110 Container am RGH erst ab Januar nutzbar – Brandschutzauflagen nicht erfüllt
Stadt trennt sich von Containerlieferant

Herford (WB). Nein, die Baumaßnahmen am Ravensberger Gymnasium (RGH) und alle Interimslösungen, die damit zusammenhängen, stehen unter keinem guten Stern. Erst wird bei Sanierungsarbeiten am naturwissenschaftlichen Trakt so gearbeitet, dass anschließend der Brandschutz nicht mehr gewährleistet ist und das Gebäude abgerissen werden muss. Dann lassen im vergangenen Jahr die bestellten Fachklassen-Container über Monate auf sich warten. Und jetzt kündigt die Stadt den Vertrag mit einem Container-Lieferanten, weil die 110 bestellten Container, die geliefert werden sollten, die Brandschutzauflagen nicht erfüllt hätten.

Mittwoch, 12.08.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 06:01 Uhr
Eigentlich sollten die Schülerinnen und Schüler des Ravensberger Gymnasiums nach den Herbstferien die neuen Klassencontainer beziehen. Doch weil die Stadt den Vertrag mit dem Containerlieferanten aufgelöst hat, können sie erst ab Januar genutzt werden. Foto: Peter Monke

Die Stadt, beziehungsweise der zuständige Immobilien- und Abwasserbetrieb, hat bereits einen neuen Lieferanten für die Klassencontainer gefunden. Allerdings hat der Wechsel folgen: Die Containeranlage kann durch den Lieferantenwechsel erst in den Winterferien bezogen werden. Ursprünglich war dies für die Herbstferien vorgesehen.

„Sicherheit vor Schnelligkeit“

Aber Bürgermeister Tim Kähler stellt zugleich klar: „Beim Thema Brandschutz gibt es kein Pardon. Die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer ist ausschlaggebend und geht eindeutig vor Schnelligkeit.“ Der geplante Neubau selbst werde sich durch den Wechsel der Containerlieferanten nicht verzögern.

Die Vertragsauflösung mit dem bisherigen Lieferanten sei einvernehmlich geschehen. Für die Stadt sei kein finanzieller Schaden entstanden, heißt es aus dem Rathaus. Beim neuen Lieferanten handelt es sich offenbar um dieselbe Firma, die bereits im vergangenen Jahr die etwa 100 Container an die Werrestraße geliefert hatte. Diese soll in der Lage sein, die erforderlichen Brandschutznachweise zu erbringen. Die 110 neuen Container sollen auf einer bereits hergerichteten Fläche auf der Werre­straße aufgebaut werden.

Umzug in alte Hauptschule

Der Fachklassentrakt wird neu gebaut, andere Teile der Schule sollen umgebaut werden. Voraussichtliche Kosten: etwa 30 Millionen Euro. Im Rahmen der geplanten Schulsanierung muss die Schule geräumt werden. Die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 8. Klassen werden ab heute, 12. August, in der ehemaligen Hauptschule Meierfeld untergebracht. Die übrigen Klassen ziehen später in die 110 Container, die jetzt geliefert werden sollen.

Kosten von 1,5 Millionen Euro

Der Schulumbau werde durch den Wechsel der Containerlieferanten nicht tangiert, sagte Bürgermeister Kähler gestern. Im Gesamtprojekt würden keine nennenswerten Verschiebungen entstehen. Im Laufe des Jahres 2022 soll nach den Worten des Beigeordneten Dr. Peter Böhm die Schulsanierung abgeschlossen sein. Die Kosten für die Container (Aufbau und Miete) liegen nach Angaben der Stadt bei rund 1,5 Millionen Euro. Gerüchten zu Folge sollen die Kosten damit etwas über dem bisherigen Plan liegen.

Für die fehlerhafte Sanierung des naturwissenschaftlichen Traktes konnte die Stadt Herford niemanden in Regress nehmen. Ein Gutachten war unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass an dem Gebäude aus dem Jahr 1958 zu verschiedenen Zeiten Sanierungsarbeiten vorgenommen worden sind. Dabei seien bereits die brandschutztechnischen Aspekte nicht immer berücksichtigt worden. Mit anderen Worten: Ob ausschließlich die fehlerhaften Sanierungsarbeiten aus den Jahren 2015 bis 2018 dazu geführt haben, dass der Brandschutz in dem Schultrakt nicht mehr gewährleistet war, konnte nicht mit letzter Gewissheit geklärt werden. Deshalb hat die Stadt von einer Klage abgesehen.

Kommentar

Für Bürgermeister Tim Kähler kommt das Container-Dilemma am Ravensberger Gymnasium zur Unzeit. Gut vier Wochen vor der Kommunalwahl ist das Wirrwarr um die Container ein willkommenes Thema für die CDU. Von Pleiten, Pech und Pannen war bereits die Sanierung des Fachtraktes am RGH begleitet. Weil die für den Brandschutz notwendige Decke bei Sanierungsarbeiten zerstört worden ist, wurde aus einer Modernisierung für 1,5 Millionen Euro plötzlich ein notwendiger Abriss und Neubau, der die Stadt am Ende 30 Millionen Euro kosten dürfte. Als dann im vergangenen Jahr nach den Sommerferien nicht wie vereinbart die Fachklassen-Container geliefert worden sind, sondern erst im Herbst, hatte die CDU schon einmal um Akteneinsicht gebeten und das Verfahren kritisiert. Regressforderungen waren vertraglich nicht vorgesehen. Nachdem im Sommer auch eine Baupanne am Königin-Mathilde-Gymnasium öffentlich wurde, sprach die CDU von einer „Kette gravierender Fehler“. Seit gestern nun ist bekannt, dass die neuen Container erst im Januar bezogen werden können. Das ist ein Dilemma für die Schule – und ein Wahlkampfthema für die CDU. Ralf Meistes

 

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