Streit mit WWN: Betriebsrat fürchtet Kündigungen
Archimedes-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Herford (WB). Im Streit zwischen dem regionalen Netzbetreiber Westfalen Weser Netz GmbH (WWN) und dem Herforder Unternehmen Archimedes scheint keine Lösung für die mehr als 100 betroffenen Mitarbeiter in Sicht zu sein. Archimedes-Betriebsrat Jürgen Beinke: „Ich befürchte, es kommt zu betriebsbedingten Kündigungen.“

Freitag, 10.07.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 07:12 Uhr
Archimedes-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Beinke (61) steht vor der WWN-Zentrale in Herford: Nachdem der regionale Netzbetreiber die Verträge fristlos gekündigt hatte, wurde ihm und vielen seiner Kollegen der Zutritt verwehrt. Foto: Moritz Winde

Noch werden die Beschäftigten, die seitens Archimedes bisher für die WWN gearbeitet hätten, zwar entlohnt, aber: „Die Frage ist wie lange. Es ist nicht davon auszugehen, dass Archimedes auf Dauer Leute bezahlen kann, die zu Hause sitzen“, sagt Beinke. Mit der WWN sei Achimedes der größte Auftraggeber von heute auf morgen weggebrochen. Der 61-Jährige beziffert das Volumen auf 60 Prozent des Gesamtumsatzes.

Seit 2005 hatte sich Archimedes quasi wie ein Hausmeisterservice um die Bewirtschaftung und Verwaltung der 150 eigenen und gemieteten Immobilien des kommunalen Netzbetreibers gekümmert. Die Leistungen sind sehr vielseitig und beinhalten neben baulichem und technischem Gebäudemanagement auch Küchen und Kantinen sowie Veranstaltungsmanagement. Unter anderem waren Archimedes-Mitarbeiter an den WWN-Hauptstandorten in Herford (etwa 20) und Paderborn (etwa 30) sowie in Kirchlengern und Minden tätig.

„Wir haben quasi Hausverbot“

Bis am 15. Mai plötzlich Schluss war. An jenem Freitagnachmittag hatte die WWN sämtliche Dienstleistungsverträge mit Archimedes fristlos gekündigt, obwohl diese eigentlich noch bis 2025 gültig waren. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um intransparente Rechnungsführung und vertragswidriges Verhalten.

Am darauf folgenden Montag, 18. Mai, wurde den Archimedes-Mitarbeitern – darunter geringfügig Beschäftigte, aber auch Führungsmitarbeiter – der Zutritt zu sämtlichen WWN-Gebäuden verweigert. „Um 6.15 Uhr bekam ich die ersten verzweifelten Anrufe. Die Chip-Karten waren gesperrt. Die Mitarbeiter hatten quasi Hausverbot. Sie konnten nicht einmal mehr ihre Schreibtische räumen. Das war ein Schock für die Kollegen – und ist es noch immer. Denn niemand weiß, wie es weiter geht. Sie hängen im luftleeren Raum. Dabei haben sie jahrelang einen guten Job gemacht und können rein gar nichts für die Streitigkeiten zwischen den Chefetagen.“

Das Zerwürfnis wird wohl ein Fall für die Gerichte werden. Die Geschäftsführer der beiden Unternehmen sollen nach Informationen dieser Zeitung nicht mehr miteinander sprechen. „Das läuft nur noch über Anwaltskanzleien“, sagt Jürgen Beinke, der ebenfalls nicht mehr in die WWN-Gebäude hereinkommt. „Die Chip-Karten mussten wir abgeben.“

Scharfe Kritik von Verdi

Auch die Gewerkschaft kritisiert den Umgang mit den Mitarbeitern: „Hier werden Querelen von zwei Unternehmen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen“, sagt Martina Schu, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Ostwestfalen-Lippe.

Zwar gilt für einige Beschäftigte – es sollen knapp 40 sein – aufgrund einer gemeinsamen Unternehmensvergangenheit ein vertragliches Rückkehrrecht und die WWN hatte bereits am 25. Mai der Presse gegenüber geäußert, ihrer sozialen Verantwortung und den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

„Sie tun es aber nicht, zumindest wird den Beschäftigten seitdem nicht erklärt, wie es weitergehen wird“, moniert Martina Schu. Die Beschäftigten benötigten dringend ein Zeichen, wie es mit ihnen weitergehe. Man erwarte mehr als ein Lippenbekenntnis zur sozialen Verantwortung.

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