Anwohner protestieren gegen Projekt in Herford – Sorge vor Lärm und Müll
Wie störend ist der Rentner-Spielplatz?

Herford (WB). Um die künftige Nutzung eines kleinen Stückchens Grün gibt es Ärger: Die Stadt will am Sennenbusch einen Senioren-Spielplatz bauen. Einige Anwohner sind dagegen. Ihre Befürchtung: Die Anlage könnte sich zum abendlichen Jugendtreff entwickeln – mit Lärm, Randale und Alkoholexzessen.

Mittwoch, 09.09.2020, 06:00 Uhr
In den Neubau des Spielplatzes am Sennenbusch sind fast 200.000 Euro geflossen. Jetzt sollen die Senioren des Quartiers eine Oldie-Ecke bekommen – und zwar auf der Grünfläche neben dem Bolzplatz (links oben). Anwohner – unmittelbar dahinter stehen Häuser – befürchten abendliche Jugendtreffs. Foto: Moritz Winde

Conny Aust wollte am Freitag die Wünsche der alten Leute aus dem Quartier hören. Doch die Mitarbeiterin des Bauamts musste sich fast eine Stunde lang der Kritik der Nachbarn stellen. „Irgendwo meckert immer jemand – entweder vorher, nachher oder mittendrin. Manchmal bekommen wir sogar Post von Anwälten. Mit diesem heftigen Protest habe ich aber nicht gerechnet.“

Zum ersten Mal hatte die Verwaltung zu diesem ungewöhnlichen Beteiligungsprojekt eingeladen. Bisher waren immer nur Kinder zu Wort gekommen, die ihr Areal zum Toben mitgestalten konnten. Doch als der Sennenbusch-Spielplatz – er liegt an der Elverdisser Straße – geplant wurde, hätten Senioren moniert: „Hier gibt es nichts für uns.“ Und in der Tat: Manche Wohnblocks haben nicht einmal Balkons und Wäscheleinen blockieren die Gärten. Und die Bänke auf dem Spielplatz sind oft besetzt. Die Idee der Oldie-Ecke war geboren.

Bauch-Rückentrainer oder Balancierseile

Insgesamt stehen 12.000 Euro zur Verfügung. Bis zum Frühjahr sollen auf der freien Rasenfläche neben dem Bolzplatz – sie grenzt direkt an die Gärten der Einfamilienhäuser – eine Boule-Bahn, Bänke und Tische mit Gesellschaftsspielen und Seniorensportgeräte wie ein Bauch-Rückentrainer oder Balancierseile stehen.

Manchen Anliegern sind die Pläne ein Dorn im Auge. „Wir haben nichts gegen einen Senioren-Spielplatz. Doch es ist klar, dass Bänke und Tische von anderen missbraucht werden“, glaubt eine Anwohnerin. Sie beklagt, dass Jugendliche schon jetzt in den Abendstunden den Spielplatz als Treffpunkt nutzten und laut Party machten, was enorm störend sei. Zurück bliebe haufenweise Müll. „Ich habe versucht, mit ihnen zu sprechen. Doch sie ließen sich nichts sagen“, ergänzt ein Familienvater.

Stadt-Mitarbeiterin Conny Aust betont, sie sei für die Ausstattung verantwortlich und nicht für das, was dort gemacht werde. „Wenn der Spielplatz nachher missbräuchlich genutzt wird, muss man gegen diejenigen vorgehen, die sich nicht benehmen können.“

CDU-Ratskandidat Christoph Büker lobt das Projekt: „Es kann dazu beitragen, Senioren aus der Corona-Vereinsamung herauszuholen und die generationsübergreifende Gemeinschaft zu fördern.“ Er zeigt für beide Seiten Verständnis: „Auch für Jugendliche müssen Orte geschaffen werden, wo sie sich aufhalten können. Wir waren ja schließlich alle auch mal jung. Aber ich verstehe auch die Sorgen der Anwohner. Es ist wichtig, dass hier engmaschig kontrolliert und die Kommunikation mit den Jugendlichen gesucht wird.“

Um dieses Stückchen Grün gibt es Diskussionen.

Um dieses Stückchen Grün gibt es Diskussionen. Foto: Moritz Winde

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