Aus Mini-Kirmes wird Biergarten – Kirche stellt Fläche kostenlos zur Verfügung
„Biene Maja“ hat’s nicht geschafft

Herford (WB). Reichtümer, sagt Schausteller Björn Laffontien, werde er mit der Kirmes im Kleinstformat auf dem Münsterkirchplatz sicher nicht verdienen. Und doch sei es ein wichtiges Zeichen – nach dem Motto: „Seht her, uns gibt es noch!“

Mittwoch, 15.07.2020, 03:03 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 05:02 Uhr
Zum Wohl: Schausteller Björn Laffontien freut sich darauf, mit den Herfordern unter freiem Himmel anzustoßen. Foto: Moritz Winde

Genau genommen ist es gar keine richtige Kirmes: Dafür fehlt zumindest ein Karussell. Doch die „Biene Maja“ hat’s nicht geschafft. Die bei Kindern beliebte Rundreise auf Insekten oder Feuerwehrautos ist den Auflagen der Corona-Schutzverordnung zum Opfer gefallen. Deshalb heißt es ja auch Biergarten „Bierlinde unter den sieben Sonnen“. Der hat bis zum 8. August von dienstags bis samstags immer zwischen 11 und 21 Uhr geöffnet.

Nur drei statt wie geplant acht Buden

„Wir wollten eigentlich acht Buden und ein Karussell aufbauen. Mit dem Ordnungsamt war schon alles abgestimmt. Am 2. Juli kam dann aber der neue Erlass der Landesregierung“, bedauert Björn Laffontien den erneuten Rückschlag. Und darin sei leider festgelegt, dass der ursprünglich konzipierte Jahrmarkt hätte eingezäunt werden müssen. Damit aber wäre in den Augen des 50-Jährigen der Charakter eines Volksfestes im Mini-Format zerstört worden. „Wir sind doch kein Freizeitpark.“

So also gibt es weder Crêpes, noch Champignons, noch Eis oder Mandeln – und eben auch kein Karussell. „Das tut mir leid für die Herforder und meine Kollegen. Ursprünglich waren sieben Familien beteiligt, fünf mussten wir wieder ausladen“, sagt Initiator Björn Laffontien.

Geblieben sind ein Hot-Dog-Stand und eine Bratwurst-Bude sowie der Biergarten mit zehn Zeltgarnituren. Zunächst habe es sogar geheißen, es dürfe kein Alkohol ausgeschenkt werden. Nach einigen Telefonaten mit den heimischen Landtagsabgeordneten sei die 0,0-Promille-Angelegenheit aber vom Tisch gewesen.

Kirche rechnet mit weniger Steuern

Kaum eine andere Branche hat unter den Folgen der Pandemie derart zu leiden wie die Schausteller. Björn Laffontien: „Viele wirtschaftliche Existenzen sind gefährdet. Ein Kollege sagte neulich, die Situation sei schlimmer als nach dem Krieg. Damals hatte man zumindest eine Perspektive. Jetzt weiß niemand, wann und wie es weitergeht.“

Umso erfreuter ist der Herforder, dass die evangelische Kirchengemeinde erstens den Münsterkirchplatz zur Verfügung stellt und zweitens keine Miete verlangt. Auf öffentlichem Grund wäre der Biergarten so nicht möglich gewesen. Pfarrer Johannes Beer: „Normalerweise nehmen wir genau festgelegte Standgebühren. Aber diese Zeiten sind besonders – wir müssen noch enger zusammenstehen. Wir sind froh, helfen zu können.“

Dabei befürchtet auch die Kirche erhebliche finanzielle Einbußen. Man rechne mit bis zu 25 Prozent weniger Kirchensteuern, bedingt durch die viele Kurzarbeit, sagt Johannes Beer.

Idyllisches Plätzchen: Pfarrer Johannes Beer hat im Schatten der Münsterkirche Platz genommen. Im Biergarten gelten natürlich die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

Idyllisches Plätzchen: Pfarrer Johannes Beer hat im Schatten der Münsterkirche Platz genommen. Im Biergarten gelten natürlich die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Foto: Moritz Winde

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