Baum steht Erneuerung des Pflasters im Weg – Stadt will Intarsien einlagern
Platane am Gehrenberg soll gefällt werden

Herford (WB/ram). Wann immer Bäume in der Innenstadt gefällt werden sollen, regt sich Protest. Das war in der Bäckerstraße so, in der Brüderstraße und auch auf dem Neuen Markt. Jetzt plant die Stadt Herford das Pflaster am Gehrenberg (vor Klingenthal) und in der Brüderstraße zu erneuern. Um die Maßnahme umzusetzen, sollen nicht nur die Intarsien verschwinden und der Jahrhundert-Brunnen versetzt werden, nein, auch eine Platane soll fallen.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr
Wenn in der Brüderstraße das neue Pflaster verlegt wird, soll der Baum vor dem Geschäft Depot gefällt werden. Foto: Moritz Winde

Gerade in den Sommermonaten bietet der Baum, der vor dem Geschäft Depot steht, ein schönes Bild. Die Ersatzpflanzung, die vorgenommen werden soll, wird vermutlich erneut ein Baum mit einer deutlich schmaleren Krone sein. Um die einheitliche Pflasterung der Innenstadt beizubehalten, müsse der Baum fallen, heißt es. Aus dem gleichen Grund sollen auch die Intarsien verschwinden, die an Herfords Partnerstädte sowie die Hanse-Vergangenheit der Werre­stadt erinnert.

„Erst der Hansebrunnen, jetzt die Intarsien“

Damit sind nicht alle einverstanden, die Mitglied des Stadtrates sind. Udo Freyberg (SPD) hatte sich bereits im vergangenen Jahr für den Erhalt der Intarsien an dem Standort ausgesprochen. Gleiches gilt für Lothar Wienböker von den Bürgern für Herford (BfH). Wienböker fürchtet, dass nach dem Hansebrunnen, der bis vor einigen Jahren in der Lübberstraße stand, jetzt ein weiteres Wahrzeichen, das an Herfords Hansevergangenheit erinnert, einfach so verschwinden soll.

Doch da widerspricht die Stadtverwaltung. Die Intarsien sollen wieder eingesetzt werden, allerdings nicht am Gehrenberg, sondern auf dem Rathausplatz. Wie berichtet, plant die Stadt Herford einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Rathausplatzes. Integrierendes Element der Planung sollen die Intarsien sein. Kritiker befürchten, dass ähnlich wie beim Hansebrunnen, die Intarsien einfach von der Bildfläche verschwinden und nach einer gewissen Zeit keiner mehr danach fragt.

Maw spricht von Rutschfallen

Lothar Wienböker (BfH) hatte in der jüngsten Ratssitzung gefragt, ob die Intarsien nicht einfach versetzt werden könnten, aber am Gehrenberg wieder eingebaut werden. „Das ist nicht möglich“, erklärte Beigeordneter Dr. Peter Böhm. Die Leitstreifen und das taktile Leitsystem, könne nicht durchgehend gesetzt werden, falls die Intarsien wieder an Ort und Stelle eingebaut werden würden.

Marion Maw (CDU) hatte bereits im vergangenen Jahr befürwortet, dass die Intarsien am Gehrenberg verschwinden. Gerade in den Wintermonaten würden die Metallteile vereisen und für Passanten zu gefährlichen Rutschfallen werden. Wienböker hält dagegen: „Man kann die Intarsien rutschfester gestalten und sie so platzieren, dass keine Unterbrechung der taktilen Leitstreifen entsteht.“ BfH-Ratskandidat Marc Kohrs verspricht: „Wir werden auch im neuen Rat dafür kämpfen, dass nicht nur auf den Ortsschildern erkennbar ist, dass Herford eine alte Hansestadt ist.“

Kommentare

Oetinghauserin  wrote: 02.09.2020 13:58
Ja, nur Tristesse in der Fussgängerzone
Warum die bisherigen Sanierungen in der Herforder Innenstadt immer als gelungen vorgestellt werden, kann ich so gar nicht nachvollziehen. Ich sehe nur (ebenso wie T.Hpunkt) wachsende Tritesse durch Pflasterungen und es zieht mich auch nichts in die Innenstadt. Bei einem Blick aus der Komturstrasse auf den Neuen Markt bin ich immer froh, wenn ich mich abwenden bzw. den Blick auf die Blumenkübel vor einer Buchhandlung in der Höckerstrasse lenken kann. Auch wenn jeder gefällte Baum in der Innenstadt ersetzt würde, wird die Aufenthaltsqualität nicht grösser und eine klimafreundliche Ausrichtung der Sanierungen ist für mich nicht erkennbar.
T. Hpunkt  wrote: 02.09.2020 10:51
Es fehlt Grün in der Fußgängerzone ...
Die nun bald vollversiegelte Fußgängerzone ist an Tristesse kaum zu unterbieten. In Zeiten, in denen uns das Klima um die Ohren fliegt, empfinde ich das als völlig rückständig.
Zum Verweilen lädt das ohne Grün nicht sonderlich ein, heizt sich ohne Verschattung in den heißen Sommermonaten unnötig auf.
Für ein besseres Mikroklima sollte man das olle Pflaster alle paar Meter wieder entsiegeln und begrünen.
Das würde auch zum Flanieren animieren, im jetzigen Zustand marschiere ich dort nur bei Bedarf durch um von A nach B zu kommen. Es ist einfach zu trostlos.
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