„Schuld ist Corona“: Nach 53 Jahren schließt Ilse Pörtner (84) ihr Heide-Eck
Herfords älteste Wirtin hört auf

Herford (WB). Ein allerletztes Mal noch wird sie an diesem Sonntag hinter der Theke stehen, dann wird der Zapfhahn im Heide-Eck für immer versiegen: Ilse Pörtner, mit 84 Jahren Herfords älteste Wirtin, gibt ihre kleine Kneipe auf – nach mehr als einem halben Jahrhundert.

Samstag, 01.08.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 06:01 Uhr
Dann macht’s mal gut: Mit einem Gläschen Wein in der Hand und einem Knobelbecher stets griffbereit – so kennen und lieben die Gäste ihre Wirtin. Foto: Moritz Winde

Dabei hatte Ilse Pörtner immer betont, so lange weiter machen zu wollen, wie es ihre Gesundheit zulässt. Sie sei zwar auch nicht mehr die Jüngste, ausschlaggebend für die Entscheidung sei jedoch einzig und allein die Corona-Krise gewesen. „Auch meine Gäste sind Senioren. Wir sind es gewohnt, dicht nebeneinander zu sitzen, uns zu unterhalten, zu knobeln, Spaß zu haben. Das ist durch die Auflagen nicht möglich.“

Ilse Pörtner stand bereits zur Eröffnung im Jahr 1967 hinter der Theke.

Ilse Pörtner stand bereits zur Eröffnung im Jahr 1967 hinter der Theke.

Aus diesem Grund hat die Teilzeit-Rentnerin ihr „Wohnzimmer“ nach dem Lockdown-Ende gar nicht erst wieder geöffnet. „Wir gehören alle zur Risikogruppe. Die Verantwortung einer Ansteckung kann und will ich nicht übernehmen.“

Der Entschluss sei ihr überaus schwer gefallen – „jeder weiß doch, wie sehr ich an meiner Kneipe hänge“. 53 Jahre stand die Elverdisserin hinter der Theke , war immer in Kontakt mit Leuten, stets war Trubel – und plötzlich ist von ihrem alten (Berufs)-Leben nichts mehr da. „Ich habe nie die Stunden gezählt, die zu bewältigen waren. Jetzt bin ich sehr traurig über dieses abrupte Ende.“

Ohne Zufall hätte es das Heide-Eck an der Brandheidestraße in Elverdissen wahrscheinlich nie gegeben. »Eigentlich wollten wir einen kleinen Supermarkt eröffnen. Doch die Behörden haben die geplante Neubausiedlung gegenüber doch nicht genehmigt«, sagt die 84-Jährige.

An der Einrichtung der Kneipe hat sich in fünf Jahrzehnten kaum etwas geändert.

An der Einrichtung der Kneipe hat sich in fünf Jahrzehnten kaum etwas geändert. Foto: Moritz Winde

Dumm nur, dass ihr Haus schon gebaut war. Nach einigem Hin und Her beschlossen Ilse Pörtner und ihre Schwester Renate, die Supermarkt-Pläne über den Haufen zu werfen und sich auf das Abenteuer Kneipe einzulassen – gegen die Vorbehalte des Vaters. »Dann haben wir es ja nur mit Besoffenen zu tun«, habe er damals auf Platt gegrantelt, erzählt Ilse Pörtner und muss lachen.

Das Heide-Eck war fast von Anfang an Vereinskneipe des CVJM und TV Elverdissen. Das Motto lautete: »Nach dem Training, nach dem Spiel – Heide-Eck ist unser Ziel!« Ilse Pörtner: »Am Stammtisch saßen die Spielerfrauen zum Klönen, im Clubraum diskutierten die Mannschaften mit ihren Trainern und mittendrin tobte der Nachwuchs, der mit Mengen von Pommes ruhig gestellt wurde.« Ihre Schnitzel waren über Herford hinaus bekannt.

Seit einiger Zeit ist es ruhiger geworden. Nur noch drei Stunden abends hatte Ilse Pörtner geöffnet: Aber diese drei Stunden seien ihre Erfüllung gewesen, kein Stress wie früher, nur noch nette Abende bei einem Gläschen Wein mit ihren Stammgästen, von denen viele Freunde wurden.

An diesem Sonntag feiert Ilse Pörtner mit ihnen einen Abschieds-Frühschoppen. Es ist auf den Tag genau der 53. Jahrestag der Gaststätte – dann ist das Heide-Eck endgültig Geschichte.

Für eine Nachnutzung des Heide-Ecks in Elverdissen gibt es bislang keine Pläne.

Für eine Nachnutzung des Heide-Ecks in Elverdissen gibt es bislang keine Pläne. Foto: Moritz Winde

 

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