht überall Beifall bekommen – schon gar nicht von den offiziellen Stellen.“

Die Herforder Gesellschaft sei in den 60er Jahren konservativ gewesen, so Wollbrink. Kein guter Ort für den aufkommenden Beat – oder vielleicht gerade. Mit dem Beat habe eine Revolution begonnen, meint Wollbrink.

Carola Frauli stand für den gesellschaftlichen Aufbruch. Sie habe sich immer schützend vor die Jugendlichen gestellt, heißt es. Und Wolfgang Kuhlmann weiß von Razzien und rigorosen Polizeieinsätzen zu berichten. Die Herforder Jugend, beziehungsweise ein Teil von ihr, war euphorisiert. Und von dem Club, in dem Stars wie Jimi Hendrix oder The Who auftraten, ging laut Wollbrink eine große Signalwirkung aus, die „zum Beispiel zur Gründung des FlaFla führte“.

Das Gespräch mit Wollbrink zählt zu den vielen Interviews, die Kaase für den Film bereits im Kasten hat. Das Material habe er weitgehend zusammen, sagt der Bünder. Zwei oder drei Interviews will er noch führen. So plant Kaase einen Dreh mit den Hollies – coronabedingt musste der vorgesehene Termin aber abgesagt werden.

Für den Filmstart war ursprünglich der November 2021 vorgesehen. Doch die Pandemie warf ihn zurück, so dass er sich unsicher ist, ob er den Termin halten kann. Bereits jetzt steht fest, dass die Dokumentation mit Originalmusik und vielen Zeitzeugengesprächen Spielfilmlänge erreichen wird. Klar ist auch, dass es einen Kinostart geben wird, bevor die DVD in den Handel kommt.

Bereits vor Jahren hatte Kaase mit dem Filmprojekt begonnen. Dabei zog er durch die Lande, um Stars, die in Herford aufgetreten sind, zu befragen. Hierzu zählen Pete York oder Musiker der Scorpions. Weil ein Film über einen Musikclub nicht ohne Musik funktioniert, stellte sich jedoch das Problem der Rechte. Diese müssen erworben werden – und Kaase befürchtetete, dass der Film die Kosten nicht einspielen könnte.

Also legte er das Projekt auf Eis. Einen neuen Anlauf unternahm er, nachdem der Jaguarclub-Film des Bielefelders Rainer Bärensprung ins Kino gekommen war. Viele Zuschauer kritisierten, dass der Club zu wenig im Mittelpunkt des Filmes steht – anders als der Titel „Als der Jaguar nach Herford kam“ suggeriere. Doch immerhin entstand so bei den Kritikern ein neues Gemeinschaftsgefühl. Ein Jaguarclub-Stammtisch, der wegen Corona allerdings pausierte, wurde ins Leben gerufen. Das immer noch vorhandene große Interesse am Club veranlasste Kaase, einen neuen Anlauf zu wagen.

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