Herforderin Carolin Taborsky schert ihre Angora-Kaninchen, spinnt und strickt
Ein kuscheliger Schal aus Ludmillas Fell

Herford (WB). 200 Gramm Wolle hat Angora-Kaninchen Ludmilla bei der letzten Schur verloren. Mehr als genug, um sich einen kuscheligen, warmen Schal zu stricken. Genau das hat Carolin Taborsky gemacht: Aus 115 Gramm hat sie einen zwei Meter langen und 23 Zentimeter breiten Halswärmer erschaffen.

Montag, 03.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 09:02 Uhr
Zuerst wird das Haar auf dem Rücken gescheitelt und geschnitten. Dabei sitzt Ludmilla ganz ruhig da. Danach kommt die Elektroschermaschine zum Einsatz. Alle 80 Tage werden die Tiere von ihrem Fell befreit. „Ludmilla ist allerdings erst im August wieder an der Reihe“, sagt Carolin Taborsky. Foto: Kathrin Weege

Die Herforderin ist fasziniert von ihren weißen, puscheligen Angora-Kaninchen. Acht Stück leben im Garten, der extra so umgebaut ist, dass sie frei umher hüpfen können. Mit zwölf Jahren bekam sie ihr erstes Kaninchen, inzwischen hat sie sich auf diese besondere Rasse festgelegt: „Das Deutsche Angora-Kaninchen weiß/rot Auge ist der Klassiker. Mit meiner kleinen Zucht betreibe ich auch Artenpflege, denn die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Nur noch 800 gibt es hierzulande“, sagt die 38-Jährige.

Schur alle 80 Tage

Geschoren werden die Kaninchen alle 80 Tage. Wollertrag: 200 bis 250 Gramm. „Schert man sie nicht, gehen sie ein. Es wird viel zu heiß für sie, außerdem beginnt das Fell zu verfilzen“, sagt die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation. Im Winter wird nicht ganz so kurz geschoren, dann bleiben 1,5 Zentimeter (sonst sind es etwa fünf Millimeter) vom bis zu sechs Zentimeter langen Fell stehen.

„Das Angora-Kaninchen hat leider keinen guten Ruf. Oft wird man direkt damit konfrontiert, dass man es grausam rupfe. Das ist in Deutschland aber nicht der Fall. Sie werden mit einer Maschine – wie die beim Hund – geschoren. Kommt eine Schere zum Einsatz, ist sie gebogen, so dass man immer vom Tier weg arbeitet und es nicht verletzten kann“, erklärt Taborsky.

Die Rasse mit dem runden, puscheligen Schwänzchen ist sehr ruhig. Die Tiere sind zutraulich, lassen sich gerne anfassen. „Sie werden seit dem 17. Jahrhundert für die Wollgewinnung gezüchtet“, weiß die Herforderin. Wenn sie die Schere rausholt und zunächst einen Scheitel auf dem Rücken zieht, dann sitzt Ludmilla ganz ruhig auf dem Tisch. Bevor es mit der Maschine losgeht, wird sie einmal gebürstet. „Um das Gerät zu schonen. Sonst ist es nicht erforderlich, die Tiere zu kämmen“, erklärt Carolin Taborsky.

Auf Märkten unterwegs

Sie ist in zwei Vereinen: Dem Rassekaninchenzuchtverein W304 Löhne und in der Handarbeits- und Kreativ-Gruppe (H&K) Minden-Lübbecke. Im Bereich H&K wurde sie 2019 Landesmeisterin. Kein Wunder, denn Carolin Taborsky erschafft tolle Dinge aus ihrer Kaninchenwolle. „Wenn ich für mich etwas stricke, spinne ich die Wolle selbst“, erzählt sie. Allerdings ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter Evelyn Taborsky auch auf Handarbeits- und Wollmärkten unterwegs und verkauft ihre Wolle, die es neben naturweiß auch in bunten Farben gibt.

Herforderin setzt auf Kaninchen-Wolle

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  • Herforderin setzt auf Kaninchen-Wolle
Foto: Kathrin Weege
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  • Foto: Kathrin Weege
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Um sie verkaufen zu dürfen, müsse sie professionell gereinigt und gesponnen werden. „Das lasse ich machen. Dabei wird die Wolle mit Merino zu einem Faden verarbeitet“, sagt die Züchterin, die auch Rammler besitzt. Es gibt aber nur kontrollierte Zucht – einmal im Jahr.

Kleiner Laden

Seit einiger Zeit hat die Herforderin einen kleinen Laden als Nebenerwerb an der Mindener Straße in ihrer Heimatstadt. Geöffnet ist nur samstags von 11 bis 16 Uhr. Dort können Kunden neben Wolle auch Seifen kaufen. Taborsky: „Das sind Naturseifen, die ich mit gelöstem Keratin aus dem Angorafell anreichere. Es gibt verschiedene Farben und Düfte.“ Sie ist nach eigener Aussage wohl die einzige, die diese speziellen Seifen anbietet.

Fertig gestrickte Teile verkauft die Kaninchenliebhaberin nicht. Aber selbst handarbeiten lohnt sich. „Angorawolle ist fünf- bis sechsmal so warm wie Schafwolle, außerdem weich und sehr leicht“, weiß Taborsky.

Weitere Infos gibt’s hier.

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