Theatervorverkauf beginnt – kleine Bühnen nicht fallen lassen
Eine Frage der Solidarität

Herford (WB). An der Theaterkasse im Gebäude der Stadtbibliothek beginnt am Dienstag, 4. August, der Verkauf der Einzelkarten und der Wahlabos. Das Programm steht fest, in den kommenden Tagen soll das Heft an öffentlichen Stellen ausgelegt beziehungsweise verschickt werden.

Samstag, 01.08.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 06:01 Uhr
Am Dienstag um 11 Uhr beginnt an der Theaterkasse der freie Verkauf. Petra Hirschfeld nennt die neuen Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 11 bis 13 Uhr, donnerstags zusätzlich 16 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Tel.: 05221/50007. Foto: Hartmut Horstmann

Sehnsucht nach „Luxusproblemen“

Grundsätzlich könnten nach den derzeitigen Corona-Bestimmungen alle Plätze besetzt werden – vorausgesetzt, sie sind nummeriert und es ist nachzuvollziehen, wer wo gesessen hat. Doch gilt es, im Foyer und auf den Toiletten den Mindestabstand einzuhalten – so dass Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, sagt: „Wir gehen von maximal 500 Besuchern aus.“ Knapp 700 finden im Theater Platz, die Verantwortlichen sind in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Eine genaue Obergrenze, die ja auch immer wieder aktualisiert werden müsste, gibt es noch nicht. Da niemand weiß, wie der Kartenverkauf läuft, sagt Kornacki: „Wenn wir nach dem ersten Tag von einer Veranstaltung bereits 300 Karten verkauft haben, müssen wir neu nachdenken. Ein solches Luxusproblem hätte ich gerne.“ Als großes Plus in puncto Sicherheit nennt er die Lüftungsanlage mit Zu- und Abluft.

Bodo Wartke steht zum Theater

Obwohl die Maximalzahl geringer ausfällt, hofft das Theaterteam auf eine auch wirtschaftlich gute Saison. Künstler, die am Verkauf beteiligt sind, wissen um eine verringerte Einnahmemöglichkeit. Wenn jemand wie Bodo Wartke trotzdem komme, dann, „weil er zu unserem Haus steht“.

Solidarität heißt das Stichwort. Gerade die kleinen Bühnen dürfe man nicht im Stich lassen, weiß Mitarbeiterin Petra Hirschfeld. „Wenn wir sie jetzt fallen lassen, gibt es sie im nächsten Jahr nicht mehr“, ergänzt Kornacki.

Kommentar

Als Andreas Kornacki Anfang Juni ankündigte, es werde in diesem Jahr wohl keine Theateraufführungen geben, war die Irritation groß. Dies zu einem derart frühen Zeitpunkt festzulegen, schien gewagt. Kurze Zeit später änderten sich die Bestimmungen – und der Geschäftsführer der Kultur gGmbH nahm einen Kurswechsel vor – jetzt doch Theater!

Es gibt Leute, die belächeln Kornackis Kehrtwende als Ausdruck eines Zickzackkurses. Tatsächlich jedoch zeugt die Flexibilität von großem Verantwortungsbewusstsein und dem Sinn fürs jeweils Machbare. Die Perspektive, Aufführungen vor 100 Zuschauern zu präsentieren, hätte große Einnahmeverluste bedeutet. Wenn jetzt die Möglichkeit besteht, wieder mehr Besucher ins Theater zu lassen, darf das Herz für Kultur wieder schwerer wiegen als mögliche wirtschaftliche Bedenken.

Klar ist, den Herfordern steht kein Theater-Rekordjahr bevor. Aber es geht auch im eigenen Interesse um Solidarität. Die Tourneebühnen, die in diesem Jahr keine Auftrittsmöglichkeiten bekommen, sind die, die es im nächsten Jahr nicht mehr geben wird. Zur kulturellen Solidargemeinschaft gehören auch die Zuschauer, die mittels Kartenkauf ihren Teil zum Überleben der Bühnen beitragen können.

Die Vorsicht, mit der Kornacki und das Theaterteam agieren, sollte beim Publikum für Vertrauen sorgen – dass kein Verantwortlicher um der Zahlen willen ein Sicherheitsrisiko eingeht.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7516546?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Dänischer Schlachthof muss vorerst schließen
Die Probleme in Schlachtbetrieben reißen offenbar nicht ab. Nachdem bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück der Betrieb (Foto) wochenlang ruhen musste, wird jetzt ein Betrieb in Dänemark für mindestens eine Woche geschlossen. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker