Die Sorgen eines Gastronoms: Cxielo-Chef Admir Selimovic macht seit Monaten Minus
„Ich habe viele schlaflose Nächte“

Herford (WB). Es ist eines der bekanntesten Restaurants in Herford – und könnte schon bald Geschichte sein. „Uns steht das Wasser bis zum Hals. Vergesst uns nicht!“, sagt Betreiber Admir Selimovic beinahe flehentlich.

Samstag, 04.07.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 15:46 Uhr
Wie geht es im Cxielo weiter? Diese Frage stellt sich Admir Selimovic jeden Tag. Mittlerweile sei die Corona-Krise für ihn existenzbedrohend. Foto: Moritz Winde

Das Cxielo hat gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: Im Marta-Viertel gibt es so gut wie keine Laufkundschaft. Hinter der Backsteinfassade kann man es sich zwar auf der Außenterrasse gut gehen lassen, doch davon wissen die wenigsten. Und mit 230 Sitzplätzen ist das Cxielo nicht gerade ein kleiner Laden.

Nach dem Ende des Lockdowns sei das Geschäft nie wieder in Fahrt gekommen. „Die Leute sind total zurückhaltend, wollen vermutlich lieber im Biergarten oder Beach-Club sitzen,“ bedauert Admir Selimovic, der das Cxielo seit 2011 führt. Auch an diesem sonnigen Mittag sind nur ein paar vereinzelte Tische besetzt – viel zu wenig, um annähernd über die Runden zu kommen. „Seit Monaten mache ich nur noch Verluste.“

Nicht nur das Tagesgeschäft ist mau, Veranstaltungen der nächsten Monate wurden reihenweise abgesagt: Unter anderem hat der Kreis Herford seine After-Work-Party mit 150 Mitarbeitern im Oktober gecancelt.

Vermieter will Pacht erlassen

Für den 41-Jährigen geht es in der Corona-Krise um nichts weniger als die pure wirtschaftliche Existenz. Die 9000 Euro Soforthilfe vom Bund seien da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. Die laufenden Kosten drohen den Gastronomen aufzufressen. „Ich habe jeden Monat allein 9000 Euro an Betriebskosten.“ Und das Personal – im Cxielo arbeiten drei Festangestellte sowie 20 Aushilfen – will auch entlohnt werden. Die Kult-Kneipe Föge am Alten Markt, deren Chef er ebenfalls ist, laufe zwar besser, könne das Minus aber nicht ausgleichen.

Die finanzielle Situation sei so belastend, dass Admir Selimovic viele schlaflose Nächte habe. Der psychische Druck sei enorm. „Manchmal denke ich, es ist besser, alles hinzuschmeißen. Aber ich hänge an dem Laden.“ Daher hofft er, dass ihn die Herforder nicht im Stich lassen.

Eine gute Nachricht gibt es: Der Vermieter hat angekündigt, dem gebeutelten Restaurantchef die Pacht zum Teil zu erlassen. Ob dies allerdings reicht, ist mehr als fraglich.

Das Cxielo in der alten Rubens-Fabrik im Marta-Viertel.

Das Cxielo in der alten Rubens-Fabrik im Marta-Viertel. Foto: Moritz Winde

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