Medikation von Krankenhauspatienten birgt ein hohes Risiko – Kliniken beugen vor
Ärzte und Pfleger wahren die Fünf-R-Regel

Herford (HK). Durch die tragische Verwechslung einer Medikamentengabe ist ein Patient des Bielefelder Klinikums Mitte in der vergangenen Woche ums Leben gekommen. Fehler passieren überall, wo Menschen arbeiten – das HERFORDER KREISBLATT hat darum bei den Akutkrankenhäusern im Kreis Herford gefragt, wie sie solchen Risiken im täglichen Arbeitsprozess vorbeugen.

Donnerstag, 03.09.2020, 05:20 Uhr
So eine Pille ist schnell mal vertauscht. Die Akutkrankenhäuser im Kreis Herford sorgen mit digitaler Technik und dem Vier-Augen-Prinzip vor. Foto: Moritz Winde

Sowohl im Klinikum Herford als auch im Lukaskrankenhaus Bünde sind Verfahren verschriftlicht, in denen die entsprechende Arbeitsschritte festgelegt sind, teilt die Herforder Krankenhaussprecherin Monika Bax mit. Kernelemente seien:

• Die Vorbereitung und Verabreichung der Medikation erfolge durch ausgebildete Fachkräfte;

• Die Vorbereitung und Kontrolle der Medikation erfolge in separaten Räumen, die von Außengeräuschen möglichst abgeschirmt werden können.

• Grundsätzlich gelte das Vier-Augen-Prinzip vor Verabreichung.

• Grundsätzlich gelte außerdem die Fünf-R-Regel: Ist es der R ichtige Patient? Ist es das R ichtiges Arzneimittel? Ist es die R ichtige Dosierung? Ist es die R ichtige Applikationsart? Ist der R ichtige Zeitpunkt?

Falls Patienten die Medikamente eigenständig einnehmen, würden sie über die Medikation, die Einnahmeart, den Einnahme-Zeitpunkt sowie eventuelle Besonderheiten aufgeklärt. Bei allen anderen Patienten unterstütze oder übernehme die Fachkraft die Verabreichung der Medikation. Die Dokumentation der Verabreichung erfolge in der Patientenakte.

Mit Laptop am Bett

Das Mathilden-Hospital setzt auf ein IT-gestütztes Verfahren bei der medizinischen Patienten-Versorgung. „Bei harten Medikationen gilt zudem das Vier-Augen-Prinzip“, teilt Geschäftsführer Dr. Georg Rüter mit. Im Hospital hätten sowohl Pflegekräfte als auch Ärzte Zugriff auf das System. Der Laptop werde mit ans Krankenbett genommen. In digitalen Akten seien alle Hinweise zur Lage des Patienten verzeichnet.

Häufig sind Personalmangel und hoher Arbeitsdruck die Ursachen von Fehlern. Der Formel „Mehr Personal gleich automatisch mehr Sicherheit“ widerspricht Dr. Georg Rüter jedoch: „Wer nur darauf setzt, ist falsch unterwegs.“ Wichtig sei es, die Arbeitsprozesse in den Kliniken zu untersuchen. Viele davon seien zu umständlich und aufwendig. „Wenn dem Personal unnötig weite Wege und überflüssige Tätigkeiten erspart bleiben, haben sie mehr Zeit für Patienten.“ Allein durch die Arbeitsprozesse unterstützende Baumaßnahmen lasse sich viel erreichen für die Zufriedenheit von Patienten und Personal.

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