Erstes öffentliches Konzert des Vereins Musik Kontor seit Ausbruch von Covid-19
Neustart im intimen Rahmen

Herford (WB). „Ballads & more” hatte das Frank Chastenier Trio versprochen und bescherte den kulturell ausgehungerten Konzertbesuchern eine kurzweilige und ausgewogene Mischung aus verträumten Melodien und mitreißenden Arrangements.

Sonntag, 06.09.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 16:24 Uhr
Das erste öffentliche Musik-Kontor-Konzert seit Corona: Jazz-Pianist Frank Chastenier gastiert mit Schlagzeuger Tobias Backhaus und Bassist Christian von Kaphengst im Kaffee Kontor. Foto: Daniela Dembert

Am Samstagabend lud das Musik Kontor Herford zum ersten öffentlichen Konzert in das Kaffee Kontor des Hotel Hansa. Die Örtlichkeit war während des Lockdowns bereits Kulisse für drei Streaming-Konzerte und wurde jetzt erstmalig für eine kleine Zuhörerschaft von 40 Personen hergerichtet.

Erst das zweite Konzert

„Dass wir hier auftreten können und ein so zahlreiches Publikum erschienen ist, bedeutet uns sehr viel”, betonte Chastenier. Seit Ausbruch der Pandemie sei dies erst sein zweites Konzert. „Das ist Balsam für unsere geschundenen Musikerseelen. Ich finde, Kultur gehört neben der Gesundheit zum Wichtigsten, was wir im Leben haben”, bekundete der Jazzpianist, der schon mit Größen wie Chaka Khan, Vince Mendoza, Randy Crawford und Michel Legrand zusammenarbeitete und eine enge Freundschaft zu Till Brönner pflegt.

Was den balladesken Teil des Programms anging, so hatte der 53-Jährige eine spezielle Wahl getroffen. Ob Lionel Richies 80er-Jahre-Schmonzette „Hello“, „Von Kopf bis Fuß” des bedeutenden 20er-Jahre-Komponisten und Kabarettisten Friedrich Hollaender oder Grönemeyers „Mensch” – der Ausnahmepianist hat sich der Stücke angenommen, ihre prägnanten Motive seziert und sie gefühlvoll unterfüttert. Unterstützung lieferten Schlagzeuger Tobias Backhaus und Bassist Christian von Kaphengst, mit dem Chastenier seit mehr als 30 Jahren eine Freundschaft verbindet, die nicht zuletzt in der Interaktion auf der Bühne ihren Ausdruck findet.

Jazz- und Swingstandards

Hinter dem „& more” verbargen sich unter anderem Jazz- und Swingstandards, bei denen man wohl durchaus von kultiviertem Hütteeinreißen sprechen darf. Denn dass der Mann mit den flinken Fingern überhaupt auf seinem Hocker sitzen geblieben ist, dürfte wohl nur der Tatsache geschuldet sein, dass er sonst die Klaviatur nicht hätte bedienen können.

„I thought about you” widmete der Pianist und Komponist seinem „viel zu früh verstorbenen Freund“ Roger Willemsen.

Sehr zufrieden zeigten sich die Verantwortlichen des Musik Kontor mit diesem ersten Konzert vor Publikum. „Das war für uns auch eine neue und interessante Erfahrung, weil wir hier akustisch, also in einer Clubatmosphäre spielen”, erzählt Ralf Hammacher, Vorsitzender des Vereins.

Hunger nach Kultur

Der Hunger nach Kultur in der Bevölkerung sei groß. Er erlebe ein aufmerksames, auf die Musik fokussiertes Publikum. „Da wird nicht nebenbei geredet oder ein Bier bestellt.”

Wie es im kommenden Jahr mit den Veranstaltungen des Musik Kontors weitergeht, ist im Detail noch nicht geklärt. Die Konzerte müssten sich rechnen, gab Geschäftsführer Thomas Hagen zu bedenken.

Denkbar seien aber auch Open-Air-Veranstaltungen, meint Vorsitzender Hammacher. „In dieser Zeit tun sich Chancen für neue Formate auf.”

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