Tom Fronza startet seine Corona-Konzertreihe im eigenen Garten
Der geigende Klaus

Herford (WB). „No Rain“ riefen die Besucher des Woodstock-Festivals, um den Regen zu vertreiben. „No Rain“ hofften auch die Gäste eines Gartenkonzertes in Herford. In puncto Wetter hatten die heimischen Musiker mehr Glück, bei den Besucherzahlen indes zeigt sich, dass sich die Zeiten geändert haben. Knapp eine halbe Million Menschen waren in Woodstock dabei, im Garten von Tom Fronza wurden 25 gezählt.

Sonntag, 12.07.2020, 16:00 Uhr
Klaus der Geiger, der als bekanntester Straßenmusiker Deutschlands gilt, spielt im Garten von Tom Fronza (rechts). Komplettiert wird die Formation Ruki Werch an diesem Abend durch den Gitarristen Marius Peters. Foto: Hartmut Horstmann

Stühle weit auseinandergestellt

Corona heißt der Grund, nach neuen Auftrittsmöglichkeiten zu suchen – denn die Festivals, bei denen Musiker wie Tom Fronza auftreten, fallen in diesem Sommer pandemiebedingt aus. Und so hatte der Multiinstrumentalist zwei Kollegen zu einem Konzert in seinen Garten eingeladen: zum einen den bekannten Straßenmusiker Klaus den Geiger, zum anderen den Gitarristen Marius Peters.

Mit dem Straßenmusiker spielt Fronza in dem Trio Ruki Werch. Normalerweise gehört Uwe Dowe noch dazu, doch in Herford wurde er durch Marius Peters ersetzt.

Für Fronza bedeutet das Konzert den Auftakt einer Reihe, bei der er nach Zeiten der bitteren Corona-Stagnation wieder etwas Geld in die Haushaltskasse bekommt. Den Abstandsregelungen entsprechend waren die Stühle im Garten weit auseinandergestellt worden. Daher war die Besucherzahl überschaubar, so dass das grundsätzlich öffentliche Konzert schnell ausverkauft war.

Am Schluss ein Lied von Rio Reiser

Im Mittelpunkt des frühabendlichen Musizierens stand Klaus der Geiger, bekannt auch als „Asphalt-Paganini“. Von Klezmer über Swing bis Protestfolk reicht das Spektrum der Musik, die elegisch und gleichzeitig lebensfroh daherkommt, bisweilen sogar ekstatisch. „Das Leben ist schön, ich habe nie was Schöneres gesehn“ singt der Musiker aus Köln.

Bei so viel Ja zum Leben wendet er sich auch gegen die weitverbreitete Corona-Traurigkeit, begreift die Pandemie als Chance: „Corona, du bringst alles unter einen Hut. Und das ist gut.” Raus aus der Klimakatastrophe, raus aus dem Wachstumszwang – dies ist die Hoffnung, die der geigende Klaus den Gartengästen mit auf den Weg gibt. Und zum würdigen Abschluss ein Lied von Rio Reiser: „Land in Sicht“ mit der Zeile „Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen“. Großes Kino, den Zuhörern geht das Herz auf und der Himmel bleibt trocken.

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