SPD-Fraktionschef sei nicht richtig informiert gewesen – Rückgang bei Apotheken
Apothekerkammer wehrt sich

Herford (WB). „Ich wollte auf eine Problemlage aufmerksam machen und hätte nicht gedacht, dass das solche Kreise zieht“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Heining. Am Montag hatte das HERFORDER KREISBLATT über Heinings Anfrage in der Ratssitzung zum Apotheken-Notdienst berichtet. Heining hatte in der Nacht vom 18. auf den 19. August vergeblich eine Notdienst-Apotheke in Herford gesucht.

Freitag, 04.09.2020, 20:00 Uhr
Die Apothekerkammer wehrt sich gegen Kritik am Apotheken-Notdienst. SPD-Fraktionschef Horst Heining hatte erklärt, in einer Stadt wie Herford mit fast 70.000 Einwohnern müsse nachts eine Apotheke offen sein. Das sieht die Kammer anders. Foto: dpa

Als Alternativen seien ihm eine Apotheke in Stift Quernheim sowie eine weitere in Bielefeld angezeigt worden. Es könne nicht sein, dass in einer Stadt mit fast 70.000 Einwohnern nachts keine Apotheke geöffnet habe, beschwerte sich Heining.

Nächstgelegene Apotheke in Löhne

Daraufhin erhielt er Anrufe von etlichen Apothekern und auch die Apothekerkammer Westfalen-Lippe aus Münster meldet sich zu Wort. Heining sei nicht richtig informiert gewesen, schreibt Michael Schmitz von der Apothekenkammer. Die nächstgelegene Apotheke sei in jener Nacht die Schwanen-Apotheke in Löhne gewesen. Diese sei vom Ortsmittelpunkt Herford laut Google-Maps nur 8,7 Kilometer entfernt gewesen.

Heining sprach in der Ratssitzung am 28. August von einer Entfernung von 20 Kilometern, die er hätte zurücklegen müssen, um an die benötigten Tropfen zu gelangen. Dabei meinte er Hin- und Rückfahrt. Die Apotheke in Bielefeld sei etwa 14 Kilometer entfernt gewesen (ein Weg), die Stifts-Apotheke in Kirchlengern 16,9 Kilometer.

„Ich wollte auf ein Problem aufmerksam machen“

„Mir ist es mit meinem Wortbeitrag in der Ratssitzung nicht um die exakte Kilometerzahl gegangen, wobei man bis Löhne und zurück nach Herford natürlich auch fast 20 Kilometer fährt, je nachdem, wo man wohnt. Ich wollte auf das Problem aufmerksam machen, dass in einer Notsituation nachts die Apotheken in Herford geschlossen sein können“, sagt Heining.

Dafür gibt es aus Sicht der Apothekerkammer auch gute Gründe. Würde man dem Wunsch des SPD-Fraktionschefs folgen, dann müsste jede Apotheke in Herford im Durchschnitt 28 bis 29 nächtliche Notdienste pro Jahr leisten. „Wir versuchen hier stets eine gute Balance zwischen einer guten Versorgung der Patienten zu finden und der Beanspruchung der Apotheken vor Ort. Diese versorgen ja 95 Prozent ihrer Patienten außerhalb des Notdienstes, und wir haben gerade in der Woche eine Reihe von Notdiensten mit sehr geringer Frequenz“, schreibt Michael Schmitz, Geschäftsführer Kommunikation, bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Zahl der Apotheken um 20 Prozent gesunken

Und die Kammer aus Münster weißt noch auf ein weiteres Problem hin. Die Anzahl der Apotheken im Kreis Herford ist von 2012 bis heute um 20 Prozent gesunken. Gab es 2012 in den neun Städten und Gemeinden noch 65 Apotheken, so sind es heute nur noch 52. Am stärksten hiervon betroffen war die Stadt Herford mit fünf Schließungen, einen Rückgang von 18 auf nur noch 13 Apotheken.

„Die durchschnittliche Entfernung zur notdiensthabenden Apotheke beträgt, über das gesamte Jahr gerechnet, für die Herforder 5,5 Kilometer“, so Schmitz.

In Ausnahmefällen können Medikamente mitgegeben werden

Das Problem des SPD-Fraktionsvorsitzenden hätte sich wohl leicht lösen lassen, wenn das Klinikum Herford die benötigten Tropfen ausgehändigt hätte. Dazu erklärt Monika Bax, Pressesprecherin des Klinikums: „Im Rahmen des Entlassmanagements werden Patienten nach stationärer Behandlung Rezepte oder Medikamente mitgegeben, um Versorgungsabbrüche zu vermeiden. Hiermit soll der Zeitraum überbrückt werden, bis durch den Hausarzt oder einen niedergelassenen Facharzt im Rahmen der Weiterbehandlung Rezepte ausgestellt werden. Für ambulante Notfallpatienten des Klinikums wird für gewöhnlich ein Rezept ausgestellt, bis der Patient zu seinem Haus- oder Facharzt gehen kann. In besonderen Ausnahmefällen, wenn Uhrzeit und Umstände es sehr erschweren, können Medikamente auch mitgegeben werden.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7567074?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Vergewaltigung im Krankenhaus: Anzeige gegen Chefarzt
Eine der vergewaltigten Frauen fand eine Flasche eines Narkosemittels in ihrem Bett und machte ein Foto davon. Foto: Christian Althoff
Nachrichten-Ticker