Superintendentenwechsel in Herford: Olaf Reinmuth folgt auf Michael Krause
Große Fußstapfen

Herford (WB). Verabschiedungen sind Augenblicke voller Wehmut. Rein formal könne man ihn jetzt als Superintendent a.D. bezeichnen, sagt Michael Krause. Doch der bloße Titel ist seine Sache nicht: „Sagen Sie einfach: Herr Krause!“

Montag, 07.09.2020, 13:52 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 14:50 Uhr
Präses Dr. Annette Kurschus entpflichtet Michael Krause (im Hintergrund sein Nachfolger Dr. Olaf Reinmuth). Der Verabschiedete fuhr danach zum Radeln an den Bodensee. Foto: Hartmut Horstmann

„Du wurdest geliebt“

50 bis 60 Minuten sind für die Verabschiedung des alten Superintendenten und die Einführung des neuen im Münster angesetzt. Dass der feierliche Gottesdienst trotz aller gebotenen Coronastringenz fast das Doppelte an Zeit in Anspruch nimmt, war fast zu erwarten. Ein Superintendentenwechsel im feierlichen Schnelldurchlauf – das geht nicht.

Während die Musiker der Band Kom’ma Herr für die kurzweilige Untermalung sorgen, erinnert Präses Dr. Annette Kurschus an das Wirken und die Beliebtheit Michael Krauses: „Du bist als Superintendent nahezu einstimmig wiedergewählt worden. Du wurdest geliebt. Du hättest nicht gehen müssen.“ Der Abschied sei aber keine Entscheidung gegen Herford, sondern Michael Krause stelle sich einer neuen Herausforderung. Das Superintendentenamt sei kein Amt auf Lebenszeit.

„Die Latte hängt hoch“

Dabei spricht sie auch die Anfänge an, als Krause das Wagnis eingegangen sei, die schwarzen Kassen im Kirchenkreis Herford öffentlich zu machen: „Die Menschen wussten schnell, woran sie mit dir waren.“ Seit 2012 war der verabschiedete Superintendent zudem Vorsitzender des Ständigen Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Kurschus würdigt die Einfühlsamkeit und Rhetorik, die er in dieser Funktion bewiesen hätte, und sagt: „Du wirst uns fehlen.“

Bei derartigem Verlustschmerz, in der Du-Form vorgetragen, wird klar, dass Olaf Reinmuth – geistlich – in große Fußstapfen tritt. Kurschus würdigt dessen große Verbundenheit mit dem Kirchenkreis, sagt aber auch, das sei eine Gefahr: „Denn die Leute haben Bilder und Erwartungen. Die Latte hängt also hoch.“

Aber das Amt des Superintendenten sei eine völlig neue Aufgabe: „Im vertrauten Kreis werden Sie plötzlich der Andere sein. Sie werden Entscheidungen treffen müssen und dabei vielleicht auch Fehler machen.“ Aber, und das sei entscheidend: „Sie haben Respekt und Lust auf das neue Amt.“

Bekenntnis zur Ironie

Und der neue Superintendent lobt den alten. Es klingt fast wie ein Schlagertitel, wenn Reinmuth erklärt: „Ohne dich wär’ ich jetzt nicht hier.“ So lobt er den neuen Ton, der im Kirchenkreis Einzug gehalten habe: „Eine Veränderung der Sprache, eine Veränderung des Umgangs.“

Das habe ihm neue Motivation gegeben, so Reinmuth. Michael Krause habe eine Sprache ohne doppelte Botschaft bevorzugt. Sich selbst charakterisierte er als eher ironischen Typus: „Ich weiß, das ist gewöhnungsbedürftig.”

Landrat Jürgen Müller sagt über Michael Krause: „Du hast es geschafft, dass die Kirche im Kreis Herford Teil der Gesellschaft geworden ist.“ Und Sabine Lampka, Verwaltungsleiterin des Kirchenkreises, nennt als eine der großen Herausforderungen für ihren neuen Chef: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie meistern.“

Nach dem Ende des Gottesdienstes wartet ein Bläserkreis vor der Kirche. Es wird musiziert, begrüßt und gesprochen, ­ nur das Gratulations-Händeschütteln fällt aus – wegen Corona.

Kommentar

Am Tag nach seiner Verabschiedung postete Michael Krause bei Facebook ein Bild vom Bodensee. Ein Urlaubsfoto, aber nicht ohne Symbolik. Denn die Insel könnte für die Ruhe stehen, nach der sich der Herforder nach all den Jahren als Superintendent sehnen mag.

Die Offenlegung der schwarzen Kassen wird ewig mit der Ära Krause verbunden sein. Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er erreichte, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kreiskirchenamt und den Gemeinden keinen massiven Schaden nahm.

Stressige Zeiten waren das. Und auch die Amtszeit seines Nachfolgers beginnt mit einer Krisensituation. Die Folgen von Corona sind auch für die Kirche noch längst nicht abzusehen. Doch Olaf Reinmuth ist wie Krause ein wacher Geist. Auch der Neue wird wissen, was zu tun ist. Hartmut Horstmann

 

 

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