Hamburger Firma kauft Waldfrucht aus Elverdissen – 20.000 Quadratmeter Netze ausgelegt
Die erste Bucheckern-Ernte beginnt

Herford (WB). „Sieht ein bisschen aus wie ein Kunstwerk von Christo“, sagt Albrecht Dallmann mit einem Schmunzeln. Der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Herford-West blickt im Elverdisser Wald auf die weißen Netze aus Polyester-Gewebe. Nein, Kunst ist das nicht. Mit den Netzen werden die Bucheckern eingesammelt, die bislang unbeachtet auf dem Waldboden zwischen Laub und Ästen verrotteten.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 06:01 Uhr
Der Wald in Elverdissen präsentiert sich gut vernetzt: Revierförster Julian Schütz, Herwart Siebert und Albrecht Dallmann (beide FBG Herford-West, v.l.) haben zwischen den Polyester-Geweben Aufstellung genommen. 20.000 Quadratmeter sind davon im Elverdisser Wald ausgelegt worden – für die Bucheckern-Ernte. Foto: Bexte

Die Firma Buchengold aus Hamburg wird die erste Herforder Bucheckern-Ernte aufkaufen, um sie als lokales Superfood aufzubereiten und an die Lebensmittelindustrie zu vermarkten. So landen die nahrhaften Buchenfrüchte in Müslis, Fleisch-Ersatzprodukten, Nussriegeln, Snacks oder Schokoladen.

„Seit 30 Jahren werden in unseren Wäldern per Hand Eicheln als Saatgut für Baumschulen eingesammelt. Die Bucheckern­ernte ist aber eine Premiere“, sagt Herwart Siebert von der Geschäftsstelle der FBG Herford-West. Der Bio-Boom und eine entsprechende Nachfrage machten es möglich. „Schließlich kann man sicher sein, dass hier keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden“, sagt Revierförster Julian Schütz.

Etwa 30 Cent pro Kilo

Eine Firma aus Schlangen (Kreis Lippe) hat vor wenigen Tagen 20.000 Quadratmeter Netze für die Hamburger Auftraggeber im Forst nördlich der Braker Straße ausgelegt. Die Lipper werden in fünf bis sechs Wochen auch die Ernte einfahren. „Die Netze werden dann gerafft und der Inhalt vor Ort maschinell gesiebt“, erläutert Siebert. „Bis dahin hoffen wir auf ordentlich Wind, der die Eckern herabweht.“

Die Hamburger hatten die FBG angeschrieben, weil sie wussten, dass hier viele Buchen stehen. So kamen private Waldeigentümer, aber auch die Stadt Herford ins Geschäft. Reich werden kann man mit Bucheckern jedoch nicht. Pro Kilo gibt es etwa 30 Cent, bei der gesamten Ernte ist mit 800 bis 1000 Kilo auf den zwei Hektar zu rechnen. „Wir wollen das einfach mal ausprobieren, wenn es klappt und alle zufrieden sind, könnte das auch im nächsten Jahr was werden“, sagt Siebert.

Ernte auch in Enger und Spenge

Dann aber wohl an anderer Stelle. Denn die Buchen tragen nur alle drei bis zehn Jahre Früchte. „Das kommt auf den Standort an. Bei mehr Licht, etwa am Waldrand oder bei hohen Baumkronen, gibt es häufiger eine Mast.“ Eine Rolle spielt aber auch die Trockenheit der vergangenen Jahre. Die lässt die Bäume ebenfalls häufiger Bucheckern ausbilden. „Das dient der Arterhaltung und ist eigentlich ein Warnzeichen“, sagt Revierförster Schütz. In den nächsten Tagen werden auch andernorts im Kreis Netze zur Bucheckern-Ernte ausgelegt: in Spenge, in Enger-Oldinghausen und in Enger-Siele.

Kommentar:

Als Kind hat man sie gerne vom Waldboden aufgesammelt, geschält und – wenn sie nicht hohl waren – den nussigen Geschmack genossen. Bucheckern boten Abwechslung. Aber als Nahrungsmittel spielten sie keine Rolle, als Handelsware schon mal gar nicht. Was die Waldeigentümer in Elverdissen jetzt ermöglichen, ist deshalb mehr als ein optischer Hingucker. Es zeigt, wie bislang unbeachtete nahrhafte Lebensmittel genutzt werden können.Alle Spaziergänger in Elverdissen können zudem bei der Ernte helfen – indem sie die Netze und die herabgefallenen Bucheckern (und auch Eicheln) liegen lassen. Besonders appellieren die Forstleute an Hundehalter. Hinterlassenschaften der Vierbeiner in den Netzen erschweren die Ernte. Also: nur gucken, nicht anfassen! Bernd Bexte

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