72 weitere Beschäftigte des Dienstleisters Archimedes bangen aber um ihren Job
38 Mitarbeiter kehren zu WWN zurück

Herford (WB). Zumindest 38 der 110 Beschäftigten beim Gebäudedienstleister Archimedes Facility Management scheinen beruflich abgesichert. Sie sind frühere Mitarbeiter der Westfalen Weser Netz (WWN). Und alle wollen jetzt von ihrem Rückkehrrecht zum kommunalen Netzbetreiber Gebrauch machen. Das hat WWN am Dienstag nach einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt.

Dienstag, 04.08.2020, 18:45 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 18:50 Uhr
Der Sitz der Westfalen Weser Energie an der Bielefelder Straße: Für das Gebäudemanagement war das Herforder Unternehmen Archimedes Facility Management zuständig. Im Streit um angeblich intransparente Rechnungen kam es zur Vertragskündigung. Foto: Peter Monke

Hintergrund: Das kommunale Unternehmen mit Hauptsitzen in Paderborn und Herford hatte im Mai den eigentlich bis Ende 2025 laufenden Vertrag mit Archimedes fristlos gekündigt – wegen angeblich intransparenter Rechnungen und vertragswidrigen Verhaltens. Damit wurden die Mitarbeiter der Archimedes-Gebäudesparte praktisch beschäftigungslos. WWN hatte 2005 beim Übergang von Teilbereichen und Aufgaben zum Privatunternehmen Archimedes bisherigen WWN-Mitarbeitern jedoch ein Rückkehrrecht eingeräumt.

Alle machen Übernahmeanspruch geltend

Nun „haben alle 38 Mitarbeitenden einen entsprechenden Übernahmeanspruch gegenüber WWN geltend gemacht“, teilte der Netzbetreiber am Dienstag mit. „Eine Einigung zwischen den Mitarbeitenden und deren jetzigen Arbeitgeber Archimedes vorausgesetzt, streben wir eine Wiederanstellung bei der WWN noch im Oktober an, soweit kein Übergang zum externen Dienstleister in Betracht kommt.“

Das bedeutet, dass WWN jetzt genau schaut, welcher Beschäftigte in welche Abteilung des Unternehmens integriert oder an einen auswärtigen Dienstleister vermittelt werden kann, „Das geschähe dann zu gleichen Konditionen“, betonte WWN-Sprecherin Angelika Schomberg. Die Mitarbeitenden sollen bereits bis Ende August ein Vertragsangebot erhalten. Im September seien Einzelgespräche mit den Mitarbeitern geplant. Danach hätten sie eine Woche Bedenkzeit

Wie berichtet, ist die Vertragskündigung seitens des Netzbetreibers WWN mittlerweile in eine Auskunftsklage gegen Archimedes vor dem Landgericht Paderborn gemündet. WWN will wissen, welche Leistungen zu welchem Zeitpunkt abgerechnet wurden, um gegebenenfalls Schadenersatz fordern zu können. Der Streitwert wurde zunächst auf 300.000 Euro festgelegt. Ein Termin steht nach WWN-Angaben noch nicht fest.

Verhandlung über Sozialplan

Archimedes hatte sich seit 2005 quasi wie ein Hausmeisterservice um die 150 eigenen und gemieteten WWN-Immobilien gekümmert, darunter auch das repräsentative Gebäude an der Bielefelder Straße. Über die Westfalen-Weser-Energie ist die städtische HVV zweitgrößter Gesellschafter der WWN (19,51 Prozent).

Doch was geschieht mit den übrigen 72 Beschäftigten des Archimedes Facility Managements? Betriebsratsvorsitzender Jürgen Beinke hatte vor drei Wochen seine Sorge geäußert, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde. „Wir verhandeln jetzt mit der Geschäftsführung über einen Sozialplan oder einen Interessenausgleich“, sagte er am Dienstag. Möglicherweise werde eine Transfergesellschaft gegründet. Von der Archimedes-Geschäftsführung war keine Stellungnahme zu erhalten.

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