Die künftige Verkehrspolitik spielt in den Wahlprogrammen eine wichtige Rolle
Wie viel Autoverkehr soll es sein?

Herford (WB). Die Zahl der Menschen, die täglich Herford verlassen um zur Arbeit zu gelangen ist hoch. Die Zahl derer, die nach Herford kommen, um zu arbeiten, sogar noch höher. Das sorgt täglich für viel Verkehr auf den Straßen. Dennoch wollen die Grünen und die Linken, dass Herfords Hauptverkehrsachsen, die Mindener Straße sowie die Berliner Straße, nur noch jeweils eine Fahrspur in beide Richtungen für den Autoverkehr erhält. Die CDU ist strikt dagegen. Bürgermeister Tim Kähler will erst genauere Daten haben, ehe ein umfassendes Verkehrskonzept für die Stadt verabschiedet wird.

Dienstag, 04.08.2020, 05:59 Uhr
Noch gibt es vier Spuren auf der Berliner Straße. Grüne und Linke wollen, dass die Autos künftig nur noch eine Fahrspur pro Richtung erhalten. Es soll mehr Platz für Radfahrer geschaffen werden. Foto: Ralf Meistes

Jede Partei beziehungsweise Gruppierung, die sich am 13. September zur Wahl stellt, um in den Stadtrat einzuziehen, hat das Thema Verkehr in ihrem Wahlprogramm. Das HERFORDER KREISBLATT hat die wichtigsten Standpunkte aus den Parteiprogrammen einmal zusammengefasst.

CDU: Die CDU will an der jetzigen Situation an der Mindener Straße festhalten. Das heißt, es soll bei zwei Fahrspuren in jede Richtung bleiben. „Wenn wir unsere schöne Altstadt weiter lebendig halten wollen, müssen wir die Erreichbarkeit für alle Generationen und damit auch für den Individualverkehr mit dem eigenen Auto zulassen“, heißt es im Wahlprogramm der Union. Es hätte für den Verkehrsfluss fatale Folgen, wenn die am stärksten frequentierten Straßen wie die Mindener Straße oder der Innenstadtring zurückgebaut würde. „Ein Verkehrschaos, wenn Berufstätige ihre Arbeitsstätte aufsuchen oder verlassen, wäre das Resultat.“ Die CDU setze sich für moderne nd pragmatische Lösungen ein. Der verkehrspolitische Sprecher, Hans-Henning Warnecke, hatte in der Vergangenheit stets betont, der Radverkehr in Herford mache derzeit 12 Prozent aus. Es sei schon eine Leistung, wenn diese Zahl in den kommenden Jahren verdoppelt werden könnte.

SPD: Im Wahlprogramm der SPD heißt es: „Attraktiver Busverkehr und ein nutzungsfreundliches Preismodell sorgen für eine bessere Luft.“ Autofreie Bereiche machten die Innenstadt zu einem Erlebnis. Aber bevor Entscheidungen in die ein oder andere Richtung getroffen werden, will Bürgermeister Tim Kähler die Verkehrsströme in der Stadt zuvor genau analysieren lassen. Mit Blick auf die Vierspurigkeit auf der Straße Auf der Freiheit betont Kähler: „Aktuell gibt es keinen baulichen Anlass, etwas zu ändern.“ Berufspendlern werde der Umstieg vom Aufo auf den öffentlichen Nahverkehr erleichtert, steht im SPD-Papier geschrieben. Wobei die Zeilen wohl vor der Corona-Pandemie verfasst worden sind. Derzeit erleben Bus und Bahn jedenfalls, dass Kunden weg bleiben, weil sie Angst haben im engen Zugabteil oder in einem voll besetzten Bus sich anzustecken. Und da das Covid-19-Virus nicht von heute auf morgen verschwunden sein wird, müssen die Verantwortlichen schauen, wie sich die Fahrgastzahlen entwickeln.

Bündnis90/Die Grünen: Die Grünen fordern am vehementesten eine Verkehrswende. Eine solche Wende mit deutlich gesteigerten Bahn-/Bus- und Radverkehrsanteilen diene dem Klimaschutz. Bis 2035 wollen eine Halbierung des motorisierten Individualverkehrs in der Innenstadt. Zugleich soll der Radverkehrsanteil in den kommenden fünf Jahren auf 25 Prozent erhöht werden, was eine 100-prozentige Steigerung zum Status quo bedeuten würde. „Dies erfordert eine Umverteilung des Verkehrsraums zugunsten des Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehrs, vor allem durch die Umgestaltung vierspuriger innerstädtischer Straßen“, fordern die Grünen eindeutige Veränderungen an der Mindener Straße und der Berliner Straße/Auf der Freiheit. Zudem sollen jedes Jahr zwei Kilommeter Fahrradstraßen in Herford ausgewiesen werden. Zugleich soll das Parken, auch das Anwohnerparken, teurer werden.

Die Linke: Für die Linke muss sich der Verkehr in Herford in Zukunft an den Fußgängern und Radfahrern orientieren. „Seit Jahrzehnten werden unsere Städte vom Autoverkehr dominiert“, kritisiert die Partei in ihrem Wahlprogramm. Wie die Grünen, so fordert auch die Linke, dass Mindener und Berliner Straße sowie die Straße auf der Freiheit nur noch zwei statt vier Spuren für den Individualverkehr haben sollen. Außerdem soll in der gesamten Innenstadt Tempo 30 gelten.

FDP: Die Einführung des Klimatickets sei ein richtiger Schritt gewesen, sagt die Herforder FDP. Neue Fahrgäste für den ÖPNV sollten jedoch gewonnen werden, in dem es für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten einen kostenfreien Busverkehr in Herford gibt. Der Busbahnhof soll als Alternative zum bisherigen Rendez-vous-Platz Alter Markt entwickelt werden.

Herforder Bürger Bündnis: Eine gute Erreichbarkeit für alle Verkehrsteilnehmer, fordert die unabhängige Wählergemeinschaft Herforder Bürger Bündnis. Die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Einen Rückbau von Parkplätzen lehnt das Bündnis ab. Langfristiges Ziel müsse ein kostenloser ÖPNV sein. Gerade mit Blick auf die erheblichen Pendlerströme lehnt HBB einen Rückbau der innerstädtischen Hauptstraßen ab.

Bürger für Herford (BfH): Sichere Radwege, ohne das Auto aus der Innenstadt zu verbannen fordert die Wählergemeinschaft Bürger für Herford. Außerdem soll es einen Öffentlichen Personennahverkehr geben, den sich alle leisten können.

Liste 2004: Die Liste 2004 äußert sich unter anderem zu den Bussen am Alten Markt. Ein Teil der Bevölkerung störe sich an den Bussen, ein anderer Teil nicht. Bislang habe man keine überzeugende gutachterliche Alternative gesehen. Ablehnend äußern sich die Wählergemeinschaft zum Rückbau der Mindener Straße.

Die Partei: Die Partei fordert ein Konzept, um mittelfristig einen kostenlosen ÖPNV zu erreichen.

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