Folgen einer Sanierung in den 70er-Jahren verursachen in Herford Fassadenschäden
Am Wulferthaus bröckelt’s

Herford (WB). Das Wulferthaus am Neuen Markt ist eines der schönsten und ältesten Häuser Herfords. Seine prächtige Renaissance-Fassade ist aber seit Wochen hinter einem Gerüst versteckt – weil sie schwer beschädigt ist.

Freitag, 04.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 09:16 Uhr
Margaretha Hammen zeigt einen steinernen Löwenkopf, der von der Fassade links oben abgenommen wurde. Er drohte herunterzufallen. Ein Löwenkopf auf der rechten Fassadenseite war Mitte Juli auf das Pflaster vor dem historischen Haus aufgeschlagen. Foto: Bexte

Ursache ist offenbar eine nach heutigem Sachstand nicht angemessen ausgeführte Sanierung in den 1970er-Jahren. Für die Eigentümer Margaretha und Jost Hammen kommt das einer Katastrophe gleich. „Erst kam der Corona-Lockdown, jetzt das“, sagt Margaretha Hammen, die im Erdgeschoss sei gut zehn Jahren die „Suite 1560“ betreibt, ein Geschäft für Wohnaccessoires, Dekoartikel und Geschenke. Die Hammens hatten das Haus damals von der Familie Witte (Feinkost Biermann) gekauft.

„Derzeit sind die Schaufenster nicht mehr sichtbar, aber gerade darüber verkaufen wir unser Angebot“, klagt die Ladeninhaberin. Mitte Juli hatte sich von der rechten Fassadenseite ein Löwenkopf aus Sandstein gelöst, war auf das Pflaster geschlagen und zerborsten. Um weitere Gefahren für Passanten abzuwenden, hatten die Hammens umgehend die Fassade eingerüstet. „Einen Löwenkopf auf der gegenüberliegenden Seite haben wir abnehmen lassen, er war auch beschädigt und drohte herunterzufallen“, zeigt Margaretha Hammen auf den steinernen Tierschädel in einem Eimer.

„Das wird richtig teuer“

Denkmalschützer von der Stadt und vom Landschaftsverband in Münster haben sich die Schäden bereits vor Ort angeschaut, denn das Haus ist seit 1981 geschützt. Fazit: Ursache für den bröckeligen Sandstein sind offenbar Sanierungsmethoden, die zwischen 1974 und 1979 an dem Haus angewandt wurden. „Das war halt der damalige Stand der Technik“, betont Beigeordneter Peter Böhm.

Damals seien unter anderem Chemikalien zur Verfestigung und Ersatzmörtel eingesetzt worden, sagt Hammen. „Der Mörtel liegt auf der ursprünglichen Oberfläche. Wenn Feuchtigkeit eindringt, löst er sich ab.“ Ähnliche Schäden gab es am Neustädter Brunnen, der jüngst restauriert worden war.

Was also tun? Genaue Auskunft von den Denkmalschützern habe sie noch nicht. „Am Mittwoch war ein Restaurator vor Ort. Er wird nun ein Gutachten erstellen. Dann wissen wir vielleicht, wie wir vorgehen.“ Eines sei jedoch sicher: „Das wird richtig teuer.“ Ob es Geld aus Denkmalschutzmitteln für die Sanierung gebe, sei unklar. Da es derzeit zudem schwierig sei, Handwerker zu bekommen und Mörtelarbeiten in der anstehenden kalten Jahreszeit problematisch seien, „wird in diesem Jahr hier wohl nichts mehr passieren“.

Aufgeben werde sie jedoch nicht. „Wir kämpfen, auch wenn die Pandemie unser Geschäft schon genug gebeutelt hat.“ Wie es langfristig weitergeht, bleibe abzuwarten. „Aber im Weihnachtsgeschäft sind wir für unsere Kunden definitiv da“, verspricht Hammen.

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