Nur Herford und Bünde weisen 1a-Lagen auf – Innenstädte stehen vor tiefem Wandel
Einzelhandelsmieten sind im Sinkflug

Herford (HK). Die optische Aufwertung der Herforder Innenstadt hat den Verfall der Einzelhandelsmieten vielleicht bremsen, aber nicht aufhalten können. An verschiedenen Standorten in der City bringen Wohnungsmieten inzwischen mehr ein als Ladenmieten – das ist ein grell leuchtendes Signal für den Wandel, der Herford bevorsteht.

Freitag, 04.09.2020, 05:20 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 05:30 Uhr
Der Übergang von der 1a- in die „innerstädtische Lage“ ist in Herford fließend, wie das Beispiel Bäckerstraße zeigt. Foto: Stephan Rechlin

Dem aktuellen Mietpreisatlas der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge sind Herford, Bünde und Gütersloh jene Städte, in denen die Mietpreise sogar in 1a-Lagen sinken. Die 1a-Lage in Herford beschränkt sich mittlerweile auf den Abschnitt zwischen Linnenbauerplatz und Altem Markt, ohne den Gehrenberg. Teile der Bäckerstraße können bis zur Mayerschen Buchhandlung noch dazugerechnet werden, das war es aber auch. In diesem Abschnitt sind die Einzelhandels-Durchschnittsmieten von 18 bis 40 Euro je Quadratmeter (2015) auf 15 bis 30 Euro je Quadratmeter gefallen.

Die hohe Spanne ist auf Lage, Ausstattungsmerkmale und Größe des jeweiligen Geschäftes zurückzuführen. Der Herforder Immobilienmakler Uwe Pottharst hat an der Studie mitgewirkt: „In einem Ecklokal mit zwei Schaufensterfronten ist mehr Miete zu zahlen als in einem Laden mit tief ins Gebäude verlaufender Fläche, aber nur einem Schaufenster.“ Ähnlich sehe es bei großen Kaufhäusern aus. Der über zwei Etagen verteilte C&A zahle am Augustinerplatz einen geringeren Durchschnittspreis je Quadratmeter als die gegenüberliegende Eisdiele.

Nebenlagen fallen ab

Während Standorte mit einer attraktiven Architektur und hoher Passantenfrequenz noch lukrative Geschäftsmodelle ermöglichten, fallen die Nebenlagen weiter ab. Der Mietpreisatlas fasst die bisherigen 1b-, 2a- und 2b-Lagen unter dem Sammelbegriff „innerstädtische Lage“ zusammen, weil die betroffenen Stadtteile ineinander übergehen und keine strikte, analytische Zuordnung mehr ermöglichten.

Wichtiger sei ohnehin, dass in diesen innerstädtischen Lagen dem Atlas zufolge nur noch fünf bis zehn Euro Miete je Quadratmeter erzielbar sind. Pottharst: „An einigen Stellen ist es für einen Vermieter also tatsächlich günstiger, auf ein Einzelhandelsgeschäft zu verzichten und seine Räume statt dessen zu einer Wohnung umzubauen oder in ein Büro zu verwandeln.“

Krise beschleunigt Trend

Dieser Befund ist nicht auf die Corona-Krise zurückzuführen. Die IHK hat ihre Daten in den Monaten Januar bis März 2020 erhoben, also kurz vor Ausbruch der Krise. Und: die Zahlen spiegeln einen Trend wider, denn in den innerstädtischen Lagen waren die Einzelhandelsmieten schon 2015 auf diesem Niveau. In ihrer Einschätzung geht die IHK davon aus, dass die Corona-Krise die vorhandenen Trends eher noch beschleunigen wird.

Mit einer 1a-Lage kann im Kreis Herford sonst nur noch Bünde aufwarten. Dort sind die Mietpreise von 15 bis 25 auf 15 bis 22,50 Euro je Quadratmeter gesunken. In den übrigen Städten und Gemeinden gibt es nur „innerstädtische Lagen“ mit Preisen zwischen fünf bis sieben (Hiddenhausen), 7,50 (Vlotho), acht (Kirchlengern, Rödinghausen) neun (Enger, Spenge) und zehn Euro (Löhne) je Quadratmeter.

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