Bernhard Riedl (Die Partei) kandidiert für das Landratsamt im Kreis Herford
Der Spaß hält sich an Grenzen

Herford (HK). Sobald Bernhard Riedl Landrat ist, wird er zuerst alle Wahlversprechen innerhalb der ersten drei Tage brechen und anschließend auflisten, wer ihn alles bestechen möchte, weil er irgendwelche spezielle Interessen verfolgt. OK. Spaß. Nur ein Witz. Riedl kandidiert schließlich für „Die Partei“, die 2004 vom Kabarettisten Martin Sonneborn gegründete Satirepartei.

Montag, 17.08.2020, 05:20 Uhr
Christina Meyer aus Enger kandidiert für den Kreistag, Bernhard Riedl aus Löhne für das Landratsamt im Kreis Herford. Obwohl die beiden der Satirepartei „Die Partei“ angehören, sind diese Wahlziele ernst gemeint. Foto: Stephan Rechlin

Doch seine Kandidatur ist ernst gemeint. Einen Herforder Kreisverband „der Partei“ gibt es seit Mai. Es ist nach 2011 der zweite Versuch, kommunalpolitisches Kabarett in konkrete Mitarbeit umzuwandeln. Der in Löhne lebende Riedl ist Heilerzieher am Wittekindshof, kirchlich engagiert, Vater von vier Kindern und Herrchen von Snoopy, einem Labrador. Mit seinem Beruf ist Riedl typisch für die Zusammensetzung „der Partei“ im Kreis Herford: „Gut 30 bis 40 Prozent unserer 30 Mitglieder stammen aus sozialen Berufen, viele arbeiten mit behinderten Menschen.“

Alles Kreiswahlbezirke besetzt

In sämtlichen 25 Kreiswahlbezirken trete „die Partei“ mit einem Kandidaten an. Der von Martin Sonneborn auf die Spitze getriebene Ulk soll im Kreis Herford kein Selbstzweck sein, sondern einem gemeinsamen Ziel dienen. Christina Meyer aus Enger, Spitzenkandidatin für den Kreistag: „Mit unserer Satire zielen wir gegen rechte Parolen. Die in der Corona-Zeit noch gewachsene Aggression und Gewalt in der Sprache macht uns, die wir täglich mit körperlich und geistig behinderten Menschen arbeiten, einfach fassungslos.“ Die Leute, die solche Parolen verbreiteten, könnten sie nicht mehr Ernst nehmen: „Darum machen wir sie lächerlich.“

Das Programm zur Kommunalwahl spiegelt den Mix aus Jux und Ernst wider. Weil der Kreis Herford gar nicht rund sei, solle er künftig Vieleck Herford heißen. Weil sie als neue Partei antritt fordert „die Partei“ einen fünf Prozent hohen Eintrittsbonus beim Wahlergebnis. Sobald sie im Kreistag vertreten sind, wollen sie sich für die Verleihung eines Kleingeistordens für überflüssige Redebeiträge und Anträge einsetzen. Soweit der Jux. Die Förderung regionaler Produkte und bestmögliche Tierhaltung meinen die Mitglieder jedoch wirklich so. Meyer: „Wir alle reagieren entsetzt über die täglichen Meldungen unsäglicher Tiertransporte und Missstände in der Tierhaltung. Gesunde Lebensmittel auf unseren Teller ist der Wunsch vieler. Deshalb fordern wir, unsere regionalen Erzeuger zu unterstützen.“

Förderung von Dorfläden

Dazu passt die geforderte Förderung von Dorfläden. Der ÖPNV wiederum sei nur dann als ökologisches Massenverkehrsmittel durchsetzbar, wenn auf Fahrpreise verzichtet werde. Ein Witz? Riedl: „Oh nein. Wenn gratis gefahren werden kann, steigen mehr Leute in den Bus und die Fahrzeiten können besser getaktet werden. Im Augenblick ist das im Kreis Herford doch völlig unattraktiv.“ Luxemburg, Monheim, Augsburg, Pfaffenhofen und Tallin – überall dort gebe es bereits Verkehrskonzepte, die einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr setzen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7537142?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Laschet für Entscheidung über K-Frage noch am Abend
Armin Laschet (l) und Markus Söder wollen beide Kanzlerkandidat der Union werden.
Nachrichten-Ticker