Die „Liste 2004“ greift Probleme in den Herforder Stadtteilen auf
Ernst Herold strebt Direktmandat an

Herford (HK). Listenplatz drei der freien Wählergruppe „Liste 2004“ ist gar nicht mal schlecht. Doch Ernst Herold (69) aus Stedefreund will nicht über einen Listenplatz, sondern über einen Direktmandat aus dem Wahlbezirk 21 (Grundschule Eickum) in den Rat einziehen. Motto: „Wo andere verzweifeln, fängt Herold erst an.“

Dienstag, 08.09.2020, 05:29 Uhr
In diesem Brief stellt Ernst Herold, Ratskandidat der Liste 2004, dem Leiter der Landestraßenbaubehörde Straßen.NRW „vier einfache Fragen“. Mit ihnen will er erreichen, dass an der Laarer Straße Ortseingangs- und ausgangsschilder installiert werden. Foto: Stephan Rechlin

Auf Verzweiflung ist Herold an der Laarer Straße gestoßen. Auf ihr dürfen seit Jahrzehnten 100 Stundenkilometer gefahren werden. Das sei ja auch in Ordnung gewesen, als rechts und links der Straße nur Felder und in weiter Entfernung mal eine Fabriken gelegen hätten. Doch zwischen den Einmündungen Hausheider Straße/Tillerbrink und An der Landwehr sei in den vergangenen Jahren eine Siedlung gewachsen, in der viele Familien mit kleinen Kindern wohnten. Am Ende der Siedlung gebe es den großen Spielplatz am Lindensiek.

Herold: „Im Grunde haben wir es dort mit einem kleinen Dorf zu tun. Ein Dorf, das nach wie vor mit Tempo 100 passiert werden darf.“ Alle bisherigen Appelle an das zuständige Landesstraßenbauamt Straßen.NRW seien fruchtlos geblieben. Sogar Ratsmitglieder winkten inzwischen resignierend ab.

Kraft, Zähigkeit, Durchhaltevermögen

Aber nicht Ernst Herold. Aus seiner Berufserfahrung als Vermessungsingenieur, Gastwirt und Einzelhändler und aus seiner politischen Mitarbeit bei der SPD, bei den Grünen (im Kreis Minden-Lübbecke) und jetzt bei der Liste 2004 wisse er, dass es Kraft, Zähigkeit und Durchhaltevermögen koste, ein Ziel zu erreichen. Darum hat Herold einen Brief an die Straßenbaubehörde geschickt, in dem er deren Leiter „vier einfache Fragen“ stelle: 1. Gibt es für die Aufstellung von Ortseingangs- und Ausgangsschildern Richtlinien? 2. Welche? 3. Falls nicht, wer entscheidet dann? 4. Wer kontrolliert die Straßenbaubehörde? Herold: „Von den Antworten auf diese Fragen aus kann ich weiter bohren, wenn ich erst einmal im Rat sitze.“

Das Vorgehen von Kandidat Ernst Herold ist typisch für die lokalpolitische Methodik der Liste 2004: Probleme aufspüren, mit den betroffenen Menschen vor Ort reden, Anträge stellen, dran bleiben. Spitzenkandidat und Ratsherr Heinz-Günther Scheffer (67) brachte diese Vorgehensweise mit, als er im Gründungsjahr aus der FDP zur Liste wechselte. Die Gestaltung der Innenstadt, die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, der Widerstand gegen eine neue Wohnsiedlung in Stedefreund, die Not der Schausteller in der Corona-Krise – alles das sind Themen, zu denen sich die Liste 2004 positioniert, meist im Sinne der Betroffenen, die von ihr wie von kommunalpolitischen Anwälten vertreten werden.

Sonderfall Augustinerplatz

Ein Sonderfall stellt die Entwicklung des Augustinerplatzes in Herford dar, die Nachnutzung des ehemaligen Kaufhof-Areals. In diesem Projekt wurde Heinz-Günther Scheffer zu einem außerparlamentarischen Projektentwickler, der seine Kontakte zu großen Baukonzernen dermaßen ausreizte, dass es ihm eine Strafanzeige des damaligen Bürgermeisters Bruno Wollbrink einbrachte – ein Warnschuss, den Scheffer heute wie einen Orden präsentiert: „Am Augustinerplatz war viel mehr möglich als das, was wir jetzt dort haben. Herford hat eine große Chance verpasst.“ Das soll mit der Liste 2004 nicht wieder passieren.

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