Nach langer Pause probt die NWD für Sonderaufführungen – Saison mit Doppelkonzerten
Das erste Konzert

Herford (WB). Auf die coronabedingte Pause folgt eine arbeitsame Saison der Zweifach-Konzerte. Denn um dem Bedarf der Abonnenten zu entsprechen, werden die NWD-Musiker in den meisten Kommunen an einem Abend gleich zwei Konzerte geben – so auch in Herford.

Mittwoch, 12.08.2020, 05:41 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 05:51 Uhr
Frank Beermann dirigiert die auf den Studiosaal verteilten Musiker. Am morgigen Donnerstag findet im Schützenhof das erste Konzert seit März statt. Foto: Horstmann

Auf der Trompete ein Strumpf

Um der Sicherheit der Besucher willen nehmen die NWD-Verantwortlichen nicht jeden möglichen Platz in Beschlag. Man gehe in Herford von 300 Zuhörern aus, sagt Friedrich Luchterhandt, Künstlerischer Betriebsdirektor. Dabei passen mehr als 850 Besucher in den Schützenhof-Saal.

Ob alles wie geplant funktioniert, wird sich am morgigen Donnerstag zeigen. Denn dann gibt die NWD das erste von drei Sonderkonzerten, die sich vor allem an Abonnenten und NWD-Freunde richten. Karten seien nicht mehr erhältlich, so Luchterhandt.

Doch bevor Mozarts Jupiter-Sinfonie und Beethovens Siebte erklingen, stehen erst einmal Proben an. Lange Zeit war gemeinsames Musizieren unmöglich – und auch jetzt tragen die Proben noch den Stempel von Corona. Die Bläser sitzen hinter einer Plexiglaswand – auf der Trompete ein Strumpf, um zu verhindern, dass aus dem Schalltrichter Tröpfchen heraustreten. Und dann noch der Abstand der Musiker untereinander, der größer ist als sonst.

Hinzu kommen die große Hitze und die Auflage, ohne Pause zu proben – denn in der Kantine gibt es nicht genügend Platz für die Musiker. Nach einer Stunde ist Dirigent Frank Beermann von dem Zusammenspiel von Hitze und Anstrengung sichtbar gezeichnet – beim ersten Konzert nach der langen Zwangspause soll alles passen.

 

„Schlecht bezahlte Auszeit”

Für den in Berlin lebenden Dirigenten, der mit der NWD nicht zuletzt durch die Mindener Wagner-Aufführungen eng verbunden ist, bedeuten die drei Konzerte etwas ganz Besonderes. Seit dem 5. März hat er nicht mehr dirigiert – und es sieht so aus, als wenn in diesem Jahr kein Engagement mehr hinzukäme.

Doch Beermann will nicht jammern. Er spricht von einer „schlecht bezahlten Auszeit, die aber okay sei“. Er hofft, dass es im Januar wieder losgeht, und versucht der Pause auch etwas Positives abzugewinnen. So hat er sich pro Tag einen Film aus der 100 Titel umfassenden SZ-Cinemathek angeschaut. Doch jetzt ist nicht der Filmkenner, sondern der Dirigent gefragt. Dass er seine sichere Leiterstelle in Chemnitz vor Jahren aufgegeben hat, bereut Beermann trotz der aktuellen finanziellen Lage nicht: „Den Wahnsinn zu verwalten? Ich bin froh, dass ich das nicht machen muss.“

Keine 100-Prozent-Lösung

Er hat nicht nur Respekt vor dem Orchester, sondern auch vor der Leistung der NWD-Verantwortlichen. Friedrich Luchterhandt nimmt dies mit Genugtuung zur Kenntnis. Denn die Situation ist nicht einfach, eine 100-Prozent-Lösung gibt es nicht. Wenn die Sitzplatzvergabe namentlich nachvollziehbar ist, dürfte nach der aktuellen Regelung jeder Platz besetzt werden.

Doch der Geschäftsführer kennt auch die Sorgen der Abonnenten. In Rücksprache mit dem Gesundheitsamt entstand der 300-Personen-Vorschlag. Um alle Abonnenten zu bedienen, sollen an einem Abend zwei kürzere Konzerte (etwa 75 Minuten) ohne Pause gespielt werden. Die Anfangszeiten stehen noch nicht fest.

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