Trägerversammlung beschließt Finanzkonzept bis 2026 – Budget steigt um 600.000 Euro
Saisonstart mit froher Botschaft

Herford (WB). Die Proben für das erste Abo-Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie laufen – und bevor am Mittwochmorgen der Feinschliff für die Freitags-Aufführung beginnen kann, überbringt Herfords Bürgermeister Tim Kähler eine frohe Botschaft: „Die Finanzierung des Orchesters ist bis 2026 gesichert.“

Donnerstag, 03.09.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 05:50 Uhr
Letzter Probenfeinschliff: Am Freitag startet die NWD in die neue Saison. Das erste Abo-Konzert leitet Chefdirigent Yves Abel, der das Orchester Ende des Jahres verlassen wird. Gespielt werden Werke von Mendelssohn Bartholdy und Haydn. Foto: Hartmut Horstmann

„Großer Schluck aus der Pulle“

Einstimmig habe die Trägerversammlung das Finanzkonzept verabschiedet, sagt Kähler, der Vorsitzende des NWD-Trägervereins. Der mit den Instrumenten bekundete Applaus ist dem Bürgermeister sicher.

Während sich der Haushaltsplanansatz für dieses Jahr auf 7,1 Millionen Euro beläuft, wird er im Jahr 2021 auf 7,7 Millionen steigen. Dies teilt Intendant Andreas Kuntze mit. Die Zusammensetzung der Finanzierung bringt er auf die Formel: „40 Prozent vom Land, 40 Prozent von den Trägerkommunen und 20 Prozent Eigenanteil.“ Bereits im Februar hatte das Land angekündigt, den Betrag um 226.000 Euro zu erhöhen. Bislang kamen vom Land jährlich 2.766.500 Euro.

Größter kommunaler Geldgeber ist die Stadt Herford als Standortkommune. Der Herforder Anteil erhöht sich von 600.000 auf 900.000 Euro. Entsprechend spricht Tim Kähler von einem großen Schluck aus der Pulle für das Orchester. Um dessen Bedeutung nachhaltig zu unterstreichen, soll auch wieder die volle Stellenzahl an Musikern erreicht werden.

Zwei Konzerte pro Abend

Diese beläuft sich auf 78. Derzeit verfüge das Orchester über 72 Musiker, sagt Friedrich Luchterhandt, Künstlerischer Betriebsdirektor. In einem ersten Schritt soll auf 75 erhöht werden – das sei coronabedingt gerade nicht so einfach. Hinzu kommt eine neue Stelle im Bereich der Sozialen Medien – um die Kommunikation moderner aufzustellen.

Für den Vorsitzenden des Trägervereins spricht aus der Erhöhung der Beiträge eine große Wertschätzung des Orchesters. Gleichzeitig sieht er darin ein Signal, wonach auch eine Pandemie kein Grund sei, untätig zu sein. In seinem Dank an alle Beteiligten vergisst er auch die Abonnenten nicht: „Es ist toll, wie sie hinter dem Orchester stehen, dass es kaum Kündigungen von Abos gab.“ Das sei gelebte Solidarität.

Und die Nordwestdeutsche Philharmonie weiß, was sie den treuen Konzertgängern schuldig ist. Um die Abonnenten zu halten, gibt das Orchester angesichts der coronabedingt geringeren Platzzahl in Herford, Paderborn und Detmold zwei Konzerte an einem Abend.

Bad Pyrmont als neues Mitglied?

Aus insgesamt 18 Kommunen und Kreisen besteht der Trägerverein der NWD. Hauptspielorte sind Herford, Minden, Paderborn, Detmold, Bad Salzuflen und Gütersloh. Als mögliches neues Mitglied des Trägervereins bringt Intendant Andreas Kuntze Bad Pyrmont ins Spiel. Vier Konzerte wird es dort geben. Allerdings liege Bad Pyrmont in Niedersachsen – laut Kähler aber kein Problem: „Was der NWD hilft, ist immer gut.“

Als Strategie der kommenden Monate nennen die Verantwortlichen: „Auf Sicht fahren.“ So stellt sich immer wieder neu die Frage, wie viele Musiker gemäß der aktuellen Bestimmungen auf einer Bühne spielen dürfen. Gegenüber der ursprünglichen Planung verändert wurde zum Beispiel das Oktober-Konzert. An die Stelle von Sibelius (unter anderem Finlandia) tritt Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert.

Kommentar

Die Botschaft, die Bürgermeister Tim Kähler überbringt, kommt zur richtigen Zeit. Nach einer langen coronabedingten Zwangspause beginnt die neue Saison – und die Musiker erfahren durch die steigende finanzielle Förderung auch, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Dass die NWD beim Land und in den Kommunen viele Befürworter hat.

Auch Intendant Andreas Kuntze, der die Frage nach Zahlen gerne mit der Gegenfrage kontert, warum man das denn wissen wolle, hat großen Grund, mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Immerhin steigt der Planansatz für die NWD von jährlich 7,1 auf 7,7 Millionen Euro.

Als positiv zu bewerten ist die Schaffung einer neuen Stelle im Bereich der Sozialen Medien. Ob die NWD damit zu einem Hipster-Orchester wird, sei dahingestellt. Aber es wird möglich sein, neue Zuhörerkreise zu erreichen.

Zweifellos haben die Musiker die sich auch im Geld ausdrückende Wertschätzung verdient. Im weltweiten Ranking gilt die NWD als das fleißigste Orchester. Falls gewünscht, geben sie in der neuen Saison zwei Konzerte pro Abend – ein Dankeschön an die Abonnenten. Aber jedes Orchester hat die Abonnenten, die es verdient.

Hartmut Horstmann

 

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