Liberale sehen in der Herforder Baumschutzsatzung den Grund für viele verfrühte Fällungen
FDP will Bäume wachsen lassen

Herford (WB). Für eine Abschaffung der Baumschutzsatzung sprechen sich die Freien Demokraten in Herford aus. Doch nicht etwa, um besser Bäume fällen zu können sondern im Gegenteil: um Bäume besser zu schützen.

Montag, 03.08.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 16:40 Uhr
Erst wenn ein Baum richtig groß werden darf, kann er viel Schatten spenden, das Stadtklima kühlen oder Geräusche dämpfen. Doch in Herford werden viele Bäume vorschnell gefällt, um nicht unter die Baumschutzsatzung zu fallen. Das meinen jedenfalls die Freien Demokraten und fordern deshalb eine Abschaffung der aus ihrer Sicht veralteten Vorschriften. Foto: dpa

Was zunächst widersprüchlich klingt, erläutern die Liberalen in einer Pressemitteilung wie folgt: Problematisch sei grundsätzlich, dass ein Baum unter die Baumschutzsatzung falle, sobald sein Stamm einen Umfang von 110 Zentimetern oder einen Durchmesser von 35 Zentimetern habe. Denn ab diesen Zeitpunkt darf er nicht ohne behördliche Genehmigung gefällt werden.

Störe ein solcher Baum den Eigentümer oder die Verwaltung, müsse stets ein Grund gefunden werden, der eine Ausnahme vom Schutz nach Satzung rechtfertige. Wer diesem Problem aus dem Weg gehen wolle, fälle daher einen Baum, bevor er unter die Baumschutzsatzung fällt, argumentiert die FDP.

Wichtig fürs Stadtklima

Und so würden die meisten Bäume gar nicht erst groß genug werden, um ihre vielen wunderbaren Eigenschaften vollends zur Geltung zu bringen. Denn schließlich seien alte Bäume in der Stadtlandschaft nicht nur ein optisches Schmuckstück, sondern auch für das Stadtklima wichtig.

Bäume würden im Sommer wohltuenden Schatten spenden, die Luft abkühlen und Geräusche dämpfen. Dass mit dem Wachstum der Pflanzen auch deren Fähigkeiten wüchsen, werde beim Schattenwurf besonders eindrücklich: „Dass ein großer Baum mehr davon schafft als ein kleiner, leuchtet sicherlich ein“, heißt es von Seiten der FDP.

Im Jahr 2017 seien von 65 Bäumen, für die ein Antrag auf Fällung gestellt wurde, 53 beseitigt worden. Im Jahr 2018 seien es 74 von 85 Bäumen gewesen, schreiben die Liberalen und berufen sich dabei auf einen Sachstandsbericht zum Baumschutz, der dem Bau- und Umweltausschuss am 5. Dezember 2019 vorgelegt wurde.

Eingespartes Geld sinnvoller verwenden

Angesichts solcher Zahlen stelle sich die Frage nach Sinn oder Unsinn der Baumschutzsatzung. Ferner sei es nicht nachvollziehbar, warum bestimmte Bäume geschützt sind (zum Beispiel Walnussbäume oder Esskastanien) und andere nicht (zum Beispiel Obstbäume, Koniferen oder Scheinakazien).

Andernorts scheue man bereits den hohen Verwaltungsaufwand und habe sich zum Ziel gesetzt, auch größere Bäume zu erhalten, argumentieren die Liberalen und nennen die Städte Bielefeld, Bad Salzuflen und Detmold als Vorbilder. Dort habe man die überflüssigen Baumschutzsatzungen bereits abgeschafft. „Das so eingesparte Geld kann sinnvoller für neue Pflanzen verwendet werden“, sagt Günther Klempnauer, Spitzenkandidat der Freien Demokraten in Herford.

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