Sonja Niehaus (50) arbeitet als Intensivpflegerin im Klinikum
„Ich fühle mich nicht als Heldin“

Herford (WB).Für sie gehört der Kampf um Leben und Tod zum Job-Alltag: Sonja Niehaus arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Intensivschwester im Klinikum Herford. Der Umgang mit Corona-Patienten aber stellt sie vor neue Herausforderungen, wie die 50-Jährige im Interview mit Redakteur Moritz Winde erzählt.

Montag, 03.08.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 06:01 Uhr
Intensivpflegerin mit Erfahrung: Sonja Niehaus hat schon ihre Ausbildung im Klinikum absolviert. Foto: Klinikum

Frau Niehaus, Krankenhausmitarbeiter sind die neuen Helden der Gesellschaft. Fühlen Sie sich auch so?

Sonja Niehaus: Nein, das nicht. Aber natürlich ist es schön, wenn die Leute anerkennen, was wir leisten. Nach den Bildern von der Arbeit auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten wurde ich oft gefragt, ob das im Klinikum auch so läuft. Und ja, im Prinzip machen wir genau dasselbe. Manche konnten sich das gar nicht vorstellen. Zum Glück war die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten hier recht gut händelbar.

 

Finden Sie es fair, dass es keinen 1500-Euro-Bonus für die Krankenpflege gibt?

Niehaus: Darüber rege ich mich nicht auf. Das ist eine politische Entscheidung. In all meinen Berufsjahren habe ich viele – sagen wir mal merkwürdige – Entscheidungen erlebt. Ich betrachte die Diskussion eher nüchtern. Im Grunde machen wir ja auch nur unseren Job, den wir uns selbst ausgesucht haben – nur eben jetzt mit einer neuen Krankheit. Dabei geht’s aber nicht um den Einzelnen, das Zusammenspiel im Team ist entscheidend. Alle leisten ihren Beitrag – von Ärzten über Pflegende bis hin zur Reinigungskraft.

 

Was macht die Arbeit mit Corona-Patienten besonders?

Niehaus: Die hohe Infektionsgefahr und wie wir uns davor schützen. Es ist schon ein enormer Aufwand, die volle Montur anzulegen – und die Arbeit ist körperlich extrem anstrengend. Nach zweieinhalb Stunden im Zimmer ist man fix und fertig und braucht erst einmal eine Pause. Ungewöhnlich sind zudem die zum Teil langen, unvorhersehbaren Verläufe. Die Krankheit hat viele unterschiedliche Gesichter. Zwei Patienten haben auf der Intensivstation bis zu zehn Wochen um ihr Leben gekämpft. Es ging zwei Schritte vor und einen zurück. Sie haben es dann doch geschafft und sind jetzt in der Reha. Das ist für unser ganzes Team die größte Bestätigung. Ansonsten gibt es keinen Unterschied zu anderen intensivpflichtigen Patienten. Sie müssen medizinisch versorgt und körperlich gepflegt werden.

 

Sie arbeiten seit Anfang der 90er Jahre auf der Intensivstation, kennen so ziemlich jedes schlimme Krankheitsbild. Was haben Sie gedacht, als Corona Anfang März den Kreis Herford erreichte?

Niehaus: Es gab gerade in der Anfangszeit viel Unsicherheit, vor allem als man feststellte, dass es sich eben nicht nur um eine Grippe handelt. Auch ich habe mich gefragt: Was kommt da auf uns zu? Bekommen wir das hin? Aber mit der Zeit hat sich eine gewisse Routine im eingestellt. Zumal es auch nicht hilft, sich verrückt zu machen.

 

Bisher sind sieben Corona-Patienten im Klinikum gestorben. Wie gehen Sie mit tödlichen Schicksalen um?

Niehaus: Ich kann das ganz gut verpacken und nehme selten Dinge mit nach Hause. Natürlich fühle ich immer mit den Patienten und Angehörigen mit. So leid mir das auch tut – der Tod gehört aber zum Leben und zu unserer Arbeit dazu.

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