CDU-Bürgermeisterkandidatin Anke Theisen setzt auf Empathie und Augenmaß
Mit einem anderen Blick auf Herford

Herford (WB). Wer ist Anke Theisen? Beim Tennismatch für den SuS Bielefeld lag sie vor Jahren mal 3:6, 0:5 und 0:40 zurück. Drei Matchballe für ihre Gegnerin. „Ich hab’ noch nicht aufgegeben“, habe sie ihr, die Bälle übers Netz reichend, gesagt. „Und tatsächlich habe ich noch gewonnen.“

Dienstag, 01.09.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 09:02 Uhr
Der Alte Markt ist einer ihrer Lieblingsorte: „Hier sitze ich regelmäßig und schaue bei einem Cappuccino dem Treiben zu. Das ist für mich Entspannung.“ Anke Theisen (51) ist bei der Kommunalwahl am 13. September CDU-Kandidatin für das Bürgermeisteramt. Foto: Bexte

Aber auch das ist Anke Theisen: „Klar, ich bin in der Politik Seiteneinsteigerin, da hat man am Anfang Defizite. Aber die Details kann man lernen.“ Und auch das ist Anke Theisen: „Zunächst wollte ich keiner Partei beitreten, obwohl ich immer CDU gewählt habe. Ich dachte, dass mich eine Mitgliedschaft vielleicht einengt.“ Mittlerweile gehört sie der Partei an und ist ihr dankbar, dass sie ihre Kandidatin so nimmt, wie sie ist.

In diesen Wochen ist Anke Theisen vor allen Dingen die Bürgermeisteranwärterin. Wer mit ihr spricht, erlebt einen offenen, unverstellten Menschen, der viel von sich erzählt, auch von Fehlern, Versäumnissen und Macken, und der über eine Fähigkeit verfügt, die im Polit-Business eher rar ist: Theisen hört aufmerksam zu, erkundigt sich beim Gegenüber mit ernst gemeinten Fragen nach dessen Leben und Befinden.

Christlich geprägt

„Ich habe einen anderen Blick, weil ich von außen auf Politik und Verwaltung schaue.“ Und der soll ihr helfen, am 13. September Amtsinhaber Tim Kähler abzulösen. Aufgewachsen in einer Pflegefamilie in Stedefreund, weil ihre Mutter chronisch erkrankt ist, wird sie von einem christlichen Zuhause geprägt. Am Friedrichs-Gymnasium macht sie Abitur, unter anderem mit dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Klaus Oehler. „Ich liebe diese Schule“, sagt Anke Theisen mit einem Strahlen in den Augen.

Ebenso ihre Heimat. Trotz Karriere beim Bundeskriminalamt kehrt die heute 51-Jährige immer wieder und letztlich ganz nach Herford zurück. „Ich war als Personenschützerin unter anderem für den damaligen Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt zuständig.“ Reisen nach Afrika, zu Weltwirtschaftsgipfeln in Tokio, Neapel oder Halifax gehören dazu

OWL-Forum „zu teuer“

„Aber ich hatte dann immer Heimweh nach Herford. Eigentlich war ich nie richtig weg“, sagt die Polizeihauptkommissarin, aktueller Dienstort Bünde. Doch was hat die geschiedene Mutter zweier mittlerweile erwachsener Söhne – der ältere, Jonas Spies (23), kandidiert ebenfalls für die CDU – bewogen, das höchste Amt im Rathaus anzustreben? „Letztlich waren es die Pläne für das OWL-Forum.“ Zu groß, zu teuer, findet sie. Mit 100 Millionen Euro – so die veranschlagten Kosten – könne man viele andere Dinge bewegen. „Ähnlich war es schon beim Marta.“ Als damals alleinerziehende Mutter habe sie ganz andere Sorgen gehabt.

Deshalb würde sie als Bürgermeisterin etwa in die Sanierung der Schulen investieren. Aber zu viel mag sie nicht versprechen. „Wir wissen ja noch nicht, wie es mit Corona weitergeht und was das für den städtischen Haushalt bedeutet.“ Nur eines sei schon jetzt sicher: Herford habe die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in der Region.

Dennoch müsse an den richtigen Stellen investiert werden. Die Entwicklung des Bildungscampus’ gehöre dazu. Oder die Radewig: „Am Janup etwa. Ich könnte mir vorstellen, dass dort mit Privatinvestoren ein tolles Umfeld zum Wohnen oder auch ein Ärztehaus entstehen kann.“ Gerade in der Hausarztversorgung sei Herford Schlusslicht – bundesweit.

Ja, die Innenstadt habe ihre schönen Ecken, aber nicht jedes Projekt der jüngeren Vergangenheit sei gelungen. „Den Augustinerplatz finde ich wenig einladend. Den könnte man mit etwas Grün aufwerten.“ Und der Alte Markt? „Er muss mit dem ÖPNV weiter erreichbar bleiben, jedoch mit deutlich weniger Bussen.“

Nein zum Muezzinruf

Ein noch viel umstritteneres Thema ist der freitägliche Muezzinruf an der Moschee, den Bürgermeister Kähler der Ditib-Gemeinde genehmigt hat. Theisen hatte sich in einem Facebook-Post deutlich dagegen ausgesprochen („Wir wollen das nicht.“ ) – und dafür heftige Kritik einstecken müssen. „Ich weiß, dass diese Botschaft sehr zugespitzt war, aber nur so wird man gehört.“ Sie habe letztlich nur ausgesprochen, was viele Menschen dächten.

„Natürlich bekommt man da auch Applaus von Leuten, deren Stimme ich nicht brauche und man wird in die rechte Ecke gedrängt.“ Es gebe aber einen Unterschied zwischen der öffentlichen Resonanz und den privaten Reaktionen. „Sie glauben ja nicht, wie viel Zustimmung ich erhalten habe, auch aus politisch völlig unbedenklichen Lagern.“

Weihnachtsmarkt als Ziel

Corona hat Theisen nicht nur die Chance genommen, als Herausforderin im Wahlkampf auf die Menschen zuzugehen. Sie sorgt sich auch um die von der Krise gebeutelten Herforder: „Wir müssen überlegen, wie wir besonders betroffenen Branchen helfen können. Ich werde alles dafür tun, dass wir in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt haben werden.“

Und welche Chancen rechnet sich Anke Theisen im Rennen um das Bürgermeisteramt aus? „Ich will natürlich gewinnen. Aber ich denke, dass es in die Stichwahl gehen wird.“ Und wenn sie gewinnt? „Dann werde ich in allen Bereichen der Stadtverwaltung hospitieren. Ich will wissen, was die Mitarbeiter umtreibt.“ Die Kommunikation in einem solch großen Gebilde sei maßgeblich für dessen Effizienz und Erfolg. „Die Stimmung im Rathaus muss gut sein.“ Ihr Vorbild dabei ist NRW-Innenminister Herbert Reul, „ein absolut authentischer, den Menschen zugewandter Mann. Ich habe das bei seinen Besuchen selbst erlebt.“

Und so wolle sie auch als Bürgermeisterin wirken: „Ich wäre Vertreterin aller Bürger, nicht nur derer, die mich gewählt haben.“

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