Verwaltung äußert sich erstmals nach Krebsfund in Stedefreund – Anwohner widersprechen
Stadt sieht vorerst kein Artenschutzproblem

Herford (WB). Durch den Fund zweier geschützter Edelkrebse in Stedefreund rechnet die Stadt offenbar nicht mit Folgen für das in der Nähe geplante Neubaugebiet. Gegenüber dieser Zeitung hat sich die Verwaltung erstmals ausführlich geäußert.

Donnerstag, 06.08.2020, 05:29 Uhr
Zwei dieser geschützten Edelkrebse waren im Mühlenteich gefunden worden. Foto: WB

Der Mühlenteich, in dem die Krebse gefunden wurden, sei 600 Meter entfernt von der geplanten Einleitungsstelle des Oberflächenwassers aus dem Neubaugebiet in die Holtbeke, erklärt Maike Wöhler, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Grünflächen und Geodaten, auf Anfrage. „Bei einer so langen freien Fließstrecke kann von einer erheblichen Verminderung biologisch abbaubarer Substanzen ausgegangen werden.“ Eine Verschlechterung des Teichgewässers sei laut Gutachter „nicht wahrscheinlich“.

Bekanntlich hatte die Stadt vor einem Jahr im Rahmen der Artenschutzrechtlichen Prüfung zum Bebauungsplan einen Sachverständigen mit der Untersuchung des Ober- und Unterlaufs der dort fließenden Holtbeke beauftragt. Er hat nach dem jüngsten Krebsfund jetzt erneut eine Stellungnahme abgegeben.

Rohre verbinden Teich und Bach

Seine Aufgabe sei es gewesen, das Vorkommen des Edelkrebses an der künftigen Einlaufstelle des geplanten Regenrückhaltebeckens zu untersuchen. Er habe nicht das Edelkrebsvorkommen in der gesamten Holtbeke und der angrenzenden Gewässer ermitteln sollen, teilt Wöhler mit. Warum nicht, bleibt offen. Wie berichtet hatte auf Initiative des BUND ein Mitarbeiter des Umweltzentrums Heerser Mühle (Bad Salzuflen) Mitte Juli zwei Edelkrebse im Stedefreunder Mühlenteich auf dem Grundstück der Anwohner Anne und Egon Stranghöner entdeckt. Der Teich ist durch zwei Rohre mit der Holtbeke verbunden und wird von ihr bei stärkerem Niederschlag auch direkt gespeist.

Die beiden 2019 untersuchten Bereiche – insgesamt 890 Meter – seien aufgrund einer Expertise im Jahr 2012 festgelegt worden. Damals hatte ein Experte wenige der bedrohten Krebse im Unterlauf der Holtbeke in der Nähe des Bahndamms kurz vor der Aa gefunden. Im vergangenen Jahr hatte dann Fischereisachverständiger Jonas Rose aus Melle 28 Reusen in Ober- und Unterlauf der Holtbeke gehängt. Dieses Vorgehen sei mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises abgestimmt worden, erklärt Wöhler. Es wurden keine Edelkrebsexemplare gefunden.

„Das ist kein Stillgewässer“

Der Mühlenteich sei nicht untersucht worden, „da es sich um ein Privatgewässer und Stillgewässer handelt und es keinen oberirdischen Zulauf von der Holtbeke in den Teich gibt“. Eigentümer Egon Stranghöner sieht das anders: „Das ist kein Stillgewässer.“ Früher sei die Holtbeke direkt in den Teich geflossen. Damit dieser nicht verschlamme, habe ihm die Untere Naturschutzbehörde geraten, den Zulauf durch einen mit zwei Rohren versehenen Damm zu regeln. „Bei Hochwasser, das viel Schlamm mit sich bringt, drehe ich die Rohre nach oben“, sagt Stranghöner. Ansonsten gebe es aber einen regelmäßigen Wasseraustausch mit der Holtbeke. Häufig werde der künstliche Damm auch überflutet.

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises wird nun auf Grundlage der erneuten Stellungnahme des Sachverständigen eine Einschätzung abgeben. „Letztlich entscheidet aber die Stadt“, sagt Karl-Heinz Diekmann vom Kreisumweltamt. Dem Artenschutz komme jedoch ein besonderes Gewicht zu. Der BUND bewertet das Vorgehen der Stadt weiter kritisch. Da sich möglicherweise an der geplanten Einleitungsstelle des Oberflächenwassers in die Holtbeke eine Quelle befindet, könnte es weitere Einwendungen geben. „Flora und Fauna sind in diesen Bereichen besonders geschützt“, sagt Gerd Teuteberg-Pehle vom BUND. Eine Ortsbegehung sollte darüber gestern Abend Aufschluss geben.

Kommentare

Wayne  wrote: 06.08.2020 20:07
Wenn vorher nichts festgestellt wurde, woher kommen die Edelkrebse plötzlich her ?
Wer kann mir garantieren, dass diese Edelkrebse nicht von Anwohner bzw. Gegnern des Baugebiets, dorthin gebracht wurden um das Baugebiet zu verhindern ? Und alles landet plötzlich in der Zeitung/ Presse um auf die Stadt Druck auszuüben. Ich möchte und werde dort trotzdem ein Grundstück kaufen und bauen. Basta!
Klaus P.  wrote: 06.08.2020 20:03
Herford braucht dringend Baugebiete / Bauland
Es ist in Herford und Kreis Herford ein riesen Mangel an Bauland!
Es müssen Zeitnah neue Baugebiete geschaffen werden.
Würde sehr gerne in Stedefreund ein Grundstück kaufen und bauen.
Total 2 comments
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