Stadt, Kreis und Firmen bauen digitalen Management-Studiengang in Herford auf
Technische Hochschule will auf Campus

Herford (WB). Die Technische Hochschule (TH) OWL nimmt Herford als weiteren Standort ins Visier. Sie will hier, auf dem Stiftberg, den neuen Studiengang „Digital Management Solutions“ (Digitale Unternehmensführungs-Lösungen) aufbauen. Es könnte der Keim eines weit in die Region ausstrahlenden, neuen Studienschwerpunktes auf dem Bildungscampus werden.

Dienstag, 01.09.2020, 05:26 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 08:46 Uhr
Die Technische Hochschule OWL möchte auf dem Herforder Bildungscampus den Studiengang Digital Management Solutions gemeinsam mit Unternehmen aufbauen. Foto: Ralf Meistes

Stadt und Kreis lassen sich außer den Hinweis auf ein Pressegespräch am morgigen Mittwoch keine Details zum neuen Projekt entlocken. Landrat Jürgen Müller und Bürgermeister Tim Kähler (beide SPD) dürften die Botschaft als vorläufigen Höhepunkt ihres Kommunalwahlkampfes persönlich verkünden wollen.

Digitale Zukunft

Die aus der „Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen“ hervorgegangene TH OWL zählt mit 6600 Studenten und 173 Professoren an den drei Standorten Lemgo, Detmold und Höxter zu den zehn forschungsstärksten Fachhochschulen in Deutschland. Aufgrund ihrer Forschungslei-stung wurde sie 2010 in den Universitätsverbund European University Association aufgenommen. An der TH wird alles gelehrt, was irgendwie mit digitaler Zukunft zu tun hat.

In der Smart Factory werden Industrie 4.0-Anwendungen unter realen Bedingungen getestet; das in Lemgo angesiedelte Fraunhofer Institut widmet sich der industriellen Automation, die SmartFoodTechnology OWL entwickelt neue digitale Maßstäbe in der Lebensmitteltechnologie. Die TH bietet 32 Bachelor- und 19 Masterstudiengänge an, im Fach Industrielle Informationstechnik kann man auch promovieren. Elektrotechnik und Maschinenbau schneiden in bundesweiten Rankings als die besten Studiengänge in Deutschland ab, die Fächer Technische und Angewandte Informatik belegen Spitzenplätze.

Firmen springen ein

So wie Produktionsprozesse inzwischen digital erfasst und gesteuert werden können, so sind auch Unternehmensleitung und -führung auf Basis digital erfasster Daten möglich. Was heißt schon möglich? Wer auf ein genau auf seine Firma abgestimmtes Ressourcen-Management verzichtet, das jeden Handschlag und jeden noch so geringen Verbrauch erfasst und auf die Wochen-, Monats- oder Jahresbilanz hochrechnet, der fällt ziemlich schnell hinter die Konkurrenz zurück. An diesem Punkt setzen die digitalen Management-Lösungen ein, die fortan in Herford unterrichtet werden sollen.

Dazu werden Unternehmen im Kreis Herford aufgerufen, eine erste Stiftungsprofessur mitzufinanzieren. Die Fachhochschule Bielefeld hat solch ein Projekt für die Studiengänge Mechatronik/Automatisierungstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen in Gütersloh umgesetzt. Die Hälfte der 200.000 Euro hohen Kosten pro Jahr steuerten Unternehmen bei; die andere Hälfte leisteten Stadt, Kreis und die Stiftung der Kreissparkasse Wiedenbrück.

Kommentar

Der seltsame Name des neuen Studienganges – „Digital Management Solutions“ – klingt nicht nur wie eine Aktie aus der Technologie-Börse, es ist im übertragenen Sinn auch eine. Keinesfalls sollten die Firmen jetzt darauf warten, ob das Land die neue Professur vielleicht mitfinanziert, vielleicht aber auch nicht. Die von Stadt und Kreis entwickelte Chance muss unverzüglich am Schopf gepackt und für die ersten fünf Jahre durchfinanziert werden. Aus dem Start mit zwei Klassen in zwei Fächern ist in Gütersloh nach zehn Jahren ein kompletter Campus mit fünf praxisorientierten Bachelor-Studiengängen und 330 Studenten geworden – aufgenommen im Hochschulentwicklungsplan des Landes. Stephan Rechlin

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