Mathilden-Hospital: Chefarzt spricht von „kleiner Revolution“
Darmkrebs sichtbar machen

Herford (WB). „Eine kleine Revolution. Das hat es vorher so in der Medizin noch nicht gegeben.” Dr. Detlev Scholz, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am Mathilden-Hospital, ist total begeistert. Seit kurzem arbeiten der erfahrene Gastroenterologe und sein Team in der Darmkrebsvorsorge mit Unterstützung künstlicher Intelligenz.

Donnerstag, 09.07.2020, 22:00 Uhr
Chefarzt Dr. Detlev Scholz zeigt, wie einfach die neue Software, die seit Anfang des Monats in der Gastroenterologie des Mathilden-Hospitals Anwendung findet, funktioniert. Anomalien der Darmschleimhaut werden auf dem Monitor eingekästelt. Foto: Daniela Dembert

Als erstes Krankenhaus in Ostwestfalen nutzen die Mediziner nach eigenen Angaben während der Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung eine Software, die dem menschlichen Auge nicht sichtbare mögliche Vorstadien von Darmkrebs sichtbar macht.

Drei Millionen Datensätze

„Das System arbeitet auf Grundlage von drei Millionen Datensätzen, die in 800 Koloskopien (Darmspiegelung, Anm. d. Red.) von weltweit anerkannten Referenzgastroenterologen erstellt worden sind”, erklärt Detlev Scholz. Während der Endoskopie gleiche die Software durchgehend die erstellten Bilder mit den vorhandenen Datensätzen ab und mache etwaige Anomalien der Dickdarmschleimhaut kenntlich. „Für uns Endoskopiker ist das, als sei die Expertise dieser 30 Experten bei jeder Untersuchung dabei”, sagt Scholz.

Da ein Computer die Bilder anders analysiere, als es das menschliche Auge tue, sei eine zusätzliche Perspektive gegeben. Für den Patienten bedeutet das vor allem eines: mehr Sicherheit und Gewissheit.

Permanente Fütterung mit Daten

Ist der Befund negativ, steht eine nächste Untersuchung erst nach zehn Jahren an. Wurden Adenome (Darmpolypen) gefunden, verringert sich entsprechend der Zeitraum bis zur nächsten Untersuchung. Bei der durch Artificial Intelligence unterstützten Koloskopie haben gerade Patienten, bei denen Adenome gefunden wurden, mehr Sicherheit, dass nichts übersehen wurde. „Wir können Polypen in der Regel einfach entfernen. Es gibt enorm viele Techniken zur Behandlung von Darmkrebsvorstadien. Aber wir müssen die Adenome eben erstmal erkennen”, sagt Scholz.

Die Funktion der Software aus dem Hause Cosmo Pharmaceutical sei schon jetzt großartig, werde aber immer weiter mit Daten gefüttert und lerne.

„Künftig soll auch die Charakterisierung der Polypen, also ob sie gutartig, potenziell bösartig oder bösartig sind, möglich sein und die Ausdehnung der Untersuchungen auf andere Organsystem wie zum Beispiel Speiseröhre, Magen und Dünndarm ist geplant”, berichtet der Chefarzt. Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen werden von Experten für Männer ab 50 und für Frauen ab 55 Jahren empfohlen.

„Keine große Sache“

„Eigentlich keine große Sache” sei eine Darmspiegelung, nimmt Scholz den Schrecken vor der Untersuchung. „Wir können alles in einem Durchgang machen: Untersuchung, Erkennung und Entfernung von Polypen, so dass kein zweiter Eingriff erfolgen muss.”

Trotzdem sterben jährlich 25.000 Menschen bundesweit am Darmkrebs und 60.000 Neuerkrankungen werden registriert. Problem: Darmkrebs entwickelt sich für den Betroffenen beschwerdefrei. Durch die Vorsorge kann die Zahl der Darmkrebserkrankungen allerdings sehr gut minimiert werden.

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