Interview mit Nadine Höner (41), Schulleiterin am Königin-Mathilde-Gymnasium
Unterricht mit Mundschutz – geht das?

Herford (WB). Eigentlich wird die Begrüßung der Fünftklässler am Königin-Mathilde-Gymnasium (KMG) immer feierlich begangen. Doch aufgrund der Corona-Pandemie wird sie zu Beginn dieses Schuljahres eher kurz und weniger feierlich ausfallen. Auch ansonsten müssen Schulleiterin Nadine Höner (41) und ihr Team kurz vor dem Schulstart eine Menge beachten. Der Regelbetrieb in Schulen zu Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung. Das wurde im Gespräch mit HK-Redaktionsleiter Ralf Meistes deutlich.

Samstag, 08.08.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 05:50 Uhr
Schulleiterin Nadine Höner (41) sitzt auf dem Schulhof im „Grünen Klassenzimmer“. Für den Schulstart am kommenden Mittwoch sieht sie ihre Schule gut gerüstet. Foto: Ralf Meistes

 

Frau Höner, für die 900 Schülerinnen und Schüler am KMG heißt es ab Mittwoch, Masken anbehalten im Klassenraum. Schon gibt es besorgte Eltern, die fragen, wie das gehen soll angesichts der heißen Temperaturen, die wir derzeit haben.

Nadine Höner: Die Maskenpflicht gilt ja zunächst bis zum 31. August. Auch ich habe die Sorge, dass es aufgrund der hohen Temperaturen bei dem einen oder anderen Schüler, der einen Mundschutz trägt, zu Kreislaufproblemen kommen kann. Deshalb werden die Lehrer*Innen bei Bedarf zusätzliche Lüftungs- und Bewegungspausen ermöglichen. Wir sind ausdrücklich von der Bezirksregierung aufgefordert worden, zu melden, wie praktikabel die Mundschutzpflicht im Klassenraum ist.

 

Apropos Stoßlüften, es ist immer wieder die Rede davon, dass dies nicht in allen Klassenräumen möglich ist, weil die Fenster sich zum Teil nur auf Kipp öffnen lassen.

Höner: Das ist an unserer Schule glücklicherweise nicht der Fall. Wir können in jedem Klassenzimmer die Fenster öffnen. Als besonderes Angebot haben wir natürlich auch noch das grüne Klassenzimmer. Aber der überdachte Bereich auf dem Schulhof bietet nur Platz für eine Klasse.

 

Haben Sie außerhalb des Klassenraums – beispielsweise auf dem Schulhof – auch besondere Regeln aufgestellt?

Höner: Den Schulhof haben wir räumlich so aufgeteilt, dass sich beispielsweise die 5. und 6. Klassen in einem Bereich aufhalten, die Oberstufe in einem anderen. Im Gebäude selbst sind die Schüler*Innen schon seit Beginn des Präsenzunterrichts im letzten Schuljahr daran gewöhnt, möglichst rechts zu laufen und Abstand zu halten.

 

Sie empfangen in der kommenden Woche auch die neuen Fünftklässler. Eigentlich werden die Schülerinnen und Schüler immer mit einer Feier begrüßt. Wie verläuft die Feier in Corona-Zeiten?

Höner: Leider können wir nicht – wie in den Vorjahren – alle 5. Klassen gemeinsam begrüßen. Stattdessen wird jede Klasse individuell empfangen. Auch wenn der sonst übliche Plausch bei einem Glas O-Saft entfallen muss, glaube ich doch, dass es uns gelingen wird, unseren neuen Fünftklässlern und ihren Eltern einen würdigen Empfang zu bereiten.

 

Die Schülerinnen und Schüler sind angehalten, mehr als eine Maske mit zur Schule zu bringen. Wie wollen Sie das kontrollieren?

Höner: Zunächst einmal liegt dies ja in der Verantwortung der Schülerinnen und Schüler beziehungsweise deren Eltern. Das können wir im Einzelnen auch gar nicht kontrollieren. Insgesamt muss man sagen, dass der Infektionsschutz am besten funktioniert, wenn alle daran mitarbeiten.

 

Sportunterricht in der Halle ist nicht möglich. Findet der Sportunterricht überhaupt statt?

Höner: Ja, wir werden die Außenbereiche nutzen. Dazu zählt auch der Langenberg. Die Regelung gilt zunächst bis zum Herbst. Natürlich müssen wir neu überlegen, wenn es regnet. Es gibt zwei Räume, in denen auch mal Sport-Theorie vermittelt werden kann. Aber das ist natürlich kein adäquater Sportunterricht.

 

Um das Risiko, sich anzustecken, zu senken, können Schulen auch entscheiden, den Unterricht zeitlich versetzt beginnen zu lassen. Haben Sie das am Königin-Mathilde-Gymnasium ebenfalls vor?

Höner: Wir haben uns in Absprache mit dem Schulträger dagegen entschieden. Das wäre mit Blick auf die Hol- und Bringsituation zu schwierig geworden. Zu uns kommen ja auch Schülerinnen und Schüler aus Vlotho oder Bad Salzuflen mit dem Bus. Deshalb halten wir an den Schulzeiten fest, die auch vor Ausbruch der Pandemie galten.

 

Was passiert eigentlich, wenn bei Ihnen ein Schüler während des Unterrichts Husten und Fieber bekommt?

Höner: Diesen Schüler müsste ich umgehend separieren und abholen lassen. Zudem wird in einem solchen Fall das Kreisgesundheitsamt informiert, welches über weitere Maßnahmen entscheidet.

 

Gibt es an ihrer Schule Lehrer, die aufgrund von Vorerkrankungen in Corona-Zeiten keinen Präsenzunterricht geben dürfen?

Höner: Ja, die haben wir. Aber die Zahl der Lehrkräfte, die uns aus diesem Grund in der Schule fehlen, ist sehr gering.

 

In Zeiten, in denen die Schule geschlossen war, hatte man den Eindruck, dass Schüler, aber auch Eltern noch einmal bewusst geworden ist, wie wichtig die Arbeit ist, die in Schulen geleistet wird. Hatten Sie auch diesen Eindruck?

Höner: Ja, und ich hoffe, dass die Erinnerung daran noch etwas erhalten bleibt. Unseren Schülerinnen und Schülern ist noch einmal deutlich geworden, wie wichtig die sozialen Kontakte auch hier an der Schule sind. Von vielen Eltern haben wir zudem die Rückmeldung erhalten, dass der “echte”, lebendige Unterricht nicht ersetzbar ist und die Schule eben für einen regelmäßigen Tagesablauf sorgt. Hier leisten unsere Kollegen meiner Meinung nach einen wertvollen Beitrag.

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