Ausstellung über Trauertattoos in dieser Woche bei „Bestattungen Richter“
Wenn der Tod unter die Haut geht

Herford (WB). „Ich bin immer bei euch“ lautet der letzte Satz eines Abschiedsbriefes. Die Mutter, deren Sohn aus dem Leben schied, hat sich die letzten Worte eintätowieren lassen – zu sehen in einer Ausstellung bei „Richter Bestattungen“ am Gänsemarkt.

Montag, 10.08.2020, 17:29 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 19:38 Uhr
Dirk Richter neben zwei Tafeln der Ausstellung: Viele der Tattoos stammen von Müttern, die um ihre Kinder trauern. Die eintätowierte Verbundenheit mit dem Toten drückt auch aus, dass dieser immer einen Platz im Leben behalten wird. Foto: Hartmut Horstmann

Herzschlagkurven

„Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ heißt die Präsentation, die in den Räumen des Bestatters bis zum 16. August täglich von 13 bis 17 Uhr zu sehen ist. Initiator der Wanderausstellung ist der Bundesverband verwaister Eltern und trauernder Geschwister – und tatsächlich ist der Anteil der Eltern, die die über den Tod hinausgehende Verbindung mit ihrem Kind unter der Haut tragen, in der Ausstellung groß.

Für den Bestatter Dirk Richter gehört der Umgang mit Trauer sozusagen zum Geschäft – und er kennt auch aus dem Kreis Herford Menschen, die sich die Erinnerung an ihre Liebsten haben eintätowieren lassen. So habe sich jemand an ihn mit der Frage gewandt, ob er nicht die letzten Herzschlagkurven des Vaters aus dem Krankenhaus besorgen könne. Hieraus sollte ein Tattoo entstehen, erinnert sich Richter.

Familiengeschichten

Seit elf Jahren arbeitet der 54-Jährige im familiären Bestattungsunternehmen, dessen Hauptgeschäft in Enger ist. Seit anderthalb Jahren gibt es eine Zweigstelle am Gänsemarkt, die vor zwei Monaten in neue Räume gezogen ist. Diese Räumlichkeiten ermöglichen von der Größe her auch Ausstellungen oder zum Beispiel Lesungen, sagt Dirk Richter. „Trauertattoo“ macht den Anfang.

Ausgangspunkt war der Aufruf einer Fotografin und einer Trauerbegleiterin. Mehr als 100 Trauertätowierte meldeten sich und erzählten ihre Geschichten. So zum Beispiel die der Mutter, die sich zwei Schmetterlinge auf den Arm hat tätowieren lassen – als Erinnerung an ihren Sohn.

Oder jene Mutter, die nicht nur den Kopf des Sohnes und seinen Abschiedssatz, sondern auch zwei Herzen auf dem linken Oberarm trägt. Das andere Herz ist für die Schwester des Verstorbenen. Tattoos erzählen so oft Familiengeschichten, Geschichten von Trauer, Bewältigung und Liebe. Eine Mutter begründet die Entscheidung für ein Tattoo nach dem Tod ihres Sohnes wie folgt: „Ich wollte etwas, was ich immer bei mir trage.“

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Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt?

Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter www.telefonseelsorge.de

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/

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