Bedrohte Art in Stedefreund entdeckt – Ergebnis der städtischen Untersuchung widerlegt
Krebsfund könnte Bauplanung verändern

Herford (WB). Das geplante Neubaugebiet in Stedefreund erhitzt seit mehr als einem Jahr die Gemüter, der Widerstand vor Ort ist groß . Der Nachweis einer bedrohten Edelkrebs-Art in unmittelbarer Nähe könnte jetzt Folgen für das Projekt haben.

Donnerstag, 30.07.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 06:01 Uhr

Nachdem bei einer von der Stadt im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Untersuchung im dortigen Bach Holtbeke der Edelkrebs Astacus astacus nicht nachgewiesen wurde, hat ein Mitarbeiter des Umweltzentrums Heerser Mühle Mitte des Monats zwei männliche Exemplar der auf der roten Liste stehenden Tiere im Mühlenteich entdeckt. Dieser ist mit der Holtbeke verbunden und nur wenige hundert Meter vom geplanten Neubaugebiet entfernt.

„Die bei solchen Bauvorhaben übliche artenschutzrechtliche Überprüfung der Stadt kam mir doch etwas platt vor. Es wurden lediglich Reusen am oberen Lauf der Holtbeke und jenseits der Bahn an der Einmündung zur Aa hin aufgehängt“, sagt Gerd Teuteberg-Pehle vom BUND. Der Bereich dazwischen – vor allem der Mühlenteich am Glockenweg – sei ausgespart worden.

„Da sind bestimmt noch mehr“

Deshalb hatte der BUND das Umweltzentrum Heerser Mühle in Bad Salzuflen beauftragt, auch den Teich nach den Edelkrebsen abzusuchen. Diese gehörten schließlich zu den „planungsrelevanten Arten“. „Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, sie dort zu finden, deutlich höher“, sagt Teuteberg-Pehle. Und richtig: Andreas Beerens, Mitarbeiter der Heerser Mühle, fand Mitte Juli zwei männliche Exemplare. „Ich hatte für ein Wochenende vier Reusen in den Teich gehängt“, erzählt er. „Da sind bestimmt noch mehr.“

Der Mühlenteich, Teil eines Naturschutzgebietes, gehört zum Anwesen von Anne und Egon Stranghöner. Sie wohnen seit mehr als 20 Jahren in der ehemaligen Fachwerkmühle am Glockenweg. „Wir haben hier bereits vor Jahren einen dieser Edelkrebse gefunden, ein weibliches Tier“, sagt Anne Stranghöner. Sie und ihr Mann wären von dem Neubaugebiet mit 60 bis 75 Wohneinheiten besonders betroffen. „Schon jetzt ist die Lage bei Starkregen für uns kritisch. Es macht uns Sorgen, dass viel Fläche versiegelt und das Regenwasser in die Holtbeke geleitet werden soll“, erklärt Egon Stranghöner. Da nütze es auch nichts, wenn die Dächer der neuen Häuser begrünt würden.

Bauprojekt könnte teurer werden

Dass der Edelkrebs-Fund das Großprojekt verhindert, glauben die Stranghöners nicht. Aber mit dem Oberflächenwasser, das von den neubebauten Flächen in die Holtbeke geleitet werden soll, gelange ja auch Reifenabrieb, Öl oder Streusalz in den Bach, was wiederum der streng geschützten Krebsart zusetzen würde. „Also müsste das Oberflächenwasser eigentlich anders abgeleitet werden“, sagt Stranghöner. Der Bau eines neuen Abwasserkanals würde das Projekt für den Investor wiederum deutlich verteuern.

Von der Stadt war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. Alle zuständigen Mitarbeiter der Bauverwaltung seien im Urlaub. Im Edelkrebs-Gutachen vom vergangenen Sommer ist von „offenbar gänzlich erloschenen Beständen des Edelkrebses“ in diesem Bereich die Rede. Ende Juni 2019 hatte ein Experte aus Melle für einen Tag auf 900 Metern 28 Reusen in die Holtbeke gehängt. Bereits bei einer Dichte von drei bis fünf erwachsenen Krebsen auf 100 Metern Uferlinie gelte eine Fortpflanzung als nicht sicher, so sein Urteil.

Kommentare

Doris Eichholz  wrote: 30.07.2020 19:13
Edelkrebse im Mühlenteich
Eine Schlappe für die Stadt Herford und eine mangelhafte artenschutzrechtliche Überprüfung. Da drängt sich doch der Verdacht auf, dass nichts gefunden werden sollte.
Wie gut, dass es noch Experten gibt, die gründlicher untersuchen. Da die Holtbeke durch den Mühlenteich fließt, wäre es eigentlich selbstverständich gewesen, auch dort zu suchen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen werden.
Herforder47  wrote: 30.07.2020 17:01
Immer die selben die auffallen...
Schade dass immer wieder neue Gründe gegen das Neubaugebiet gesucht werden.

Unsere Tochter träumt schon lange vom Eigenheim für sich und Ihre Familie. Gerade in Stedefreund wäre es optimal, zumal wir ja auch hier wohnen und Sie hier aufgewachsen ist.
Leider gibt es wie überall, auch hier (Gott sei dank nur) eine Handvoll Anwohner die gegen alles wettern.
Das Neubaugebiet ist kein Naturschutzgebiet, sondern ein bereits umbautes Stück Ackerfläche mitten in Stedefreund.
Die Anwohner die sich über das Neubaugebiet beschweren haben entweder angrenzend an dieses Feld vor Jahren ihr Eigenheim direkt am Naturschutzgebiet errichtet oder bereits eben genau auf diesem Stück Ackerland gebaut.

Und jetzt einen Grund vorzuschieben nur weil man sich abschottet und keine Lust auf neue Nachbarn hat finden wir wirklich Schade.
Übrigens sind es die Leute, die hier vor Jahren moniert haben, dass der Bach um den es geht durch anhaltende Trockenheit gefährdet ist. Und jetzt soll dort Regenwasser, sogar über ein Vorhaltebecken, stetig eingeleitet werden. Ich glaube das Regenwasser ist durchaus weniger belastet als die andauernde Nitratbelastung und das einbringen von Düngern durch die Landwirtschaft die dort aktuell betrieben wird.

Wir hoffen und freuen uns jedenfalls darauf das dort demnächst gebaut werden darf. Auf eine neue Nachbarschaft. :)
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